Kuta

Kuta, sprich mir nach: „K“ wie Kulturschock, „U“‚ wie Kulturschock, „T“ wie Kulturschock und „A“ wie Kulturschock! Die Wirkung, die dieser Ort auf uns – die Neuankömmlinge aus Flores – hat, ist eindeutig. Obwohl wir Bali schon kennen, fühlen wir uns wie Aliens in einer neuen Galaxy. Um uns herum breiten sich Einkaufszentren aus, Hotels jeder Kategorie, ATMs – andernorts suchen wir förmlich nach ihnen – bilden hier eine bunte Reihe. In offenen Restaurants hocken schwitzige Zero-Action-Touristen vor ihrem Bier. Andere, der gleichen Gattung, schleppen Einkaufstüten mit sich, das Smartphone ans Ohr gepresst oder an einem Speiseeis schleckend. Wo ist Bali? Hier natürlich.

Diese Seite der Insel, die kommerzielle, den Pauschaltouristen anlockende, die nur verwöhnt und nicht fordert, haben wir übersehen. Aber es gibt sie, unübersehbar.

Unser Hotel befindet sich in einer erstaunlich ruhigen Nebenstraße der Poppies Lane. Gewählt haben wir diese Unterkunft, weil es nicht weit zum Flughafen ist und der Strand in Fußentfernung liegt. Wie auch immer, Kuta kann offensichtlich ganz elementare Bedürfnisse bedienen, sowohl von Besuchern als auch von Einheimischen, allein das macht bereits seine Existenz plausibel.

Natürlich wandeln wir nicht mit geschlossenen Augen durch dieses andersartige Bali. Dazu sind die Eindrücke zu herausfordernd. Streetart, grelle Graffitis erquicken Mauern und Wände. Nicht schlecht gemacht und authentisch, weil sie das Lebensgefühl der Leute aus Kuta auf den Punkt bringen.

Hier wird gelebt, getanzt, kontaktet. Hier wird verkauft, angequatscht, flaniert. Viele junge Balinesen sehen wir. Rastatypen und Hipster, Muscle-Boys, die cool an ihren Motorrädern lehnen, Girlies, die sich herzeigen. Dazwischen Touristen, die, so wie sie auftreten, sich geben und optisch wirken, sofort zum Ballermann gebeamt werden könnten, ohne dort aufzufallen.

Das Straßengewirr präsentiert sich als Ansammlung von Clubs, Speisehallen und kleinen Warongs. Eine sehr bunte, künstliche Welt, vielleicht an einigen Ecken eher eine „Halbwelt“, nämlich dort, wo die Bars provozierend grell sind und die Massagesalons in diskrete Hinterzimmer führen.

„Der Mix macht es“ wirbt ein Radiosender bei uns in Deutschland, das Motto triftt auch hier ins Schwarze: Ramsch trifft auf Luxus, Billiges auf Teures und Kitsch auf Kunsthandwerk. Unser Viertel strotzt vor Einkaufsmöglichkeiten. Für den Reisenden, der gerade aus Australien, Europa oder den USA kommt, mag das zum normalen Straßenbild gehören, uns jedoch stecken fünfeinhalb Wochen Sulawesi und Flores in den Knochen, Inseln, wo Einkaufen nur die Grundbedürfnisse bedient, nicht aber den Überfluss.

Wer reist, muss sich mit den Verhältnissen, die er vorfindet, arrangieren oder einen Ortswechsel ins Auge fassen. Wir bleiben, nehmen die kurze Zeit als Erfahrung mit. Könnte ja sein, es fragt mal jemand „na, wie war eigentlich Kuta“ und da wollen wir natürlich sprechfähig sein.

Kuta hat seinen Beach und der ist für uns die Hauptattraktion. Schon kurz nach unserer Ankunft sind wir dort, schliesslich war die Strandnähe ein entscheidendes Kriterium für die Wahl unserer Unterkunft. Kuta Beach ist ein Naturereignis. Kuta Beach ist aber auch ein sozialer Magnet. Etwa 8 km zieht sich der Sandstrand vom Südosten, wo der Flughafen angrenzt nach Nordwesten, fast bis zur Höhe von Tanah Lot. Der Strand ist, sooft wir dort sind, kein idyllisches Refugium zum Plätschern im Wasser, hier geht es zur Sache. Meterhohe, schwere Brecher rollen vom Meer heran, klatschen Gischt sprudelnd in sich zusammen, bauen sich auf und laufen in weitem Bogen am Ufer aus. Und das über die gesamte Länge, soweit das Auge sehen kann.

Solche spektakuläre Anblicke scheinen wohl jeden zu faszinieren. Für die Zuschauer sind parallel zum Strand unzählige „Sonnenschirm-Restaurants“ aufgebaut. Plastikstühle davor mit provisorischen Tischlein. Dahinter Kühlboxen, Kästen voller Bier, Säften und Spirituosen zum Mixen von Cocktails. Das aufregende Schauspiel der Wellen ist Live-Kino. Du setzt Dich einfach unter den Schirm Deiner Wahl, lässt Dir Bier, Saft oder Cocktail reichen und gibst Dich dem Geschehen hin.

Surfer sind am Strand, Gruppen von Neulingen, die das Wellenreiten üben und Beachboys /-girls die schon ein bisschen mehr können. Spaziergänger schlendern über den Sand, so wie wir einen Tag später. Du kannst hier gut und gerne einige Kilometer wandern und das Meer aus nächster Nähe auf Dich wirken lassen. Schwimmen ist so eine Sache. Wir sehen meist die rote Flagge, die ein absolutes Badeverbot anzeigt, aus Sicherheitsgründen. Aber hier ist Indonesien. Auch wenn der Bademeister die Leute mit der Trillerpfeife heraus dirigiert, gehen sie sofort wieder in die Wellen.

Kuta Beach bietet für jeden etwas. Wir erleben, wie ganze Schulklassen hier einfallen, Touristen umzingeln um ein gemeinsames Foto zu bekommen, wie Mütter mit Kinderwagen unterwegs sind und beobachten Kleinkinder, mit frisch gebuddelten Burgen, die bei der nächsten Woge platt gemacht werden. Kein Problem, wer seine Decke dabei hat, breitet sie aus und sonnt sich oder mietet sich für ein paar Rupien eine Strandliege. Alles geht, nichts muss, Kuta Beach bietet Freizeitvergnügen für jeden, nach seiner Facon.

Ob es dieses zur Schau stellen von Lebensfreude war, das am 12. Oktober 2002 fanatische religiöse Terroristen dazu brachte, in Kuta 2 Bomben zu zünden und 202 Menschen zu ermorden wissen wir nicht. Ein Denkmal mit den Namen aller Opfer, an der Jalan Legian erinnert an dieses Verbrechen, das sich hoffentlich nie wiederholt.

Kuta, wir erleben es eher als Beobachter, denn als aktive Shopper oder Barbesucher. Aber wir freuen uns, hier günstige Restaurants mit hervorragend zubereiteten indonesischen Gerichten vorzufinden, können Näharbeiten beauftragen, die in Deutschland kaum bezahlbar sind und nehmen die Tage als Abwechslung, die uns nicht viel abfordern. „Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet“ würde der greise Pater Bollen aus Maumere wohl sagen und beide Augen zudrücken. Genau!

Wie wir hierher gekommen sind, könnt Ihr hier nachlesen.

Unser Tipp für Kuta: Wir haben im Pondok Krishna übernachtet!

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