Ayutthaya

Rund 80 km nördlich von Bangkok liegt Ayutthaya, die ehemalige Hauptstadt Siams. Viele nehmen die Stadt quasi en passant mit, über einen Tagesausflug von Bangkok aus. Wir meinen, es braucht mehr Zeit, diesen fantastischen Ort zu entdecken. Warum also nicht einige Tage hier übernachten und sich in den antiken Ruinen der alten Metropole treiben lassen?

3 Flüsse fließen hier zusammen und die Küste lag vor einigen hundert Jahren, bevor die Verlandung einsetzte, noch fast vor der Haustür der Stadt. Ayutthaya, ursprünglich gegründet von den Khmer, wuchs unter der Herrschaft der siamesischen Könige zur Weltstadt mit 1 Million Einwohnern. Reich war dieses Ayutthaya, ein prächtiger Ort des Handels, Zentrum für Kaufleute, Wohlstand und Macht. Historische Quellen beschreiben es als ein Venedig Südostasiens, mit 94 Stadttoren, 29 mächtigen Verteidigungsforts und fast 400 Tempeln, viele davon prunkvoll verziert und mit Gold bedeckt. Das weckte Begehrlichkeiten, etwa bei den Birmanen, mit denen sich die Thai oft im Krieg befanden. Während der Kämpfe im späten 18. Jahrhundert wurden große Teile der Region so zerstört, dass sie sich nicht mehr erholten. Darunter seltsamerweise auch viele heilige Tempelanlagen, obwohl ja beide Seiten Buddha verehrten. Vieles gilt als unrestaurierbar, gleichwohl ist das, was wir jetzt bewundern, so phänomenal, dass die UNESCO diese Anlagen zum schützenswerten Weltkulturerbe deklariert hat.

Stilistisch erinnern die Bauten in dieser Region an das birmanische Bagan oder das kambodschanische Angkor Wat. Auch die Ausdehnung der musealen Flächen ist vergleichbar imposant, Ayutthaya braucht sich in keiner Hinsicht zu verstecken. Viele Sehenswürdigkeiten befinden sich im historischen Kern Ayutthayas, einem Areal, eingebettet wie eine Insel, zwischen den 3 Flüssen Mae Nam Chao Phraya, Mae Nam Pa Sak und Mae Nam Lop Buri. Andere Baudenkmäler liegen im näheren Umkreis, sind aber vom Zentrum aus gut erreichbar.

Der Zugang zu den besonders spektakulären Sehenswürdigkeiten kostet Eintritt, für Ausländer, je nach Wichtigkeit des Objekts zwischen 20 und 50 Baht, also umgerechnet zwischen rund 0,50 und 1,30 € pro Person. Das ist moderat, auch wenn es für Senioren keine Sonderpreise gibt. Schade auch, dass an den Ticketschaltern keine Karte erhältlich ist, mit der man als Besucher Zugang zu allen Sehenswürdigkeiten bekommt; so muss halt jedesmal neu gezahlt werden.

In den zwei Tagen, die wir bleiben, gehen wir punktuell vor; alles zu sehen ist nahezu unmöglich. Wir starten mit der von uns aus am günstigsten erreichbaren Tempelanlage Wat Maha That im Geschichtspark an der der Chi Kun-Straße, in der nordöstlichen Ecke des Phra-Ram-Parks. Das weitaus berühmteste und meistfotografierte Objekt dort ist übrigens das in einen Baum eingewachsene Bild des Buddhas.

Die Anlage, typisch für das, was wir noch sehen werden, besteht aus mehreren, stupaartigen Türmen zwischen langen Gängen, an denen ungezählte Buddhastatuen aufgereiht sind. Viele sind nur rudimentär erhalten, einige aber in voller Pracht. Überreste von Ziegelmauern lassen erahnen, welche Dimensionen die Bauten einst hatten und welche Ausstrahlung davon ausgegangen sein muss. Wir nehmen uns die Zeit, die ausgestellten Objekte und Strukturen eingehend zu betrachten.

Danach geht es in den nahegelegenen Wat Ratchaburana. Tatsächlich unterscheiden sich die Anlagen, so dass eigentlich jede Besichtigung lohnt. Auch der Laie schafft es, Besonderheiten zu identifizieren, sei es durch die Größe, die Strukturen, die Ausgestaltung der Bauten und natürlich durch den Grad ihrer Unzerstörtheit.

Wer gut zu Fuß ist, funktioniert die Besichtigungen zu einer kleinen Wandertour um. Vom Ausgangspunkt Wat Maha That folgt man den Wegen, die durch den gepflegten Phra Ram Park führen, vorbei an kleinen Seen geht es über Brücken bis zum nordwestlichen Ende. Von dort erreichen wir den gegenüberliegenden Wat Thammikarat. Der zentrale Chedi wird symbolisch von 13 Löwen Skulputuren bewacht, erbaut ist dieser Tempel im 16. Jahrhundert. Nach einer kurzen Rast wenden wir uns wieder dem Park zu und kommen entlang der Straße bald zum Wat Phra Ram Komplex, einem der ältesten, errichtet im späten 14. Jahrhundert, zunächst als Kloster, um dann später noch weiter ausgebaut zu werden.

Nächste Station ist der Wat Phra Si Sanphet, der als größter und schönster Tempel der alten Ayutthaya Kultur gilt. Großartig anzuschauen mit seinen 3 mächtigen Stupas, war er das architektonische Vorbild für den später in Bangkok erbauten Wat Phra Kaeo Tempel.

Wer noch Kondition hat, wagt jetzt einen Abstecher zum überdimensionalen, Sleeping Buddha in Wat Lokayasuthataram.

Aber Achtung, die Entfernung wirkt zwar auf der Karte recht kurz. Tatsächlich muss aber an der Hauptstraße ein großes U abgelaufen werden, da beide Straßenseiten durch einen Kanal getrennt werden und verbindende Brücken einige hundert Meter entfernt sind.

Zurück zum Ausgangspunkt unserer Tempelwanderung geht es wieder durch den Park, oder über die Pathon Rd. an der Südseite, von wo aus man in der Verlängerung direkt zu den Nachtmärkten an der Chikum Rd. gelangt. 

Für eine andere, weiträumige Besichtigung macht es Sinn, das ehemalige Venedig Südostasiens über seine Wasserwege zu erkunden, am besten mit den Tuktuks der Kanäle, kleine wendige Motorboote. Dafür buchen wir über unser Hotel eine Bootstour. Wir zahlen pro Person 200 Baht, also günstige 5,00 € und werden dafür mit dem Tuktuk abgeholt und zum Anleger gebracht. Die Tour teilen wir uns mit einem italienischen Paar, dem Schweizer Superman und Fatman. Der eine erkennbar an seinem T-Shirt, der andere am Volumen.

In 2 Stunden 15 Minuten sehen wir viel vom Flussleben, schmucke Häuser, gemütliche Restaurants, alte Tempelanlagen, die prächtige St. Josph’s Church, mächtige Hausboote, bewohnt oder bewirtschaftet, vollbeladene Schuten, Brücken, tropische Vegetation sowie mächtige Flussfische, gar nicht scheu und zum Greifen nahe, die von den Anwohnern angefüttert werden.

Dazwischen stoppen wir an Klöstern, Ruinen und Tempelanlagen, wo wir aussteigen und besichtigen. Besonders beeindruckt sind wir von der riesigen Buddha-Statue im Wat Phanan Choeng, die als größte in Thailand gilt.

Im Wat Phutthai Sawan treffen wir auf einen liegenden Buddha, der einen speziellen Charme entwickelt, wenn man ihn durch das Fenster sieht.

Höhepunkt des Tages ist die Tempelanlage Wat Chaiwatthanaram, bei der wir rechtzeitig in der Abenddämmerung anhalten, um den Sonnenuntergang mitzuerleben und das uns sehr an die Khmer-Tempel in Angkor Wat erinnert.

Alles ist natürlich auch per Straße erreichbar, allerdings entspannt so eine Bootsfahrt viel mehr. Die Thais schaffen es halt,Touren zur Freude der Besucher gemütlich auszurichten und daraus ein kleines Erlebnis zu machen.

Dank maps.me und einem Umgebungsplans gewöhnen wir uns schnell an die Stadt und finden uns bald besser zurecht, nehmen Kurzstrecken zu Fuß und längere Distanzen per Tuktuk. Die sympathischen Mopedkutschen wirken, wie früher die Kabinenroller: stromlinienförmig, knattrig, bonbonfarben, einige haben auf der Ladefläche überdimensionierte Discolampen und Lautsprecher.

Die Fahrer zeigen einem gerne bebilderte Pläne und animieren zu Rundfahrten mit Wartezeiten. Kleiner Tipp: Bleiben lassen! Solche Pauschalangebote sind meist teurer, als sich von A nach B befördern zu lassen und seine Besichtigung zu machen. Lieber flexibel bleiben, weiter voran oder zurück zur Unterkunft kommt man immer.

Zu einigen der außerhalb des antiken Stadtkerns gelegenen Sehenswürdigkeiten kommen wir nur mit dem Tuktuk. Für die Fahrt zum Wat Yai Chai Monkol bezahlen wir durch Vermittlung unseres Hotels nur 100 Baht, also 2,50 €, nachher zurück wird es teurer. Die Anlage ist schon von weitem erkennbar durch den 80 Meter hochragenden Chedi. Der Turm ist begehbar und bietet eine schöne 360 Grad Aussicht. Auch diese Anlage gehört zu einem Klosterbetrieb und bietet tolle Motive.

 

Schon einmal hier fahren wir weiter zum Wat Maheyong, einem Tempel, der kaum von Ausländern besucht wird, wohl weil er abseits der normalen Touristenpfade liegt. Ein wunderbarer Ort,, um fern vom Trubel der Besucher entspannt die alten Gemäuer zu besichtigen und sich auf den Rasenflächen auszustrecken. Oder man geht in den gegenüberliegenden Vipassanakloster Wat Sika Samud, einen bewaldeten Bereich, der explizit Ruhezonen unter schattigen Bäumen ausweist, wo es sich trefflich ruhen lässt.

Wer wie wir, noch keine Rückfahrt organisiert hat; uns hat eine thailändische Familie hergefahren, braucht keine Angst zu haben, ein Tuktuk findet sich nahezu überall und jederzeit. Wir finden sofort eines und entscheiden spontan, den Ayutthaya Floating Market zu besuchen. Nachher ist man schlauer, diese Station darf man getrost auslassen. Das einzige, was hier floated sind die deftigen Preise, auf Touristenabzockniveau. Für einen saftigen Eintritt, von umgerechnet 5 € wird der Besucher zunächst in einem Boot über kleine Kanäle gefahren. Das dauert etwa 10 Minuten; Verkaufsboote sieht man keine. Dafür feste Stände, die sicherlich nicht günstig sind, da alle Kosten am Ende beim Verbraucher landen und die Preise hier sind hoch. Eine Kokosnuss beispielsweise kostet das doppelte, was anderswo verlangt wird.

Umherziehen und viel entdecken ist das eine bei jeder unserer Reisen. Gastronomie das andere; ein leerer Bauch ist erfahrungsgemäß ein schlechter Begleiter. Ayutthaya bietet in dieser Hinsicht eine riesige Auswahl. Etwa Streetfood, das sich quasi auf Schritt und Tritt findet, mit Fürchterlichem oder Leckerem. Aber natürlich auch viele große und kleine Restaurants, die für jeden Geschmack etwas anbieten. Wohl jeder hier findet sich früher oder später im Viertel um die Naresuan Soi, wo es neben Lokalen und Bars alles gibt, was Backpacker suchen, also auch Wechselstuben, Mopedverleiher und Reiseanbieter. Das erinnert an die Kaosan Rd. in Bangkok, nur überschaubarer ist es hier und gemütlicher.

Unser Fazit, Ayutthaya ist eine kleine Reise wert, für uns ist es der gemütliche Einstieg in Südostasien, bevor es in das unbekannte China geht.

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