Jakarta

… an einem Tag!

Um eine Stadt wie Jakarta kennenzulernen, darf man getrost eine Zeit von 3 Monaten ansetzen. Wir haben nur einen knappen Tag für diese gigantische Metropole. Etwas zu den Ausmaßen, auf die wir treffen: im Einzugsgebiet Jakartas leben etwa 30 Mio. Menschen.

Entfernungen, das lernen wir schnell, sind ein Problem. Wir können vor Ort zwar vieles zu Fuß erreichen, allerdings lassen sich die Strecken zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten nur mit Verkehrsmitteln bewältigen. Damit landen wir beim Hauptproblem: dem Verkehr. Die Straßen sind berstend voll mit Fahrzeugen, die Kapazität reicht überhaupt nicht, das Aufkommen zu bewältigen. In Jakarta bewegt man sich deswegen permanent wie in einem nicht enden wollenden Flaschenhals. Und weil auch hier Verbrennungsmotoren stinken, hat man beste Chancen, sich dabei ein kleines bronchiales Unwohlsein einzufangen.

Egal, wer würde schon in so einer Stadt den Tag im Hotel verbringen. Nächstgelegen zu unserer Unterkunft ist das Nationaldenkmal, das Monas. Die Namensgebung – eine Abkürzung der Worte Monumen Nasional – klingt für unsere Ohren vertraut. Hier in Indonesien können wir wenigstens die Schrift lesen und verstehen ab und zu einige Vokabeln der offiziellen Landessprache.

Das Monument liegt in einem weiten, gepflegten Park. Das Denkmal selbst, ein Turm, ragt 132 Meter hoch in den heute blauen Himmel. Im unteren Bereich befindet sich ein Museum, die Unabhängigkeitshalle, durch die man zum Fahrstuhl kommt. Die Aussicht, heißt es, soll toll sein, von dort oben. Aber wir sind spät dran. Lange Warteschlangen haben sich bereits gebildet. Wahrscheinlich gehört ein Besuch zum Pflichtprogramm der Schulklassen, wir erkennen die Schüler an ihren Schuluniformen und den Lehrern, die vorneweg schreiten. Keine Frage, ein relativ junger Vielvölker-Staat wie Indonesien braucht seine säkularen Identifikationssymbole.

Jakarta war nicht immer so, wie es sich heute präsentiert. Zu Kolonialzeiten hieß es noch Batavia und die Einheimischen krümmten sich unter der Knute niederländischer Händler. Nach der blutig erkämpften Unabhängigkeit im Jahr 1949 war zunächst auch jede Erinnerung an die fremden Herren verpönt. Inzwischen gibt es so etwas wie nostalgisches Erwachen. Gebäude und Strukturen, die noch restaurierbar sind, werden renoviert. Es gibt in Jakarta wieder so etwas wie eine vorzeigbare Altstadt – und die wollen wir besuchen.

Logistisch planen wir, die Tour vom weitesten Punkt zu starten. Das ist der Segelschiffhafen Sunda Kelapa im Kali Baru. Mit dem Taxi hinzukommen ist schwieriger als gedacht; unser Fahrer hat keinen Schimmer von unserem Ziel. Wir bugsieren ihn per GPS zur Mole. Dort, zwischen Hochhäusern und Containerflächen, liegen sie. Mächtige, urtümlich wirkende Lastensegler mit hohen Masten. Geschäftig geht es hier zu. Schauerleute beladen die Schiffe oder schleppen Lasten heraus, die auf LKWs gestapelt den Hafen verlassen. Touristen sehen wir keine, nur Seeleute und Hafenarbeiter. Aber alle wirken freundlich, niemand stört sich an unserer Neugierde. Wir kennen solche Anblicke nur von alten Bildern, hier lebt das alte Batavia noch.

Kota war das historische Zentrum des alten Batavias und ist heute eines der Viertel, die man als Tourist unbedingt besuchen sollte. Repräsentative Gebäude aus der Kolonialzeit lassen sich hier noch bewundern, viele werden als Museum genutzt. Das sollte man sich merken, falls der Besuch in die Regenzeit fällt. Wir haben Glück, es ist angenehm warm, die Sonne scheint. Der schöne Tag bietet sich an, für Aktivitäten vor der Tür. Für die Einheimischen gilt das auch. Auf dem großen Platz vor dem alten Rathaus tummeln sich Kinder, Jugendliche und auch Frauen mit Kopftuch auf Hollandrädern, die sich hier mieten lassen. Fröhlich wirkt die Stimmung und ausgelassen.

Wir schauen weiter in die Nebenstraßen. Kanäle durchziehen das Gebiet (oder heißt es Grachten?), an den Ufern werden die Überreste von alten Handelskontoren restauriert. Hier entsteht etwas Sehenswertes. Ein junger Mann erklärt uns den Weg zur ältesten, noch erhaltenen Zugbrücke aus alten Zeiten. 200 Jahre alt ist sie, die Hoenderpasarbrug. Tatsächlich könnte man meinen, man sei in Holland. Dieses typische Bauwerk hier im fernen Indonesien zu entdecken ist seltsam. Fehlen nur noch eine typische Windmühle und ein Glas Genever.

In der Nähe des Bahnhofs stoßen wir auf die älteste noch erhaltene Kirche aus der Portugieserzeit, die im 17. Jahrhundert erbaute Gerea Sion. Schlicht von außen anzusehen, im Inneren finden sich noch interessante Barockschnitzereien und eine große Orgel.

Weiter gehts nach Chinatown. Die Geschichte war nicht immer freundlich zu den Chinesen in Indonesien. Hässliche Pogrome gab es, zuletzt einen im Jahr 1998 und vieles ging dabei zu Bruch. Das, was wir heute noch vom Chinesenviertel sehen können, wirkt allerdings typisch: Der Markt mit einem reichen Angebot von Lebensmitteln, buchstäblich alles, was da kreucht und fleucht. Darunter, wie könnte es anders sein, vieles, was bei uns niemals den Weg in einen Kochtopf finden würde. Frösche und Hühnerbeine können wir gerade noch identifizieren, andere Angebote versuchen wir zu erraten. Mit welcher Trefferquote wissen wir nicht.

Ein bekanntes Einkaufszentrum ist Pasar Baru. Dort lassen wir uns absetzen, durchqueren eine der Einkaufsstraßen. Gut, es gesehen zu haben, aber heute sind wir nicht in Shoppinglaune unterwegs. Gegenüber erhaschen wir einen Blick auf die größte Moschee des Landes, die Istiqlal Mosque. Ein moderner, Bau, der durch seine gewaltigen Ausmaße beeindruckt und sicher die Nachfrage durch die Gläubigen abdeckt, uns aber nur marginal interessiert.

Unsere Rückfahrt zum Hotel wird zur Geduldsprobe. Für schlappe 4 km benötigen wir im Tuktuk mehr als eine gute Stunde. Genervt legen wir die letzten 500 Meter zum Hotel zu Fuß zurück. Auch das ist Jakarta. Bewundernswert sind die Einwohner, die diesen Verkehr alltäglich aushalten. 

Wir können das als exotisches Erlebnis verbuchen und hätten auf jeden Fall ein interessantes Gesprächsthema, wenn irgendwer einmal meint, mit uns über Verkehr reden zu wollen.

Wie wir hierher gekommen sind, könnt Ihr hier nachlesen.

Kawa Ijen, Yogyakarta, Prambanan, Borobudur, Mt. Merapi, Mt. Bromo, Jakarta

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