Luberon

In direkter Nachbarschaft zum Département Vaucluse und im Zentrum der Provence liegt die Luberon Region, so benannt nach der etwa 60 km langen Gebirgskette, mit dem 1.125 m hohen Mourre Nègre. Von der UNESCO als Biosphärenreservat deklariert, ist dieser geschützte Regionalpark ein Stück beeindruckener, ursprünglicher Natur, aber nicht unbedingt das Ziel des Massentourismus, und fällt damit genau in unser Erkundungsmuster. Es sind eher die individuell gestrickten Radfahrer sowie die Wanderer, die sich hier wiederfinden.

Die Landschaft ist hügelig, manchmal sogar schroff und waldreich bis unterhalb der kargen Gipfel des Bergmassivs. Was die Region so einnehmend macht, ist aber vor allem sein ländlicher Charme: Der hier angebaute Wein, der gut gedeiht, die Olivenhaine, die vielen Obstplantagen, sowie Lavendel, der im blühenden Zustand die Landschaft in ein Farbenmeer taucht. Jetzt in der Vorsaison ist davon auf den Feldern allerdings nur die graubraune Winterausgabe sichtbar, das Lila finden wir auf den Märkten, konserviert in Säckchen, Sträußen oder einem Stück Seife.

Kein Wunder, dass diese Region auch für wohlhabende Städter attraktiv geworden ist. Das Dorf Lacoste beispielsweise wurde größtenteils von Pierre Cardin aufgekauft und restauriert. Selbst im beschaulichen Lioux hat der Modeschöpfer ein Château erworben und nach seinem Geschmack umgestaltet. Ohne Sinn für das Essentielle, sagen die Anwohner und damit meinen sie nicht etwa seine Haute Couture, sondern den Umgang mit der gekauften Immobilie.

Wir schauen uns die Gemeinde Lacoste an, die herrlich gelegen in einen etwa 300 m hohen Berghang hinein gebaut ist. Über dem Ort thront die Ruine einer Burg, die einst dem Hause de Sade gehörte. Richtig, nicht irgendeinem de Sade sondern dem berühmt, berüchtigten Marquis. Es gibt sicher Besucher, die das alte Gemäuer deswegen mit ganz anderen Augen sehen, wir finden es einfach nur beeindruckend. Ein Bummel lohnt sich, das Örtchen hat eine schöne, malerische Ausstrahlung und lädt zum Verweilen ein.

Auf einem Bergrücken nicht weit entfernt, liegt der Nachbarort Ménerbes. Ja, das ist der Ort, der erst durch den Schriftsteller Peter Mayle so richtig bekannt wurde. „Populär“ trifft es wohl besser, denn Ménerbes ist seither Pilgerort von zig-tausenden Literaturgroupies, die in den Sommermonaten über das Dorf herfallen. Jetzt, vor der Saison, präsentiert es sich recht gemütlich, ist auch ohne die literarische Erwähnung einen Besuch wert. Das typisch Französische lässt sich hier noch erleben, mit entspannten Bewohnern, die morgens ihren Rundgang machen, mit Nachbarn plaudern, ein Baguette unterm Arm, die Kippe im Mundwinkel. Übrigens Peter Mayle wohnt hier jetzt nicht mehr.

Dritte Gemeinde im nachbarschaftlichen Bunde ist Bonnieux. Ebenfalls auf einem Hügel angelegt, bietet der Ort ein sehr sehenswertes, historisches Stadtbild, mit Kirchen, alten Gemäuern und malerischen Gebäuden in winkeligen Gassen.

Alle Orte in der Region besitzen übrigens die gleichen, unabdingbaren Markenzeichen, die zu jedem südfranzösischem Städtchen gehören, das etwas auf sich hält: Die Kirche, ein Rathaus mit Flagge und das Denkmal für die Opfer der Kriege, einen großen Platz, mit mächtigen, alten Bäumen, in deren Schatten sich gut Markt halten lässt oder die Einwohner sich treffen. Und wenn man genauer hinschaut, findet man eine sandige Fläche, wo Boule gespielt werden kann. All das wäre wohl ohne das milde Klima des Südens kaum denkbar; es erlaubt einfach viel mehr Aktivitäten im Freien, als der unwirtlich, kühle Norden.

Obwohl wir nur wenige Tage Zeit haben, nutzen wir die Gelegenheit, im Luberon zu wandern. Unsere Tourempfehlung zum „Forêt des Cèdres“ fassen wir mit anderen Wandertouren zusammen, die sich hier finden.

Natürlich wollen wir keinen der bekannten Orte bei unserer Fahrt durch die Region auslassen. Besonders neugierig sind wir allerdings auf eine Gemeinde, die bekannt ist als eines der „Plus beaux villages de France“: Lourmarin. Gleich vorweg: Das Dorf verdient diese Auszeichnung zurecht und sollte auf keiner Reiseroute in diese Region fehlen.

Gefragt, was eigentlich die Schönheit Lourmarins ausmacht, brauchen wir nicht lange nachzudenken. Zum einen ist es seine Lage, direkt neben einem vor knapp hundert Jahren renovierten Renaissanceschloss mit Kirche inmitten einer sanften Wiesenlandschaft. Zum anderen der Ort selbst. Sehr ursprünglich und ausgesprochen provenzalisch, was den Stil der Häuser betrifft, hat Lourmarin etwas, was nicht mehr selbstverständlich ist: Es wirkt vollständig intakt, lebendig und authentisch.

Menschen flanieren in den Gassen zwischen Geschäften, die tatsächlich geöffnet sind und zum Betreten einladen. Neben dem Fleischer, dem Bäcker und dem Lebensmittelhändler finden sich Boutiquen, Restaurants und Bistros, in denen Gäste sitzen, vor einem Pastis und einem Teller mit Meeresfrüchten. Das alles versprüht eine besondere Lebensart und -qualität, die auf uns harmonisch und ansprechend wirken, kurz: Der ganze Ort könnte ohne Umbauten adhoc als lebensechte Kulisse für einen französischen Film genutzt werden.

Wo Lebensgefühl, Landschaft, Stimmung und das ganze Drumherum so perfekt zusammen passen wie hier, sind wir gerne. Wer immer die Redensart von Gott in Frankreich erdacht hat, mag vielleicht diese Region im Sinn gehabt haben. Mit jedem Tag, den wir hier sind, verstehen wir das besser.

Übernachtet haben wir übrigens in Lioux-le-Château in einem sehr gemütlichen und urigen Appartement bei Catherine und Niko. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und können die Unterkunft sehr empfehlen.

Wie wir hierher gekommen sind und wie wir von hier aus für uns weiter ging, könnt Ihr hier nachlesen.

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