Kaeng Krachan Nationalpark

Eigentlich fahren wir in erster Linie wegen des Nationalparks nach Kaeng Krachan, aber so einfach wie es der Reisende vermutet, ist es nicht, dorthin zu kommen. Gebucht haben wir, um die Wege vor Ort abzukürzen, eine Unterkunft, die nur wenige Autominuten vom Haupteingang entfernt ist. Im weiteren Verlauf erleben wir, dass das Zusammenspiel zwischen der öffentlichen Hand, also dem Parkbetreiber, und den örtlichen Unterkünften suboptimal ist. Sie scheinen sich gegenseitig zu ignorieren, obwohl beide aufeinander angewiesen sind. Das beginnt bereits mit dem Manko, dass eine Anfahrtsbeschreibung für Besucher, die nicht mit einer Tour oder dem Privatwagen anreisen, kaum bekannt ist. Und es endet damit, dass über die Abläufe im Park wenig erzählt wird. Nachdem wir im Park eine Broschüre bekommen und einen Besuch hinter uns haben, liest es sich aber ein wenig einfacher.

Der 1981 gegründete, größte Nationalpark Thailands „Kaeng Krachan“ liegt im gleichnamigen Landkreis der Provinz Phetchaburi an der Grenze zu Myanmar. Der normale Anreisepunkt für Individualtouristen ist sicher zuerst die Stadt Phetchaburi, entweder mit dem Zug oder per Bus.

Natürlich kann man direkt mit dem Taxi hinfahren, aber das ist die teuerste Variante. Günstiger sind die Minibusse. Sie starten in Phetchaburi vor dem Big-C Supermarkt, den jeder Taxi- und Tuktuk-Fahrer kennt. Zu finden gilt es einen Van nach „Kaeng Krachan Town“. Von dort braucht es ein Taxi für die letzte Etappe von ca. 22 km zum Haupteingang „Sam Yot“. Wir lassen uns vom Hotel abholen.

Innerhalb des Parks ist eine der wichtigsten Stationen das „Ban Krang Camp“. Dort befindet sich auch das Besucher Zentrum, gut erreichbar vom Haupteingang „Sam Yot“. Genau dort gilt es hinzukommen.

Zur Zeit ist der Nationalpark nicht durchgehend zu besichtigen, die Region um „Phanoen Thung“ sowie die „Thor Thip“ Wasserfälle sind für Besucher auf unbestimmte Zeit gesperrt. Schade, denn von dort aus ergeben sich ja die spektakulärsten Aussichten über Nebelfelder, die den Regenwald zu bestimmten Zeiten einhüllen.

Im Hotel erkundigen wir uns, was Besuchern jetzt empfohlen wird. Eine Tour mit Ranger und Auto, für 3.000 Baht (ca. 90 Euro), sagt man. Das ist uns zu kostspielig. Wir versuchen es deshalb auf eigene Faust und sind damit richtig unterwegs. Am Haupteingang zum Park gibt es neben den Tickets gleich den richtigen Hinweis: Hochfahren lassen bis zum Ban Krang Camp und Abholung zu einer Wunschzeit.

Die 12 km lange Anfahrt durch Urwald bringt bereits ein erstes Highlight. Unser Fahrer (einer der Ranger) sichtet Affen. Es ist eine Horde etwas tollpatschiger Stummelschwanzmakaken, die sich mehr oder weniger elegant durch die Bäume arbeiten. Bei dieser Art sind die Jungtiere weißgefärbt und daher leicht zu sehen.

Nach kurzer Weiterfahrt stoppen wir erneut; dieses Mal sind es Brillenlanguren. Sie sind auch zu hören, mit langezogenen Gesängen, die an Gibbons erinnern. Halten, aussteigen, schauen, fotografieren, alles kein Problem.

Der Park ist übrigens bekannt für seine diversen Vogelarten, der viele ornithologisch Interessierte anlockt. Wir haben das Glück, bereits in unserer Unterkunft beim Frühstück von der Terrasse aus, sie zu beobachten.

Wir persönlich haben es mehr allgemein mit der Natur und allem, was da kreucht und fleucht und kommen heute auch auf unsere Kosten. Nach einer mit Hand-und-Fuß geführten, nonverbalen Instruktion durch einen Ranger am Visitor Center vom Ban Krang Camp wissen wir, dass es einen Rundpfad gibt, der durch Regenwald führt und eine rote Linie, nämlich die Straße, die wir auf keinen Fall queren sollen. So gerüstet machen wir uns auf die Tour, die laut Übersichtsplan 2,5 km lang ist.

An der Strecke finden sich kleine Schautafeln, mit Erklärungen der jeweiligen Umgebung, vergleichbar den Lehrpfaden in europäischen Wäldern. Der Trampelpfad ist gut erkennbar und leicht zu begehen. Da der Pranburi mehrere Male überquert werden muss, empfehlen sich wasserfeste Schuhe oder Trekkingsandalen. Wer die nicht hat und nasse Füsse vermeiden will, muss wenigstens 6 mal seine Schuhe ausziehen, um den Fluss zu durchwaten, oder er balanciert über Steine und stützt sich dabei auf einen Begleiter, der parallel durchs Wasser geht. Funktioniert!

Wohl weil zwei Personen, die sich vorsichtig voran tasten, weniger Lärm machen als eine Gruppe, haben wir Glück. Das Rascheln über uns und herabfallende kleine Äste machen uns auf eine Herde Brillenlanguren aufmerksam, die gerade den Wald durchwandert. Einer nach dem anderen zwischen den Wipfeln, geschickt über Äste turnend und die Lücken im Geäst mit eleganten Sprüngen nehmend. Achtung, sie scheuen sich nicht, von oben herab ihre Notdurft zu erledigen. Es ist nicht immer Tau der Blätter, was von oben rieselt.

Der Regenwald ist eindrucksvoll, Baumriesen säumen unseren Weg und kaum durchdringbares Unterholz. Wer schaut, erlebt sozusagen mit, wie hier jedes Stück der Natur um’s Überleben ringt. Auch Bäume haben Feinde, Würgegewächse, die sich um sie herumwinden, ihnen irgendwann die Chance zu existieren nehmen. Oder wird am Ende der Baum stark genug sein, die Einschnürung auszuhalten und vielleicht sogar die Angreifer loszuwerden? Darwin in Zeitlupe.

Der Wanderweg hat viel Potenzial, sogar das, uns zu verlieren. Irgendwann finden wir uns auf einer Straße wieder, wo eigentlich das Camp wieder auftauchen sollte. An der entscheidenden Stelle fehlt jedoch der Hinweis, man möge nun zurückgehen. Folgerichtig landen wir in der verbotenen Zone. Ein Blick auf maps.me zeigt uns etwas später, dass wir in die falsche Richtung laufen. Wir korrigieren, trotzdem wird am Ende aus einer Miniwanderung eine gute Mittelstrecke von etwa 6 km. Uns gefällt’s, auch wenn wir keine Tiger und Leoparden sehen, sich die Elefanten vor uns erfolgreich verstecken, die Gaur und Rehe unsichtbar bleiben und keine der vielen Schlangen unseren Weg kreuzen.

Wie verabredet holt uns der Ranger zum Wunschzeitpunkt im Camp ab und bringt uns zurück zum Haupteingang. Geht doch, auch ohne die teure Begleitung.

Wünschen würden wir uns eine optimalere Organisation des Nationalparks und eine Logistik, die es auch Reisenden erlaubt herzukommen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Und eine bessere Zusammenarbeit von allen Beteiligten in der Region, also Behörden, Transportgewebe und Hoteliers. Der Park, mit ihm die Tiere und die Pflanzen, verdienen zu überleben.

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick:
Kaeng Krachan Nationalpark: geöffnet von November bis Juli des Jahres
Tägliche Öffnungszeiten: 05:00 – 17:00 Uhr, Schließung ab 19:00 Uhr
Eintritt pro Person: 300 Baht
Shuttle im Park: Verfügbar am Haupteingang, Preis hin und zurück 800 Baht
Wanderung ohne Begleitung ist möglich, in bestimmten Bereichen
Gesichtet von uns: Affen, Riesenhörnchen, diverse Vogelarten 

 

 

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