Pemuteran

Wenn wir in touristischen Gebieten unterwegs sind, ziehen wir es vor, dorthin zu gehen, wo die Massen vorbei ziehen. Nicht etwa, weil wir etwas gegen sie hätten, aber wir sehen sie ja die meiste Zeit des Jahres. Bei der Wahl eines Strandortes an der Nordseite Balis waren wir auf Pemuteran gestoßen. Eine Kleinstadt, rund 35 km entfernt von Gilimanuk, die eigentlich alles haben sollte, was wir suchten, mit Ausnahme eines Ortskernes. Den gibt es hier nicht, eigentlich besteht Pemuteran aus einer langen Straße, an deren Rändern sich alles abspielt.

In der Nähe zu den großen, teuren All-Inclusive Ressorts, ja die gibt es hier, hatten wir eine wirklich geniale Pension gefunden. Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, freundlicher und höchst gastfreund-licher Service, großes Zimmer mit Terrasse und klasse Frühstück.

Ein kurzer Fußweg führt zum Strand. Direkt in der Nachbarschaft zu einem der Ressorts, wo sich Liegen leihen lassen, liegt ein balinesisches Dorf. Das existiert in einem ganz ungezwungenen, freundlichen Miteinander. Badegäste können durchs Dorf schlendern, Dorfbewohner schlendern am Strand. Sogar Frauen, die als Muslimas zu erkennen waren, fanden nichts dabei, sich zwischen westlichen Badegästen im Strand-Outfit zu bewegen und freundlich zu grüßen. Wir sind in Bali, nicht bei den Saudis.

Eigentlich ist nahezu jede Ortschaft auf Bali sehenswert, die Natur wird gepflegt und verbindet sich mit Gebäuden und Einrichtungen. Gleichwohl hatte Pemuteran noch den einen und anderen besonderen Ort zu bieten.

Am ersten Abend machten wir uns auf Empfehlung eines Mitarbeiters unserer Pension auf zum Sunset-/Sunrise-View Point. Gibt’s das gleichzeitig, wird sich mancher jetzt fragen. Das gibt es, wenn es auf einem schmalen Bergrücken positioniert ist. Diesen Berg erklettert man über einige hundert Stufen im Schweiße seines Angesichts um dann, ganz oben, mit enormen Ausblicken rundum belohnt zu werden.

An einem anderen Tag besuchten wir 3 weitere Tempel, die knapp 2 km vor dem Beginn der Ortschaft liegen. Auch hier gibt es einen Affentempel, den Pulaki, ihm gegenüber der Pabean Tempel, mit Meerblick, der übrigens auch im Einzugsbereich der Affen liegt. Die wichtigen Einrichtungen der Tempel sind mit Gittern umgeben. Käfigen, die aber nicht dazu dienen, um die Affen hineinzuschließen sondern im Gegenteil, um sie fern zu halten. Es wirkt schon witzig auf den Besucher, wenn er Käfige sieht, in denen Priester ungestört ein Nickerchen halten oder vor sich hin meditieren. Wie auch immer, die Affen bleiben frei.

Ein dritter Tempel, größer und prächtiger als Pulaki und Pabean ist der von Melanting. Er ist in einen Berg hinein gebaut und bietet auch eine Art Einkaufsviertel für Devotionalien mit riesigem Parkplatz, ganz offensichtlich, dass hier auch größere Veranstaltungen stattfinden.

In die meisten Tempel Balis kommen Ausländer ohne Schwierigkeiten hinein, wenn sie einige Regeln beachten. Hauptregel: Gib Geld und du findest Einlass. Natürlich läuft es nicht so grob, die Balinesen finden immer eine subtilen Anlass als Begründung, um den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Erstmal wird versucht Sarongs gegen Geld zu verleihen. Selbst eine lange Hose schützt nicht davor, sich einen Hüftlappen umbinden zu müssen.

Es gibt Touristen, die sich vornehmen, die Balinesen zu überlisten und deswegen selbst ein Tuch mit sich führen, das sich als Sarong um den Leib binden lässt. Das funktioniert leider nicht, denn entweder wird dann ein Eintrittsgeld fällig oder eine Spende. Das sogenannte Book of Donations liegt immer griffbereit und dort trägt der Besucher dann gewissenhaft ein, wie er heißt, woher er kommt, welchen Geschlechts er oder sie ist und vor allem, wie hoch seine Spende sein soll. Es ist äußerst vorteilhaft, sich anzuschauen, was andere ausländische Besucher gespendet haben und – damit verrate ich keine Geheimnisse – die Reisenden bestimmter Länder zeichnen sich dadurch aus, intuitiv die akzeptierte Untergrenze für Spenden zu finden. Wer will, übernimmt dann eben diesen Betrag und schafft damit ein kleines Gewohnheitsrecht.

Einer unserer wichtigsten Ausflüge führte uns zur Insel Menjangan, das ist ohne Übertreibung, das Taucher- uns Schnorchler-Eldorado Indonesiens schlechthin. Wir beide haben als Läufer zwar einen langen Atem, aber vom Tauchen und Schnorcheln keinen blassen Schimmer. Trotzdem waren wir überzeugt, das mit dem Schnorcheln würden wir hinbekommen. Glückes Geschick, es fand sich um uns herum sogar eine kleine Gruppe von jungen Reisenden aus Deutschland und Brasilien, mit denen wir die Kosten dieser relativ teuren Tour teilen konnten.

Dann ging es auf, um Nemo zu finden. Um Menjangan finden sich viele Punkte, die ideal sind, um die Unterwasserwelt zu besuchen. Hin kommt man mit einem Boot. Geleitet wird das Ganze durch einen Guide, der im Preis enthalten ist und beste Kenntnisse über die Örtlichkeiten hat.

Was dann kam, liess uns zunächst bedauern, dass wir keine Kamera hatten, um unter Wasser fotografieren zu können. Was wir sahen war wirklich fantastisch. Beim Schnorcheln schwebten wir, Kopf unter der Wasseroberfläche und im Gesicht eine Taucherbrille mühelos über riesige Korallengärten, in denen es von tropischen Fischen nur so wimmelte. Ja, wir sahen auch Nemo!

Neben den Korallenbänken fiel das Meer abrupt in einen tiefblauen Abgrund, ein geniales Erlebnis, du siehst die Tiefe, dein Blick verliert sich im Tiefblau, du fällst aber nicht hinab. Der Auftrieb des Meerwassers lässt dich mühelos durch die Wunderwelt unter der Wasseroberfläche gleiten.

Auch ohne Übung hatten wir den vollsten Genuss. Mit kleiner Einschränkung allerdings: jeweils nach einer halben Stunde schmerzte meine Nase, sie war zu groß für die Taucherbrille, der Rand machte mächtig Druck. Aber ein Indianerherz kennt keinen Schmerz, vor allem nicht in so einer Umgebung. Die kurzen Unterbrechungspausen, die wir brauchten um mit dem Boot an einen anderen Spot zu fahren, genügten völlig für die Nasengenesung. Dann ging’s wieder ins Meer. Machte nichts, für 30 Minuten ging es und wir unterbrachen ja immer wieder unsere Schnorchelgänge, um zum nächsten Spot zu fahren. Vielleicht aus gegebenem Anlass noch eine Anregung, vielleicht liest es ja ein Hersteller von Sportausrüstung: Könnte man die Schnorchel vielleicht etwas länger bauen? Gewünscht hätte ich mir manchmal eine Länge von 70 cm – um mich auch mal gegen die Wellen drehen zu können, ohne Salzwasser im Mund zu schmecken.

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Pemuteran: Wir haben im Jassri Homestay übernachtet!

Denpasar / Tanah Lot, Ubud, Sidemen, Amed, Sightseeing Bali, Kuta,

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