Samosir, Lake Toba

Unser letzter Zielort auf Sumatra war Tuk Tuk, auf der Insel Samosir im Toba See, der etwa doppelt so groß ist wie der Bodensee und rund 900 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Was über die Entstehung dieser Region bekannt ist, verheißt Kolossales. Heute ist Lake Toba ein Ort zum Entspannen und Chillen, aber früher war hier der Schauplatz eines der erdgeschichtlich gewaltigsten Vulkanausbrüche überhaupt, nämlich die Eruption des Supervulkans Toba. Man geht davon aus, dass es sich um den größten Vulkanausbruch der vergangenen zwei Millionen Jahre gehandelt hat. Asche dieses Ausbruchs findet man im gesamten Indischen Ozean und in weiten Teilen Indiens. Schätzungen zufolge, wurden 2800 Kubikkilometer vulkanischen Materials, das ist zweimal die Masse des Mount Everests, bis in 80 km Höhe geschleudert und verteilten sich in der Atmosphäre. Danach kühlte das Weltklimas drastisch ab. Es folgte ein vulkanischer Winter und die kältesten Jahre der Eiszeit, die die Menschheit dem Aussterben nahe brachten. Der gewaltige Kessel des Supervulkans füllte sich über zehntausende von Jahren mit Wasser und wurde schließlich zu dem, was nun als Toba See bekannt ist.

Heutzutage locken die angenehm kühleren Temperaturen der Region Besucher, vor allem aus dem stickig schwülen Medan, an und natürlich auch viele ausländische Touristen, die ein paar Tage abhängen wollen. Landschaftlich erinnert das alles an Norditalien. Viele Berge, viel Grün, viel See und vor allem viele Hotels und Restaurants, viele im Batak Stil erbaut, mit den typischen spitz zulaufenden Dreieckdächern.

Die beste Verbindung zwischen Festland und Insel Samosir ist nach wie vor die mit der Fähre. Die Boote fahren stündlich vom kleinen Hafen bei Parapat ab und natürlich auch in umgekehrter Richtung, startend von der Insel. Mit dem richtigen Timing lässt sich dann noch in Parapat der immer am Samstag stattfindende Markt besuchen; hauptsächlich zu empfehlen, wenn man frisches Obst kaufen will.

Obwohl das Angebot an Unterkünften auf Samosir riesig scheint, gestaltet das die Hotelsuche nicht einfacher. Im Gegenteil, hier greift so etwas wie der Inseleffekt: der Gast, wenn er einmal die lange Anfahrt hinter sich gebracht hat, nimmt auch kleinere oder mittelprächtige Unzulänglichkeiten in Kauf und verzichtet, Alternativen auszuprobieren, wenn bekannt ist, dass ohnehin alles die gleiche Qualität hat.

Wir hatten, um uns die Zeit nach den Anstrengungen der letzten Wochen schön zu gestalten, eine Unterkunft in einem hochpreisigen Segment auf Samosir im Ort Tuk Tuk gebucht, in der Hoffnung, dass man bei einem Ressort mit deutschem Management und angeschlossener deutscher Bäckerei eigentlich gar nichts falsch machen kann. Doch kann man, aber nicht wir, sondern die Betreiber! Das Hotel wird maßlos überschätzt: das Preis-Leistungs-Verhältnis ist katastrophal und das gepriesene deutsche Brot schmeckt wie eine Kreation aus dem Hause BASF. Wir haben eine Nacht ausgehalten und sind dann in ein Backpacker Hostel übersiedelt. Nur einige Schritte weiter, eine Unterkunft zum halben Preis und dennoch bedürfnisgerechter, wenn man nicht gerade ein Salontourist ist.

Es läßt sich ausgezeichnet entspannen auf der Insel Samosir. Aber wie das halt so ist, Orte die dermaßen beliebt sind, kippen irgendwann um. Am See zu sitzen ist okay, aber das Vergnügen endet spätestens dann, wenn Speedboote pausenlos knatternd ihre Runden drehen oder der Banana-Ride zum x-ten Mal seine Passagiere ins Wasser kippt.

Als Gegenpol zum Liegen auf Liegen, bietet es sich an, die Insel aktiv zu erforschen. Per Fahrrad, empfehlen viele Reiseführer und die Prospekte der Hotels. Wir raten davon ab. Der motorisierte Verkehr drangsaliert die engen Straßen, insbesondere an Wochenenden oder Feiertagen, wenn die einheimischen Besucherströme aus dem Umland über den See auf die Insel schwappen. Indonesier neigen dazu, Bewegung nur zu akzeptieren, wenn sie in Verbindung mit dem Auto oder dem Motorrad erfolgt. Mit anderen Worten: Radfahrer haben es hier nicht leicht und leben gefährlich. Dann schon lieber als Fußgänger unterwegs, wie wir es gemacht haben. Wird man bedrängt, gelingt es dann immer noch, sich einer prekären Situation mit einem Sprung in den Straßengraben zu entziehen.

Das Gebiet um den Toba See ist die Heimat der Batak, die vor rund 4.000 Jahren aus China eingewandert sein sollen. Die Sehenswürdigkeiten auf der Insel sind immer noch durch ihre Kultur geprägt, aber man sollte keine Monumente mit den Ausmaßen Borobudurs erwarten. Die Grabanlage der Könige in Tomok zum Beispiel, ist überschaubar und lässt sich mit 10 Schritten durchqueren. Dafür, und in Indonesien ist das bereits ein kleines Wunder, braucht man dort keinen Eintritt zu entrichten.

Übrigens, egal wie klein oder wie groß eine Sehenswürdigkeit ist, die darum herum drapierten Basare für Andenkenkitsch wirken seltsamerweise meistens überdimensioniert. Da heißt es stoisch bleiben und durchmarschieren. Sich dem Spießrutenlauf durch die geballten Verkäufer zu entziehen, indem man einen anderen Ausgang als den vorgegeben wählt, ist nicht möglich. Wer es versucht, wird mit der Begründung, der Gang in eine bestimmte Richtung sei Tradition, für indonesische Verhältnisse harsch auf den richtigen Weg gebracht.

Vieles an der Kultur der Batak erinnert an die Bildsprache und Symbolik der Polynesier. Die Batak haben, obwohl sie heute mehrheitlich christlich protestantisch sind, allen Missionierungen zum Trotz an alten Ritualen festgehalten, zu unserer Freude jedoch der Sitte des Kannibalismus bereits 1915 entsagt. Trotzdem scheint es, als ob Guides, die mit Gruppen im Batak-Land unterwegs sind, immer nachzählen, ob ihre Schäflein vollständig sind. Ein Schelm, der schlecht davon denkt.

Was es noch geben soll sind „Magic Mushrooms“ ein gern geübter Brauch der Schamanen. Im Laden gegenüber unseres Hostels hing ein dezenter Hinweis, dass Zauber-Pilze erhältlich wären. Wir haben uns einen Test verkniffen, die prächtigen Panoramen genießen wir nüchtern und berauschen uns höchstens mal mit einem kühlen Bier. Kulinarisch lohnt es übrigens, ausgetretene Pfade zu verlassen und die kleinen Gasthäuser außerhalb der Ortschaften zu besuchen. Gerade mal 10 Minuten Fußweg reichen bereits, um dorthin zu kommen und köstliche indonesische Küche zu echten, indonesischen Preisen zu bekommen.

Was uns unterwegs auffiel, wie wir hierher kamen und wie es für uns weiter ging.

Unser Tipp für Samosir/Tuktuk: Mas Cottages!

Medan, Bukit Lawang