Ruteng

Eigentlich ist Ruteng nur ein Zwischenstopp für uns, den wir zusammen mit der nächsten Station im Doppelpack beschreiben wollen. Aber was bedeuten gute Vorsätze schon auf so einer Reise.

Ruteng ist eine Stadt in Westflores, im Manggarai Distrikt, 4,5 Autostunden entfernt von Labuan Bajo.

Rund 1.200 Meter hoch liegt Ruteng, umgeben von vulkanischen Bergen, Seen und Tälern, die überwiegend für den Reisanbau genutzt werden. Wohl typisch für Hochgebiete in Indonesien ist das Klima. Es regnet an unserem Ankunftstag und Schauer, die es in ihrer Intensität mit denen von Tana Toraja aufnehmen können, haben wir auch am zweiten Tag unseres Aufenthaltes.

Die Sehenswürdigkeiten, neben der bildhübschen Landschaft, lassen sich an einer Hand aufzählen. Etwa die Liang Bus Höhle, die immerhin globale Anerkennung gefunden hat. Dort wurden die Überreste des „Flores Hobbits“ entdeckt, eine Sensation, die vor allem Anthropologen fasziniert.

Natürlich, Zeugnisse verzwergter Vormenschen zu schauen, reizt schon. Abenteuerlich wird es, wenn dazu noch der große Bogen gespannt wird zu den Legenden um die „Ebu Gogo“. Fiese, aufrecht gehende Gnomwesen, die angeblich vor 300 Jahren die Einwohner von Flores drangsaliert haben, bevor sie ausgerottet wurden. Aber um uns auf diese Zusammenhänge einzulassen, reicht unsere Zeit kaum.

Das gilt auch für die speziellen Bräuche der hier ansässigen Volksgruppe der Manggarai. Um die kennenzulernen, müssten wir den beschwerlichen Weg nach Waerebo auf uns nehmen, ein ablegenes Dorf – nur zu Fuß zu erreichen – wo die Traditionen unverfälscht präsentiert werden. Da wir den idealen Zeitpunkt für einen Besuch, nämlich Mitte November, ohnehin nicht treffen können, beschränken wir uns aufs Machbare und beschließen, einen Abstecher zu den „Spiderweb-Ricefields“ einzulegen, falls sich die Chance dazu bietet.

In der Zwischenzeit versuchen wir, die Stadt ein bisschen besser kennenzulernen. Dazu gehört auch der Markt. Überrascht sind wir, dass die meisten Stände von Männern betrieben werden.

Schneller als gedacht, ergibt sich eine Gelegenheit. Wir kommen mit Rikky ins Gespräch, einem Taxifahrer, mit dem wir die Weiterfahrt nach Bajawa verabreden. Ja, er hat Zeit, kann uns auch sofort nach Cancar bringen. Ob wir Probleme haben, wenn seine Kumpels mitfahren? Nein, natürlich nicht, der Wagen ist groß genug. Wir fahren rund 15 km auf der Strecke zurück, über die wir hergekommen sind. Im Dorf Cancar den Zugang zu den Reisfeldern zu finden, ist nicht einfach, aber Rikky kennt sich gut aus. Fast versteckt ist der Zugang, eine schmale Treppe, die neben einem Bauernhaus in die Höhe führt. Die Einheimischen vermarkten diese Sehenswürdigkeit in Eigenverwaltung. Die landesübliche Spende, heute in Höhe von rund 1 € pro Besucher, gehört dazu.

Nach dem Aufstieg blicken wir aus der Vogelperspektive auf die seltsam geschnittenen Felder herab, die es nur hier und sonst nirgends auf der Welt gibt. Die Aufteilung der Reisfelder in kleine Torten-Segmente resultiert aus dem traditionellen Erbrecht. Jeder bekommt nach einem komplizierten Schlüssel einen Anteil, was bei Großfamilien zu solch kleinteiligen Portionen führt. Der Vergleich des Designs mit einem Spinnennetz ist treffend. Engländer würden in der Aufteilung vielleicht eine Dartscheibe erkennen und aus der Höhe Pfeile darauf schleudern.

Rikky, der etwas korpulent ist und uns prustend nach oben begleitet, zeigt uns die besten Stellen zum Fotografieren. Selbst schießt er, natürlich mit uns als Deko, noch das obligatorische Selfie. Die Dorfbewohner spendieren uns nach dem Abstieg einen Kaffee aus eigenem Anbau und eigentlich soll es jetzt zurück gehen. Ob wir noch Zeit hätten, sein Haus zu besuchen, fragt Rikky.

Das Dorf, in das Rikky uns bringt, heißt Poka. Es liegt nahe der Straße nach Bajawa und ist zu klein, um auf unserer Landkarte aufzutauchen. Die Bewohner, alles katholische Christen, haben wenig Kontakt zu ausländischen Besuchern. Um so mehr freundliche Aufmerksamkeit findet unser Besuch bei Kindern und Erwachsenen.

Nach einem Rundgang durch das Dorf sitzen wir noch mit Rikkies Familie bei einem Kaffee. Der Priester, der Gemeinde, Vater Vitalis, gesellt sich zu uns, stellt die Anwesenden vor. Petrus ist da, sowie Johannes, Markus und Lukas; die gesamte Apostelschar gruppiert sich um uns. Auch weitere illustre Gestalten aus dem Neuen Testament, die aufzuzählen eine Bibelfestigkeit verlangt, welche wir nicht besitzen. Selbstredend ist auch Maria hier und in der Küche soll es eine Magdalena geben.

Freundlich und offen sind sie, einfache Leute aus Poka, die nicht mit Reichtum geschlagen sind, dafür aber mit einer erfrischenden Herzlichkeit. Ein Grund für uns, Ruteng doch noch eine eigene Seite zu widmen. Der Pater hat eine Emailadresse und wird es garantiert schaffen, unseren Gastgebern zu vermitteln, dass sie jetzt im Internet zu finden sind.

Unser Tipp für Ruteng: Wir haben in den Spring Hill Bungalows übernachtet!

Was uns aufgefallen ist, wie wir hierher gekommen sind und wie es für uns weiter ging, könnt Ihr hier lesen.