Zwischen Bhitarkanika und Visag

Die Weiterfahrt ab Bhitarkanika lassen wir über das Hotel organisieren; in der dörflichen Umgebung gibt es keine Reiseagentur. Busse fahren zwar ab und zu vorbei, aber das sei keine Option, sagt man uns, zu umständlich für Leute mit Gepäck, da man häufiger umsteigen müsse und auf Anschlussbusse angewiesen sei. Das überzeugt uns. Los geht’s am Reisetag mit dem Tuktuk zum nächsten Bootsanleger; wir vergessen ja immer wieder, dass unsere Unterkunft eigentlich auf einer Flussinsel liegt. Von da mit der Fähre, einem sperrigen Kahn, setzen wir über zur Landstraße, wo wir von unserem Fahrer erwartet werden. Die Fahrt für die knapp 80 km, alles eingeschlossen (wohl auch die landesübliche Vermittlungsprovision), nach Ratnagiri kostet umgerechnet stolze 53 €. Wir verbuchen das unter „unabwendbare Kosten“.

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Wenn jemand (k)eine Reise tut…

… sollte er keinen Reiseführer schreiben!

Der Eindruck, dass einige Autoren von Reisebüchern zwar wenig Ahnung haben von ihrem Reisegebiet, es vielleicht nie selbst gesehen haben, dafür aber extrem gut sind im Recherchieren und Abschreiben, lässt sich nur schwer abschütteln. Aber der Reihe nach.

Wollen wir ein Land oder eine Region neu für uns entdecken, lesen wir vorab Berichte anderer Reisender. Odisha ist leider auf der Reiseblogger-Karte noch ein weißer Fleck, so dass wir uns auf Reiseführer verlassen müssen; gerne von verschiedenen Verlagen  – hoffend, dass Vielfalt und unterschiedliche Schwerpunkte uns helfen, einen ganz persönlichen Reiseplan für diesen Staat zu entwickeln, den wir in diesen Tagen real erleben. Bunt ist die Wirklichkeit in Odisha und seine Vielfalt ist beeindruckend. Aber seltsam, die führenden Verlage, empfehlen nahezu identische Hotels, Touren und Restaurants, als ob es nichts anderes gäbe.

Wir sind in Puri, wollen gut und günstig essen, vielleicht in einem Kultlokal. Das Peace Restaurant in der CT Road soll eines sein. Nicht nur, weil beide Verlage es nennen sondern weil das gut klingt: Currys, die besten Fischgerichte, Makkaroni, Budgetpreise. Ein Blick auf den kleinen Stadtplan im Reiseführer sagt, das Peace liegt vor der Tür. Da wollen wir hin, laufen aber etwa 5 x an der Stelle vorbei, wo es sein müsste.

Da ist nichts, wir fallen bereits auf, essen an diesem Abend lieber im Hotel. Aber aufgeben zählt nicht, wir suchen an den anderen Tagen weiter, schließlich können 2 namhafte Reiseführer nicht irren. Offenbar doch, das Peace Restaurant hat sich wahrscheinlich entschlossen, während unseres Aufenthaltes eine Tarnkappe überzustülpen, es bleibt für uns unauffindbar. Kein Problem, Indien bietet immer Alternativen. Hey, Reiseliteraten trefft Euch doch mal alle im Peace Restaurant, Puri und findet zusammen heraus, wo es geblieben ist.

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Hinter Bhubaneswar geht’s weiter

Die Fahrt von unserem Hotel zum Busbahnhof mit dem Tuktuk ist hier teurer als die anschließende Reise selbst. Für den Zubringer, 5 km Strecke, zahlen wir umgerechnet 2,60 € für die Busse, 77 km Strecke, gerade mal 3,90 €. Der Busbahnhof in Bhubaneswar ist urig, vor allem wegen der Busungetüme, die hier zu sehen sind. Darunter viele dieser kolossalen Sitz-/Sleeper-AC Monster, um die wir gerne einen großen Bogen machen. Heute landen wir direkt vor so einem Gefährt. Keine Alternative weit und breit; alles, was hier parkt, kommt aus demselben Stall.

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Eine Reise nach Odisha

Eine Reise nach Odisha, einen Bundesstaat an der Ostküste Indiens, fängt an wie jeder andere Besuch Hindustans auch, nämlich mit der Besorgung eines Visums. Haben wir in der Vergangenheit immer klassisch Anträge beim Konsulat zur Ausstellung des Visums eingereicht, das in den Reisepass geklebt wird, versuchen wir es nun mit dem allseits propagierten E-Visum. Das ist preislich etwas günstiger, als das herkömmliche, schneller verfügbar und weil es Online vorbereitet wird, zeitgemäßer. Wir versprechen uns, damit ein schlankeres Verfahren, das äußerst praktisch ist, und dem Reisenden nur Vorteile bringt. Ein kapitaler Irrtum, aber das stellen wir erst später fest.

Wie bei jedem Einreiseantrag in ein orientalisches Land werden jede Menge Fakten abgefragt, auch Familienhistorie, die man nicht unbedingt parat hat, etwa Angaben zu den Eltern. Na, weiß jeder, wo Vater und Mutter geboren wurden? Daneben Auskunft zur Religionszugehörigkeit (Gewissensfrage für Atheisten, was macht ihr?), vorherigen Reisen im Land, Auskünfte zum Arbeitgeber, sogar wenn man inzwischen keinen mehr hat und Pension bezieht. Wir füllen alles nach bestem Wissen aus, Lücken werden mit logisch klingenden Platzhaltern belegt, kontrolliert wird kaum, sagen wir uns. Ganz modern schließen wir die Anträge mit einer Zahlung über Paypal ab, Kosten pro Person 51 $ und bitte keinen Cent mehr. Es gibt Visa-Seiten im Web, da poppen zusätzliche Gebühren wie Kai aus der Kiste hervor. Ist das der Fall, lieber abbrechen und auf die offizielle Webseite gehen, nämlich diese hier.

Die Bestätigung unserer Anträge erfolgt tatsächlich sehr zügig. Innerhalb von 2 Tagen liegt sie uns vor. Um es vorweg zu sagen, den bei Ersteinführung des E-Visums fälligen Bonus in Form einer kostenlosen SIM Card On Arrival darf man vergessen, wir haben davon nichts mehr entdeckt.

Reisen wäre so schön, gäbe es nicht das Unterwegssein. Verkehrsmittel der Art, wie wir sie nutzen können – das ist nicht die Senatorklasse – sind mitunter nervend und anstrengend. Meist sind wir froh, wenn wir Security Checks und notwendige Prozeduren hinter uns lassen und stressfrei ankommen. Den Zwischenstopp in Frankfurt nutzen wir übrigens, um uns 2 Flaschen Grant‘s Whisky zu besorgen, die Geheimwaffe gegen Magenrumoren in den Tropen.

Der Flug ist die perfekte Einstimmung auf unser Reiseziel. Der Großteil der Passagiere sind Inder. Ein lebendiger Menschenschlag, der entweder rastlos in Bewegung scheint oder ungerührt jede Situation aussitzt. Kurz, mit ihnen wird es nie langweilig. Aber das muss jeder selbst erleben, persönliche Erfahrungsberichte lassen sich ohnehin nie verallgemeinern.

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Auf der Jagd nach dem Lila

In Deutschland spricht man immer über’s Wetter. Wir auch. Eigentlich suchen wir andere Gesprächsthemen, aber in diesem Sommer, der sich weigert einer zu sein, funktioniert das nicht. In diesen Wochen sind wir auf Ausflüge eingestellt, die Lüneburger Heide lockt. Geduldig warten wir, auf die zweite Augustwoche, die soll uns blühende Erika präsentieren, glaubt man Bauernregeln und tradiertem Wissen der Einheimischen.

Die Natur belehrt uns, dass nichts verlässlicher ist, als das Unzuverlässige. Zu oft stehen die Zeichen auf grau, nass, wolkenverhangen. Schlechte Omen für Leute, die auf eine Farbexplosion in Lila hoffen. Wir wären nicht wir, würden wir uns ab- und erschrecken lassen. Deswegen streifen wir, wann immer die Chance sich ergibt, durch Heidelandschaften, auf der Jagd nach den schönsten Impressionen, die – keine Frage – in dieser Zeit Lila sein sollten.

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