Labuan Bajo / Komodo

Labuan Bajo

Klein aber fein. Der moderne und sehr übersichtlich wirkende Flughafen Labuan Bajos empfängt uns freundlich. Hilfreich für Ankommende ist der kleine Stand der Taxivermittlung, mit einer großen tabellarischen Übersicht nahezu aller Ziele und den Transportpreisen. Unser erster Eindruck nach Einchecken im Hotel: Wir befinden uns in einem Fischerdorf, das schon eine Reihe von Jahren in Gelassenheit verbracht hat. Vielleicht auch in Ausgelassenheit, denn früher war Labuan Bajo ein Piratennest. Heute ein Kaff, das genauso in der Karibik liegen könnte, oder in Brasilien. Liebenswert und authentisch harrt es der Dinge, die ihm noch bevorstehen. Man braucht kein Prophet zu sein, um die Zukunft Labuan Bajos zu beschreiben: Die Tourismusindustrie wird ihre Greifarme ausstrecken, wird verändern und die Unebenheiten ausradieren, an denen sich globale Turboreisende oft stören. Uns gefällt der Ort auf Anhieb, gerade wegen seiner Beulen und Kanten.

Das Zentrum im touristisch relevanten Teil besteht aus einer Hauptstraße bunter Häuser und Baracken. Parallel zur Wasserlinie reihen sich dutzende von Läden und Touranbietern auf. Alles, was der Reisealltag verlangt, ist vertreten: Bankautomaten, Warungs, Restaurants mit Burgern, Pizza und Pasta im Menü. Der italienische Einschlag überrascht ein wenig, aber was wir am ersten Abend probieren, schmeckt tatsächlich mediterran. Dazu gäbe es sogar Wein, wir bleiben beim „Prost“, einem einheimischen Pilsener, das mit Bintang mithalten kann.

Logistisches Zentrum für Traveller könnte auf Sicht der Roxy Mart bleiben, wo wir uns mit allem versorgen, was wir nötig brauchen, aber nicht im Gepäck haben. Der Laden ist auf seine Art herausragend. Verwirrt durch das vielfältige Warenangebot, das nach einer Logik sortiert ist, die wir nicht auf Anhieb durchdringen, wandern wir durch die Regalgänge. Food- und Nonfood-Artikel scheinen unbegrenzt. „You name it, we’ve got it“ scheint das Geschäftsmodell zu sein. Sogar Bier, Wein und Spirituosen werden hier von Kassiererinnen mit islamischen Kopftuch verkauft. Anderswo in Indonesien funktioniert das kaum.

Eine kurze Fahrt an den Waecicu Beach, nördlich etwas außerhalb der Stadt, lässt ahnen, welche Landschaftsbilder uns auf Flores erwarten. Wir erleben auf einem Hügel einen Sonnenuntergang und ein Panorama, das den Blick öffnet auf sanfte Erhebungen in allen Facetten von Grün und die Inselwelt in nächster Nähe. Bereits das ist ungeheuer eindrucksvoll.

Labuan Bajo punktet vor allem durch seine geniale Lage. Der Ort ist das ideale Sprungbrett für Touren in den Komodo-Nationalpark: In Tauchgebiete, zu Riffen und Badestränden, kleinen Inseln und natürlich nach Rinca und Komodo, die im Schutzgebiet des Nationalparks liegen und Heimat sind für Warane und andere seltene Tierarten.

Kleine „Kreuzfahrt“ durch den Komodo Nationalpark

Antonio ist Akquisiteur und er macht seinen Job recht gut. Hätte er uns nicht aufgegabelt, dann hätten wir ihn finden müssen, weil eine Bootstour in die Inselwelt des Komodo Nationalparks zur Pflicht gehört. So eine Tour kann gleichzeitig auch Kür sein kann, wenn sie ordentlich vorbereitet und durchgeführt wird und das geht nicht ohne professionelle Unterstützung. Dafür brauchen wir Antonio. Mit ihm verhandeln wir bereits an unserem Ankunftstag über den Preis der Tour. Von anfänglich geforderten 250 € für Fahrt und Verpflegung für uns Beide, landen wir am Schluss bei 165 €. Wir bekommen dafür zwei Tage mit Übernachtung, müssen allerdings Mitfahrer akzeptieren.

Am Tourtag sind wir schließlich 10 Personen, die die Tour gemeinsam unternehmen. Antonio hat professionell vorgearbeitet. In einer Gruppe zu fahren ist uns recht, die 4 Paare und 2 Einzelreisenden lernen sich erst auf dem Boot kennen: England und Wales sind vertreten, Frankreich, Kalifornien, Deutschland und Mexiko. Die Altersspanne reicht von Mittelalter bis Seniorenklasse und auf Anhieb scheint alles zu passen. Tatsächlich ist die richtige Kombination der Passagiere primärer Erfolgsfaktor für so ein Unternehmen. Um es vorweg zu nehmen, wir haben Glück, alle verstehen sich prächtig. Die 40 Stunden auf kleinstem Raum verlaufen sehr harmonisch, die Stimmung stimmt sofort.

Unser Boot entpuppt sich als wackelig dreinschauende Schaluppe. Eines jener Boote, vor deren Benutzung wir selbst immer wieder warnen. Nun sind wir selbst auf so einem Kahn und machen es uns bequem. 3 Mann Besatzung werden uns betreuen. Freundliche Indonesier, klein, drahtig. Männer, deren Vorfahren ihren Lebensunterhalt noch als Piraten bestritten haben. Sie lesen uns während der ganzen Fahrt jeden Wunsch von den Augen ab, bekochen uns, sind die unerlässlichen guten Geister, auf die der Fremdling in diesen Gewässern angewiesen ist. Vor dem Boarden besorgt Antonio bei einem Verleiher fehlende Schnorchelausrüstungen. Eine junge, offiziell auftretende Frau, erläutert uns noch das Programm und rasselt einige Verhaltensregeln herunter. Sie und Antonio wünschen uns viel Spaß, dann verlassen sie das Boot und unsere kleine Kreuzfahrt beginnt.

Der Nationalpark kostet Eintritt, stolze 20 € pro Person. Da das Ticket nur einen Tag gilt, ist die Tour so konzipiert, dass die eintrittspflichtigen Teile am 1. und die meisten eintrittsfreien Teile am 2. Tag stattfinden.

Erster Anlaufpunkt ist die Insel Rinca, wo es auch große Warane geben soll. Über 2 Stunden tuckern wir über das spiegelglatte Meer. Das Tiefblau wird von hellen, smaragdgrünen Flächen unterbrochen, wie wir es bereits beim Anflug auf Flores ausmachen konnten. Nun sind wir mittendrin. Das Boot umschifft grüne, weich geformte Inselhügel, die aussehen wie aus dem Bilderbuch. Adler begleiten uns und kleine Seevögel. Die Natur meint es gut mit Indonesien. Nur der Mensch scheint zu vergessen, was er selbst dazutun muss, um alles zu erhalten. Die zivilisatorischen Abfallprodukte der Plastikwelt – wenn auch nur in kleinen Mengen – sind leider auch in diesen Gewässern angekommen.

Eine Stunde haben wir für den Rundgang auf Rinca. Die Zeit reicht völlig. Ranger mit langen Stöcken begleiten uns. Wildschweine, Wasserbüffel, Rehe und seltene Vögel soll es hier geben und natürlich die großen Echsen. Was wir sehen, hängt vom Zufall ab, erläutert ein Guide, das ist so in der Natur, nichts ist inszeniert. Nur die Warane sehen wir, es werden insgesamt an die 12 gewesen sein. Die Stöcke der Ranger kommen nicht zum Einsatz. Nicht etwa, weil diese Biester uns respektieren, als letztes Glied in der Nahrungskette haben sie das gar nicht nötig, sondern weil kaum etwas so träge sein kann, wie ein vollgefressener Komodo-Drache in der Mittagshitze.

2 Stunden 40 Minuten später ein ähnliches Szenario auf der Insel Komodo. Hier sehen wir noch eine Handvoll Wildschweine und mehr Warane, die deutlich älter und damit größer sind, als die auf Rinca. Einer, der uns den Weg versperrt hatte, läuft auf uns zu, als wir den Rundgang beenden. Wir spritzen zur Seite, der Klügere gibt nach und überlebt. Bisse von Komodo-Waranen sollen tödlich sein, heißt es.

Das Programm für heute endet nach der Weiterfahrt zum Pink Beach. Wir teilen uns auf, einige von uns schnorcheln andere fahren mit einem kleinen Taxi-Boot zum Strand. Der Sand dort schimmert in der Tat rosarot. Viele rote Korallenteilchen, die mit weißem Sand vermischt sind, erzeugen diesen besonderen Effekt, der übrigens seltener vorkommt als man sich vorstellen mag.

Das Essen an beiden Tagen wird auf dem Boot serviert. Bereits zur Mittagszeit tischt die Crew erstaunliche Leckereien auf. Reis, Nudeln, verschiedene Gemüsesorten und gebratenen Fisch. Abends gibt’s anstelle des Fisches gekochtes Huhn. Auch Obst, Bananen und Melone wird gereicht. Zu trinken bekommen wir während der ganzen Fahrt Tee, Kaffee und Wasser.

Einige aus unserer Gruppe haben sich logistisch klug eingebracht und Bier mitgebracht. Die ersten Dosen „Prost“ werden nachmittags geöffnet und sozialverträglich verteilt. Der kleine Vorrat reicht leider kaum für 10 Personen in guter Stimmung. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit geschieht dann, was als das Wunder von Komodo in die Geschichte unserer kleinen Kreuzfahrt eingeht. Aus dem Nichts tauchen kleine Holzboote auf. Einheimische, die Flaschen schwenken. Natürlich kaufen wir. Der Preis ist vertretbar, die Flaschen sind gut gekühlt und es ist Bintang Bier.

Für die Übernachtung räumt unsere Crew das Deck und legt Matratzen aus. Dazu bekommt jeder ein Kissen und eine Decke. Meine ist kuschelig, mit einem großen Bild von „Tweety“, andere aus der Gruppe haben nur karierte Decken. Es ist eng, es ist hart und ein wenig kühl durch den Abendwind, aber irgendwie klappt es. Am frühen Morgen erwachen Gäste und Mannschaft. Ein Blick bestätigt: Niemand ist nachts beim Klogang über Bord gegangen, alle 13 sind noch da.

Tag 2 bringt uns zu einer weiteren Insel, Padar. Um zu begreifen, welche Pracht dieses Eiland uns bietet, muss allerdings zuerst ein mühsamer „Stairway to Heaven“ bewältigt werden. Ziel ist der Aussichtspunkt hoch oben auf dem Hügel. Eine Treppe führt vom Strand hinauf und mündet bald in einen schmalen Trampelpfad, der sich steil in Richtung Gipfel windet. Der Aufstieg ist schweisstreibend und erfordert gute Konzentration beim Setzen der Schritte. Endlich angelangt am Gipfel, wird der Besucher mit einem überwältigenden Panorama belohnt. Die Aussicht ist so himmlisch, wie eben nur ein „Stairway to Heaven“ es versprechen kann. Den grandiosen 360 Grad Rundblick über den Komodo-Nationalpark, in seiner ganzen Schönheit, wird garantiert niemand vergessen, der diesen Weg auf sich genommen hat.

Wir steuern den Strand einer weiteren Insel an, steigen aus und gehen über den weißen Sand ins Wasser. Wir schnorcheln im glasklaren Wasser; viele kleinere Fische lassen sich hier entdecken, die zwischen Korallen und Seegras herum schwimmen. Und riesige Seesterne, die so unwirklich wirken, als habe irgendwer mal eben ein paar hundert Attrappen ins Meer gestreut.

Während der Fahrt haben wir später noch andere Begleiter. Delphine, die in Gruppen ganz nah am Boot auftauchen, auf ihre typische Art über die Wellen springen und wieder wegtauchen.

Weitere Gebiete werden angesteuert, auch die legendäre Stelle, wo die Mantas vermutet werden. Wir haben Glück. Unsere Crew entdeckt die Riesenrochen, fährt langsam hinter ihnen her. Fast tänzerisch ungleiten die Mantas unser Boot. Einer nach dem anderen legen wir Tauchmasken, Schnorchel und Schwimmflossen an, springen ins Meer. Was für ein Erlebnis. Die Mantas, wir schätzen die Flossen der Größeren auf eine Spannweite von 5 m, gleiten friedlich unter uns durch das grüne Meer und wir staunenden Menschen schwimmen genauso friedlich zwischen ihnen.

Wer die Tour durch die Inselwelt vor Labuan Bajo macht, dem dämmert es spätestens jetzt. Die Warane sind nur der spektakuläre Anlass, hier herum zu fahren. Die eigentliche Attraktion ist die Natur, die traumhaften Insellandschaften, das Meer in all seinen satten Farben, die Seeadler, die uns umkreisen, Mantas, Delphine und Babyhaie. Das komplette intakte Öko-System um Flores, Pflanzen und Tiere, Wolken, blauer Himmel und sogar der Wind. Das alles zu erleben, ist jede Rupie wert, die wir dafür ausgeben. Wie schön auch, das mit Leuten zu erleben, die unsere Kreuzfahrt genauso genießen können, und einer kleinen Crew, die stolz und freundlich uns Fremden ihre Welt präsentiert.

Unser Tipp für Labuan Bajo: Wir haben im Green Hill Boutique Hotel übernachtet!

Wie wir hierher gekommen sind, könnt Ihr hier nachlesen.

Ruteng, Bajawa, Mt. Kelimutu, Maumere

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