Von den Büffeln zu den Drachen

Wer nicht aufpasst, hat selbst Schuld. Einen Tag vor unserer geplanten Abreise hören wir unseren Wirt beim Telefonieren meinen Nachnamen sagen. Betrifft Euch nicht, antwortet er auf unsere Frage, er kennt nur meinen Vornamen. Tut es doch! Der Anruf kommt von der Busagentur, wo wir gebucht haben, und man fragt sich, warum wir nicht erschienen sind. Wir hatten unsere Unterkunft als Kontakt hinterlassen und – shit happens – die Dame hat unseren Abfahrtstag falsch notiert, unser Ticket aber korrekt ausgestellt. Das lässt sich aber klären, so dass wir pünktlich am richtigen Reisetag am Straßenrand auf unsere Abholung warten und inbrünstig hoffen, nicht von einem Starkregen weggewischt zu werden.

Der Bus der Firma Bintang Prima ist bombastisch: Riesige Beinfreiheit, Sitze mit integrierter Fußablage, superweich gepolstert. Solche Sessel siehst Du nur beim Einsteigen in Flieger mit Business-Klasse, bevor Du zur Holzklasse durchgewinkt wirst. Aus der 2. Sitzreihe haben wir guten Blick auf die Frontscheibe des Busses. Dort baumeln rund 30 Stoffpuppen. Teddies, humanoide Fußbälle, grimmige Pokemongestalten, Fetische an Saugnäpfen, die Glück verheißen. Wir wagen nicht uns auszumalen, welches Los einem Bus droht, wenn er ohne diesen Schutz ins Verkehrsgetümmel eintaucht und freuen uns über die kleinen synthetischen Schutzengel.

Dass die Fahrt lange dauert (ca. 10 Stunden), ist uns klar. Aber für die letzten 12 km zur Kreuzung vor dem Flughafen, brauchen wir über 1 Stunde. Ein Stau, der zur Tortur wird, weil das Kleinkind vor uns seit über 3 Stunden damit experimentiert, seine Langeweile durch heftiges Gebrabbel und spitze Schreie zu vertreiben. Kurz bevor wir ausrasten, erreichen wir den Abzweig zum Airport in Makassar. Wir übernachten im Ibis, direkt neben dem Abflugterminal. Ein Vorteil, wenn man morgens um 5:00 Uhr eincheckt und das eigentliche Stadtzentrum noch 1 Stunde entfernt ist.

Für unseren Abschied aus dem Land der Büffel gibt es für uns keinen Direktflug. Um von Sulawesi nach Flores zu kommen, müssen wir auf Bali umsteigen. Kein Problem. Die Fluggesellschaft Garuda, die beide Flüge bedient, hat einen guten Ruf. Der Zwischenstopp auf Bali ist sogar recht kurzweilig, obwohl wir geschlagene 3 Stunden Aufenthalt haben. Ngurah Rai besitzt attraktive Läden und Gastronomie, blitzsaubere Waschräume und das WLan funktioniert tadellos. Was will man mehr.

Etwas ratlos lässt uns das Publikum im Wartesaal. Wir haben seit 3 Wochen kaum westliche Touristen gesehen und sitzen jetzt ausgerechnet zwischen bleichgesichtigen, zauseligen und dödelig wirkenden Gestalten, um die wir anderswo meistens einen großen Bogen schlagen. Der Anschlussflieger ist leider groß genug, alle Wartenden aufzunehmen. Unser Flug wird aufgerufen, die Gestalten kleben auf ihren Sitzen. Sei’s drum, unsere Boardingkarten gezückt passieren wir den Eingang. Überraschung!

Hinter der großen Garuda-Boeing steht eine kleine Garuda-Propellermaschine. Der Großteil der Passagiere aus unserem Wartebereich verteilt sich auf 2 weitere Flüge. Wo die hin wollen, verraten wir nicht. Jedenfalls ist ihr Ziel nicht Flores. Dort, wo die Strände rosarot schimmern und das Meer smaragdgrün leuchtet. Das grüne Leuchten sehen wir übrigens bereits beim Landeanflug aus dem Fenster unserer kleinen Maschine.

Hallo Labuan Bajo, wir sind da. Hallo auch an die letzten Drachen, die wir auf Komodo besuchen wollen.

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