Vom Traumstrand ins Regenland

Natürlich könnten wir uns in Bira einrichten, unser Cottage am Strand hat beste Lage, und eigentlich ist alles perfekt. Aber einmal auf Sulawesi, wollen wir mehr kennenlernen. Grandiose Landschaften und exotische Kulturen. Das finden wir auf dieser Insel, ein guter Grund also, weiterzufahren. Wir verabreden eine Abholung durch einen PKW mit Fahrer. Aus Bira, das am südlichen Zipfel Sulawesis liegt, könnten wir zwar gut mit der Fähre Richtung Flores dampfen, aber dort wollen wir erst in zwei Wochen sein.

2 Wagen fahren vor, auch andere Gäste des Resorts planen eine Erkundung der Insel. Man hätte sich zwar absprechen und den Wagen teilen können, aber wenn nur eine Partei kostengünstig unterwegs sein möchte und die andere den eigenen Selbstwert an der Höhe ihrer Ausgaben festmacht, wäre so eine Reisepartnerschaft nicht kompatibel. Wir bekommen leider Mahmut als Fahrer, der kein einziges Wort Englisch beherrscht und sich deswegen über die gesamte Fahrt, die 2 Tage dauert, in konsequentes Schweigen hüllt. Sein Boss, der gut Englisch spricht, fährt die betuchte Klientel selbst.

Wir fahren als Erste los, die Betuchten sind noch nicht reisefertig. Aber obwohl das Auto die nötigen Pferdestärken besitzt, ordentlich Tempo zu machen, dödeln wir mit einer Reisegeschwindigkeit von gerade 35 km/h über die Straße, die gut und gerne das doppelte an Tempo zuliesse. Um dem Fahrer nicht zu vermitteln, er müsse extra langsam fahren, damit wir aus dem Fenster fotografieren können, wird die Kamera nur heimlich eingesetzt, sogar das Klicken des Verschlusses haben wir ausgeschaltet. Gesten, er möge doch Geschwindigkeit zulegen, will unser Fahrer nicht begreifen.

Die Region, durch die wir fahren, kann sich landschaftlich gut präsentieren. Viel Grün, nur wenig eintönige Plantagen, dafür aufgelockerte Wirtschaftsflächen und schmucke Häuser. Ab und zu tauchen Moscheen auf. Keine klassischen Bauten, die kunsthistorisch erwähnenswert sind, dafür müssten sie noch 500 Jahre ausharren, sondern eher in disneyhaften, grellen Farben mit kugeligen Dächern, wie aus einem Aladdin Musical.

Zwischendurch meldet sich Mahmuts Mobiltelefon. Mit einem Mal flutscht es, unser Mann fährt ab wie eine gesengte Sau, was für einen Muslim schon etwas bedeuten will. An einem Gasthaus halten wir. Der andere Wagen mit dem Bossfahrer und den Betuchten ist schon dort. Langsam dämmert es uns. Wir fahren in einem unsichtbaren Konvoi, der vom Boss koordiniert wird. Unser Mahmut musste Zeit schinden, damit der andere Wagen aufholen kann. Warum man so etwas inszeniert, wird uns später klar. Nach einer weiteren, total unnötigen Pause von 1,5 Stunden schaffen wir es, kurz vor 16.00 Uhr in Sengkang einzutreffen. Hier wollen wir den Zwischenstopp für einen Ausflug über den See nutzen. Der Bossfahrer hat unterwegs bereits signalisiert, er würde alles organisieren. Das tut er auch, allerdings um als Philantrop des Jahres geehrt zu werden. Es geht um Geld. Für das Zuführen von Fahrgästen zahlen ihm die Schiffsleute Provision. Das funktioniert aber nur, wenn der Vermittler persönlich anwesend ist. 2 x 2 Fahrgäste, also wir plus die Betuchten, entspricht dem Wert eines guten Abendessens.

Wie auch immer, die Fahrt über den Tempe See in Sengkank ist ein tolles Erlebnis.

Für die Weiterfahrt am nächsten Morgen verabreden wir uns wieder. Auf dem Weg sollen wir auch eine Seidenweberei besuchen, sagt Fahrerboss. Kennen wir, solche Stopps. Wird etwas gekauft, geht der Vermittler nicht leer aus. Wie am Vortag starten wir vor den Betuchten. Und wunderbarerweise fällt für uns die Seidenwerkstatt aus. Mahmut, der Schweigsame, verbaselt die richtige Abzweigung. So brausen wir weiter Richtung Norden.

Die Fahrt bringt uns immer höher hinauf. Berge rücken näher, die Straße schlängelt sich in Serpentinen durch dichte Waldgebiete. Wir stoppen sogar an einem Aussichtspunkt, der für sein tolles Panorama bekannt ist, trinken einen Kaffee und genießen den herrlichen Blick.

Langsam nähern wir uns der Region Toraja, die zentral und im Hochland der Insel liegt. Die ersten Torajahäuser tauchen auf und auch das Straßenbild ändert sich. Nicht mehr Moscheen, sondern Kirchen dominieren jetzt. Bauten, wie wir sie aus Europa kennen, alle mit einem Kirchturm. Hier gibt es weniger Frauen, mit Schleiern und burkaähnlichen Verhüllungen. Im Süden müssen ja bereits 3 oder 4jährige Mädchen die Verhüllung anlegen. In Toraja, wo viel mehr Christen ansässig sind, geht es liberaler zu. Kurz vor unserem Zielort passieren wir bei Makale die 40 Meter hohe Christusstatue. Sie wurde aus Bronze gefertigt und ist tatsächlich höher als der Christus in Rio de Janeiro. Also, wenn mal in einem Quiz die Frage danach aufkommt, die richtige Antwort ist Sulawesi und nicht Brasilien.

Gute 6 Stunden dauert die Fahrt bis wir in Tana Toraja Rantepao ankommen. Und kurz nach dem Einchecken im Homestay vom heftigsten Gewitterregen überrascht werden, der uns je untergekommen ist. Ja, hier oben im Regenland wird das Wetter ein gewichtiger Faktor bei unseren Planungen sein. Fürchten wir das Schlimmste und hoffen das Beste.

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