Brodenbach an der Mosel

Zwischen “Providence” (Rhode Island) und “Pyeongchang” (Südkorea) findet sich das Weinland Mosel. Das ist unser erstes Aha-Erlebnis, dem noch andere folgen sollen. Die Region, die wir besuchen, schafft es im Jahr 2016 tatsächlich in die Liste der 52 Places to Go der New York Times und genießt offenbar international eine Reputation, die uns so gar nicht geläufig war. Unterwegs zu einem Bloggertreffen in Brodenbach an der Mosel, bringen wir außer rudimentären Kenntnissen, die an Schlagworten wie “romantische Mosel”, “süffiger Riesling”, ” gemütliche Moselschifffahrt” festmachen, leider kaum etwas mit. Also recherchieren wir. Die Erwähnung in der NYT macht natürlich neugierig.

Bereit, die weißen Flecken unserer persönlichen Reisewelt zu befüllen, passieren wir bei der Anreise über Luxembourg überwiegend kleine Ortschaften. Trier umfahren wir bewußt; für eine intensivere Besichtigung reicht die Zeit nicht. Der Fluß prägt die Gegend. Kurvig schlängelt sich die Mosel durch grüne Uferlandschaften, sanfte Hügel und steile Weinberge – noch kahl in dieser Jahreszeit – die uns Flachländer beeindrucken.

Die Dörfer schmiegen sich entlang des Mosellaufes oder sammeln sich im Inneren von Flussschlaufen. Fachwerkhäuser, Restaurants, Kirchen gehören dazu, leider auch Gebäude, aus Zeiten, in denen wenig traditionsbewußt gebaut wurde und es vorrangig darum ging, sich eine günstige Aussichtslage in der ersten Reihe zu sichern. Wir kommen gut voran, die Uferstraße ist modern und über lange Passagen mit Radwegen ausgestattet. Ein Vorteil, will man die Region stückweise erkunden.

Zum Einstieg übernachten wir in Trittenheim, wo wir einen ersten praktischen Eindruck bekommen, wie es sich in einer klassischen deutschen Weinregion anfühlt: “Alles was wir tun, ist Wein” könnte als Motto passen. Es gibt Wein-Keller/-Händler/-Stuben/-Restaurants/-Verköstigungen und als Menetekel eine riesige Weinflasche, auf dass nie Vergessen werde: Ohne den Wein wäre alles nichts. Noch 90 Autominuten trennen uns von Brodenbach, der Weg dorthin sei unser Ziel.

Touristisches Schwergewicht auf der Strecke ist Bernkastel-Kues, das wir in etwa 30 Minuten erreichen.

Das Auto lässt sich gut auf dem großen Parkplatz am Ufer abstellen, sogar zu vernünftigen Preisen: 1. Stunde gratis, jede weitere zu 1,20 €. Es lohnt, einen Parkschein zu ziehen, den emsig herum schwirrenden Politessen entgeht nichts. Die kleine Stadt präsentiert sich wie aus Grimms Märchenwelt: Gepflegtes Mittelalter, bunt verzierte Fassaden aus dem 17. Jhdt, alle Effekte gekonnt und stilsicher platziert. Dass es trotz der Busladungen voller Besucher beschaulich zugeht, hat einen guten Grund: Unser Erscheinen senkt zwar das Durchschnittsalter, aber trautes Ruhestandstempo beherrscht die Kulisse.

Mit wenigen Schritten lassen wir den entschleunigten Teil des Ortes hinter uns, biegen in die Gasse neben dem Café mit den leckeren Pralinen à la Cusanus und wandern hinauf zur Burgruine Landshut. Uns nach Kassenhäuschen umschauend, die es nicht gibt – anderswo würde kräftig zugelangt – erfreuen wir uns an der tollen Aussicht über das Moseltal.

Der Calmont liegt noch zwischen uns und Brodenbach; ein Höhenzug, wie er aufregender kaum sein könnte. Die steilsten Lagen der Erde gibt es hier, mit Steigungen über 65 Grad. “Todesangst in Rieslingland” würde Alfred Hitchcock wohl seinen Film Vertigo genannt haben, hätte er hier gedreht und James Stewart über die Hänge von Bremm gejagt.

Als bekennender Akrophobiker und Flachlandbewohner bin ich voll der Bewunderung für die tapferen Winzer, die hier ihre Hanglagen bestellen. Erst in Brodenbach erfahren wir, dass diese Weinberge in Terrassenlage nicht einfach da sind, sondern in mühsamer Arbeit aufgeschichtet, abgestützt und mit fruchtbarer Erde aufgebaut werden. Kulturlandschaft ist oft ein hartes Brot.

Flüsse wie die Mosel sind übrigens keineswegs langweilig, es gibt immer etwas zum Hinschauen. Die riesigen Lastschiffe zum Beispiel, überlange, gekoppelte Schuten, die selbstbewusst an uns vorbei ziehen. Käptn‘ und Mannschaft kommunizieren über Funk miteinander – vielleicht auch per whatsapp – und legt der Kahn irgendwo an, ist man mit einem der PKWs unterwegs, die auf dem bootseigenen Parkdeck mitreisen.

Ankunft an der Untermosel, im kleinen Brodenbach: Es ist kein bildgewaltiges Feuerwerk der Eindrücke, was den Besucher empfängt, eher der inzwischen vertraute Anblick einer typischen Moselkulisse, die so wie sie sich gibt, eben zur Region gehört.

Durch den alten Ortskern braucht es keine 10 Minuten, aber mit fachkundiger Begleitung lässt sich vieles vertiefen. Wir erfahren, wie es einmal war, in den Zeiten, die nicht immer gut waren, von Gründerzeiten, Umbrüchen, Landflucht, dem Los des Winzerlebens und der Profanierung der alten Kirche, die es eigentlich noch getan hätte. Die neue lässt sich nicht verstecken, immerhin hat sie das Zeug zum Wallfahrtsort, für Suchende nach dem Mordor moderner Sakralarchitektur.

Die Pfunde, mit denen Brodenbach wuchern kann, erschließen sich auf den zweiten Blick. Besichtigen lässt sich hier vor allem lebendige Natur. Mehrere Wanderwege beginnen im Dorf: Im Zentrum, bei den gebührenfreien Parkplätzen, der „Siebenuhrley Rundweg“ über gemütliche 4 km sowie die „Jahrsberg Runde“ mit einer Länge von 8 km. Wanderkarte gibt‘s im Kiosk am Moselufer 19, der gleichzeitig als Tourist-Info fungiert.

Weitere Routen starten nahe bei der „Historischen Mühle Vogelsang“: Der Rundweg zum „Donnerloch“, mit einer Distanz von guten 7,9 km bei dem Höhenunterschiede von 328 m bewältigt werden und die „Ehrbachklamm“, eine Strecke die – je nach Einstieg – bis zu anspruchsvollen 17 km bewanderbar ist, durch eine der schönsten Landschaften Deutschlands.

 

Auch einen Traumpfad finden wir in Brodenbach. Traumpfade sind spezielle Premium-Wanderrouten in der Region Rhein-Mosel-Eifel, die allesamt mit dem Deutschen Wandersiegel ausgezeichnet sind und in jeder Beziehung höchsten Ansprüchen genügen. Weniger, was die technischen Anforderungen betrifft, vielmehr aber, was geboten wird an Landschaften, Naturdenkmälern und kulturellen Schönheiten, zwischen Wäldern, Hochplateaus, Weinbergen, Schlössern und Burgen. Bei Brodenbach heißt der Traumpfad übrigens „Bergschluchtenpfad Ehrenburg“. Ein Rundweg, klar und auf Sichtweite markiert, selbst passionierte Träumer schaffen es nicht, sich dort zu verirren. Ein Tipp: Wer sich die 26 Traumpfade vornimmt, sollte unbedingt die gleichnamige App herunterladen. Die versorgt Wanderer mit allen Details und Informationen, die es braucht: Karten, Höhenprofile, Bewirtungsverzeichnis, Sehenswürdigkeiten, Wegezustand, Gipfelfinder und, und, und, ….

Wer nicht in die Weite traumwandern will, fragt in Brodenbach nach Heiroma (Heike Rosa Maria Gaudenti) und verabredet sich für eine spezielle Tour. Die “Frau mit starker Verbindung zur Natur, den Tieren und manchmal auch zum Menschen…. ” engagiert sich mit Leib und Seele in literarischen und kulinarischen Projekten und präsentiert sich als höchst kompetente und dabei auch unterhaltsame Naturführerin. Wir treffen sie für eine Kräuterwanderung mit vielen Überraschungen.

Wer es liebt zu wandern, in natürlicher Umgebung zu urlauben, oder einfach nur gepflegt einkehren will, kommt in Brodenbach früher oder später beim historischen Mühlengasthof Vogelsang an.

Dass ein Campingplatz durchaus Adresse für lukullische Verlockungen sein kann, es sich als Naturfreund in einem hippen “Tiny House” toll übernachten lässt und jeder Gast wie selbstverständlich Service auf hohem Niveau bekommt, zeigen die Wirtsleute Sonja & Christian Heinz mit ihrem Team. Vor allem aber spüren wir hier, was manche vielleicht der ehrwürdigen Moselregion gar nicht zutrauen, nämlich den Umbruch hin zu einem modernen Konzepttourismus. Die Mosel – das erfahren wir hier hautnah – ist für alle da.

Dabei steht Unterhaltung immer ganz vorne. Auch bei einem der Wahrzeichen Brodenbachs, der Ehrenburg. Es lässt sich natürlich hinauf wandern, zu den 800-Jahre alten Mauern, satte 30 Minuten sollte man dafür schon rechnen, oder mit dem eigenen Auto bequem hinauffahren. Dafür biegen wir mit unserem Blauen in den Bergweg, die K72, und erreichen nach kurzer Fahrt über Serpentinen ein hoch gelegenes Plateau. Nicht wundern, von einer Burg ist erst mal nichts zu sehen. Deswegen, einfach weiter fahren, durch ein kleines Waldstück und vorbei an Wiesen, bis wir nach etwa 5 Minuten der zweiten Abzweigung nach rechts „Ehrenburgertal“ folgen. Kurz darauf halten wir beim kostenlosen Besucherparkplatz. Von da aus sind es nur noch wenige Minuten bis zur Burg. 

Dramaturgisch perfekt taucht dann die Ehrenburg auf, wie das Idealbild einer Ritterburg, das vielleicht dem Playmobilmodell Pate gestanden hat.

 

Turm und Vorhof sind bunt und lebendig geschmückt, es wuselt und dazwischen – stilgerecht kostümiert – fleischgewordenes Mittelalter mit Sänger, Handwerkern und Burgfräulein. Es passt und driftet kaum ins Disneyhafte ab. Dieser Eindruck bestätigt sich, spricht man Schmied, Töpfer und Schreiner einfach an, die Leute beherrschen das alte Handwerk, haben viel zu erzählen.

Das alles komplettiert die schön renovierten Mauern, die wir zu Fuß und auf eigene Faust erkunden. Wer möchte, kann sich auch der Führung anschließen, die recht vergnüglich abläuft. Egal, ob historisch interessierter Purist oder Genuss suchender Laie, ob Kind oder Kegel, die Ehrenburg ist einen Besuch wert und bietet das ganze Jahr über Veranstaltungen für jeden Geschmack, inklusive eines Hotels und Gastronomie.

Was uns an Gebieten wie der Mosel immer wieder begeistert, sind die  kulinarischen Spezialitäten, die angeboten werden und außerhalb der Region nur schwer erhätlich sind. Auch wenn es jetzt wie Werbung klingt, zu der wir uns gerne bekennen: Der hausgerauchte Wildschweinschinken von Peifer‘s Moselhotel ist eine ausgemachte Delikatesse. Danke für die Darreichung. Danke auch für den erfrischenden Apfelwein aus der alten Kelterei von Josef Hasdenteufel, der passt gut dazu, vor allem an sonnigen Tagen. 

Wer wie wir entlang der Mosel mit dem PKW anreist, hat keine Mühe, Brodenbach zu finden. Aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es gut erreichbar: Für Bahnfahrer mit der Deutschen Bahn bis Hauptbahnhof Koblenz. Vor dem Bahnhof ab Busbahnhof geht es weiter mit der KVG-Linie 301, Richtung Burgen. Fahrpläne für die genaue Planung finden sich hier.

Offenlegung: Wir wurden von Brodenbach an der Mosel zu dieser Bloggerreise eingeladen, die in Zusammenarbeit mit Spaness organisiert wurde. Unser Dank an alle Beteiligten für die tolle Organisation und herzliche Gastfreundschaft. Die Einladung beeinflusst natürlich nicht unsere persönliche Meinung, schließlich geht es auf der wegsite um authentische Reiseberichte.

Zum Stöbern, was  bisher zum Bloggertreffen in Brodenbach veröffentlicht ist:

Wie wir hierher gekommen sind, könnt Ihr hier nachlesen.

3 Gedanken zu „Brodenbach an der Mosel

  1. Hi,
    wie cool…
    die Sache mit der “52 Places to Go“ Liste der New York Times wußte ich tatsächlich auch noch nicht. Man lernt eben nie aus… 🙂
    Sehr schöner Bericht.

    Liebe Grüße
    Tanja

  2. Hey ihr Zwei,
    schöner Bericht über unser tolles #AbenteuerBrodenbach Wochenende an der Mosel. Wir haben uns sehr gefreut, euch kennenzulernen! Bis bald in Hamburg 🙂
    Liebe Grüße,
    Kristin & Kathrin

    • hallo,

      für uns war eines der Highlights, dort andere Blogger zu treffen, zum Beispiel Euch beiden. Euren Bericht werden wir gleich lesen.

      Gruß und bis bald

      Christiane & Aras

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