Ye – Dawei – Maungmagan

Ye

Unser erster Eindruck von Ye: Hier ist Myanmar noch um einige Grade abgeschiedener als sonst wo. Der beschauliche Ort besitzt eine Grundausstattung von Pagoden und Klostern, dazu Geschäfte, eine Handvoll Banken, ein kleines Marktviertel und die freundlichsten Bewohner. Gruppiert an einem See, der wohl auch eine religiöse Bedeutung hat. Seine Form lässt vermuten, dass er künstlich angelegt ist. Dieser See ist so fischreich, dass man mit dem Ausschütten einer Tüte Krümel im Nu ein fantastisches Gewimmel aus Fischleibern herbeizaubern kann. Kaum fällt Essbares ins Wasser, fängt es an zu brodeln: Hunderte von Fischen stürzen sich auf die Nahrung. Ein Dorado für Angler, möchte man meinen. Leider nein, das Gewässer und damit die Fische geniessen den Schutz der Religion. Das „Leben wie ein Fisch im See von Ye“ könnte den altmodischen Begriff vom Schlaraffenland locker ersetzen.

Der Fluss Ye, das andere Gewässer, welches das Leben hier prägt, hat ein anderes Kaliber. Er ist Nutzwasser, also Transportweg, an den Ufern Wohnstätte und mittendrin Lebensraum für Fische, die im Kochtopf oder auf dem Markt landen dürfen. Der Ye ist auch Erholungsurlaub für unsere Augen, solange man sich diszipliniert und nicht überall genauer ins Wasser schaut. Dann zeigt sich, dass er partiell erschreckend belastet ist und gerade seine Metamorphose in eine Müllkippe erlebt.

Die kleine, beschauliche Stadt ist schnell erkundet. Auch hier sind Spaziergänge angenehm, wir grüßen und werden gegrüßt. Schnell bestätigt sich, was schon der Reiseführer beschreibet, das gastronomische Angebot ist arg begrenzt. Garküchen, zwei Thai-Restaurants, das sind die Alternativen. Bier gibt es fast überall, das ist die gute Nachricht, ausgenommen in den Restaurants, die direkt am See liegen.

Wir haben Zeit, einen Ausflugstag einzulegen. Erstes Ziel ist die buddhistische Anlage am Banana Hill, die rund 10 km außerhalb der Stadt am Highway nach Norden liegt. Auch wenn man meint, bereits alles gesehen zu haben, in Mynamar, geht immer noch was. Die Anlage besteht aus einer 9-Etagen hohen, turmähnlichen Pagode, die bis zur Spitze begehbar ist. Es macht sogar Spaß, die schön dekorierten Stockwerke zu besichtigen. Aber Achtung, der letzte Treppenaufgang zwingt zur Demut. Wer hier den Kopf nicht einzieht, merkt wir sehr Hochmut schmerzen kann.

Außen lehnen 4 Riesen-Buddha-Figuren, in jede Himmelsrichtung eine. Das wirkt surreal in seiner Überdimensioniertheit, die wir nach wie vor nicht begreifen. Als Monument beeindruckt uns der Bau zweifelsohne. Das Kloster daneben überzeugt eher durch normale Größenverhältnisse und seine harmonisch, schöne Gestaltung. Glückes Geschick, wir sind zur rechten Zeit anwesend: Nonnen und Novizinnen ziehen im Gänsemarsch zur Speisehalle. Eine ästhetische Prozession, wie eigens für uns inszeniert.

Die Weiterfahrt zum Dorf Jaung Ywar soll uns eigentlich mit dem Alltag von Angehörigen der Mon und Karen vertrauter machen. So erhoffen wir es uns. Tatsächlich spazieren wir durch Häuserreihen, die sich wenig von den Dorfansichten unterscheiden, die wir bereits kennen. Nichts Spektakuläres und vielleicht ist es sogar gut, hier einfach nur alltägliche Normalität zu sehen und kein für Touristen eingeübtes Theater. Selbst, wenn einschlägige Prospekte empfehlen, einen Guide dabei zu haben, wir denken, das ist verzichtbar.

Das Anmieten eines Langbootes für eine anschließende Flussfahrt bekommen sogar sprachunkundige Touristen alleine hin. Das Zücken eines 10.000 Kyat Scheines ist eine Geste, die jeder in Myanmar auf Anhieb richtig interpretiert. Die Fahrt, die wir dafür bekommen, geht über einen Flussabschnitt, der ausgesprochen rein und einladend erfrischend wirkt. Ein schönes Erlebnis. Ruhig strömt der Fluss, vorbei an Waldstücken, Kindern, die auf Flössen spielen, lauschigen Stellen. Bis zu einem kleinen Kloster mit Aussichtsplattform geht es, das sich besichtigen lässt. Vor der Rückkehr ins Dorf faulenzen wir unter dem Dach eines Bambuskiosks, der von einer Bäuerin bewirtschaftet wird, mit Getränken zu moderaten Preisen.

Dawei

Dawei, Hauptstadt des Staates Tanintharyi, hat historisch eher eine bescheidene Rolle im Gerangel der Großmächte der Region um Dominanz und Einfluss gespielt. Seiner Lage an der Mündung des Flusses Tavoy verdankt es einen Hafen und damit seine wirtschaftliche Bedeutung für den Handel. Immerhin war es seinerzeit interessant genug für England, hier präsent zu sein. Noch heute gibt es in Dawei viele Straßen, in denen ein reich verziertes Holzhaus aus der Kolonialzeit neben dem anderen steht; dazwischen immer wieder wunderschöne, mit stuck verzierte Villen aus Stein. Es ist dieses koloniale Flair, das uns sehr gefällt und Dawei für uns zu einer der schönsten Städte macht, die wir bisher in Myanmar besucht haben.

Bedeutend ist das Potenzial, das Dawei ausstrahlt. Der Staat Taninttharyi ist seit kurzem erst für Touristen besuchbar und fördert große, internationale Projekte. Etwa den Ausbau des Hafens mit verkehrstechnischer Anbindung an den Wirtschaftsraum Bangkok, das etwa 300 km östlich liegt. Da flackern in den Augen der Spekulanten die $-Zeichen, Dawei soll ein Dorado für Warenaustausch und Touristenströme werden, was für die Bevölkerung mit Zwangsumsiedlungen verbunden sein wird. Wir neiden den folgenden Generationen diese Zukunft nicht. Tourismus und vermeintlicher Fortschritt in Zeiten der Globalisierung sind leider oft ein Phänomen, mit dem wir das Gebot der Schadenbegrenzung assozieren. Heute schon bleiben die Ökologie, die wirtschaftlichen Belange der kleinen Leute und das kulturelle Erbe zuerst auf der Strecke, wenn es um mächtige Profite geht.

Die günstige Lage Daweis mit direkter Verbindung zur Grenze nach Thailand (einen Flughafen gibt es übrigens auch), ist für uns ein Grund, die Stadt als Station mit einzubeziehen. Für ihre Besichtung haben wir nur wenig Zeit. Relativ übersichtlich ist sie in parallel verlaufende breitere Straßen gegliedert, mit vielen Geschäften, Wohn- und Bürhäusern. Dazwischen finden wir überschaubare Gassen, viele mit properen bunten Holzbauten. Da gibt es Handwerksbetriebe, Kleingewerbe und ganz offensichtlich funktionierendes Familienleben mit mehreren Generationen, wo Großeltern sich um die jüngsten Nachkommen kümmern, wo gemeinsam gegessen und sogar noch Kleinvieh und Geflügel gehalten wird. Sehr freundlich werden wir hier begrüßt. Obwohl Fremde, winkt man uns heran, versucht mit uns zu sprechen und wünscht uns, das verstehen wir trotz aller Sprachbarrieren, eine gute Zeit.

Dass es in Dawei auch einen großen, alles bietenden Markt gibt, braucht eigentlich kaum erwähnt zu werden. Ein Ort ohne so ein Zentrum, ist in Myanmar kaum vorstellbar.

Für uns ein zweiter Grund, hierzu sein, ist die Nähe der Stadt zur Andamanensee. Nur 15 km von Dawei liegen Strände mit Übernachtungsmöglichkeiten, dort wollen wir die letzten Tage in Myanmar verbringen, bevor es für uns in Htee Kee über die Grenze nach Thailand geht.

Maungmagan / Dawei-Halbinsel

Für uns ein zweiter Grund hierzu sein, ist die Nähe der Stadt zur Adamanensee. Nur 15 km von Dawei liegen Strände mit Übernachtungsmöglichkeiten, dort wollen wir einige Tage bleiben……

Die Dawei-Halbinsel soll uns bieten, um das uns beneidet, wer jetzt zuhause dem Winter trotzt, also Strände, Palmen und kristallklares Meer. Tatsächlich haben wir ja die meiste Zeit in Myanmar damit verbracht, kulturhistorische Eindrücke zu sammeln. Bei alldem vergessen wir nicht die klassischen Freuden einer Reise: Sonne Sand und Schwimmen, am liebsten ohne dabei auf Massentourismus zu treffen. Weil offizielle Reiseführer die Dawei-Halbinsel noch relativ oberflächlich behandeln, wittern wir die Chance, hier unverbrauchte Gelegenheiten aufzutun. Nicht als Allererste, aber als Ankömmlinge in der Spitzengruppe.

Tatsächlich nimmt in Myanmar proportional mit der Entfernung zu berühmten Sehenswürdigkeiten die Zahl der Besucher ab. Wohl auch, weil geeignete Übernachtungsmöglichkeiten zurzeit nur beschränkt zur Verfügung stehen. Was für Reisegruppen eher ein Nachteil ist, begünstigt unsere Art des individuellen Reisens. Allerdings müssen auch wir frühzeitig buchen, um unterkommen zu können. Außerhalb von Dawei bietet sich bei Maungmagan das Coconut Guesthouse an, im Süden der Halbinsel das Paradise Beach Resort. Beide Standorte sind über das Internet buchbar. Jedem, der gerne nachts in einem Bett schläft, raten wir, nicht einfach spontan aufzutauchen, sondern sich rechtzeitig anzumelden. Freie Kapazitäten sind begrenzt, manchmal auf Wochen im Voraus.

Wir mieten uns für 4 Nächte in Maungmagan ein. Der Strand ist gut zu erreichen, allerdings nicht für ein Badeerlebnis sondern eher, um Lokalkolorit kennenzulernen. Die örtliche Jugend trifft sich dort, knattert mit Mopeds über die Sandpisten, Familien picknicken. Weiter hinauf liegt ein romantisches Fischerdorf, wo aber hart gearbeitet wird. Parallel zum Strand reihen sich kleine Restaurants auf. Besonders abends kommt man gerne her, um sich einen Fisch, ein Currygericht oder Unmengen von Gegrilltem servieren zu lassen. Dazu gibt’s eiskaltes Myanmar-Bier; alles zu moderaten Preisen. Früh morgens können wir an diesem Strandabschnitt laufen. Schwimmen wäre theoretisch denkbar, aber wir erwarten mehr. Uns ist das Wasser zu trübe, der Sand zu grau und zu vermüllt.

Um unsere Vision vom blütenweißen Strand zu verwirklichen, müssen wir noch weiter nach Süden vorstoßen. Ab Dawei führt eine einfache Teerstraße über die ganze Länge der Halbinsel bis hinunter zum südlichsten Punkt. Die Distanz beträgt mehr als 60 km, Fahrzeit mit dem PKW rund 2,5 Stunden. Natürlich ist die Strecke auch mit dem Motorrad zu bewältigen. Ob man sich das als Selbstfahrer zumuten will, möge jeder für sich entscheiden. Das Hotel organisiert uns eine kleine Fahrgemeinschaft für ein Taxi, die Kosten von 70.000 Kyat für den ganzen Tag, teilen wir uns.

Wir starten morgens. Die Fahrt ist abwechslungsreich, führt durch kleinere Ortschaften, auch vorbei an einer Bucht an der Mo Chau Ni liegt, ein traumhaftes Fischerdorf, das zum Schauen, nicht zum Baden einlädt. Wie immer auf dieser Reise müssen wir feststellen, wo es viel Sonne gibt, finder man auch Schatten. Noch überwiegen die schönen Anblicke, aber hässliche Müllecken drängen sich ins Gesichtsfeld, wo man keine sehen will.

Die Nähe zur Shin Saw Pagode, am südlichen Zipfel, kündigt sich durch dichteren Verkehr an. Sie ist beliebt, zieht viele Besucher aus dem Norden an, die sich die in den Felsenabhang hinein errichtete Anlage als Pilgerziel auswählen. Selbst wenn sie nicht zu den mächtigsten und prächtigsten Monumenten im Lande gehört, hat die Pagode durchaus etwas Reizvolles, und ist uns eine Besichtigung wert. Auch hier ist übrigens die Eintrittspreispolitik des Nordens noch nicht angekommen. Fremde sind auch ohne Obolus willkommen, was nicht hindern soll, freiwillig eine Spende zu hinterlassen.

Der heiß empfohlene Grandfather Beach (Po Po Kyauk) ist von hier aus noch etwa 20 Minuten entfernt. Wer sich das Privileg gönnt, mit PKW und Fahrer herzukommen, darf entspannt zurücklehnen. Die Straße ist hoppelig und wird auf den letzten Kilometer steiler und steiniger. Aber Achtung, Motorradfahrer, hier ist Fahrpraxis gefordert.

Irgendwann hat die Qual der Fahrt ein Ende und wir stehen am Eingang zu einem Strand, dessen Anblick uns den Atem verschlägt. Über eine lange, gebogene Bucht auf vielleicht 10 km ersteckt sich vor uns strahlend weißer Sand, der im Sonnenlicht noch heller glitzert, gesäumt vom Meer tiefblau, mit leichtem Wellengang. Ein Traum. Kaum Menschen sehen wir, einige winzige Grüppchen von Besuchern verlieren sich in der gleissenden Weite des Strandes. Wir suchen uns einen Platz am Rand, wo Büsche wachsen und Kashewbäume. Mit Tüchern, spannen wir einen Sonnenschutz auf, machen es uns bequem. Der Sand ist feinkörnig wie in einer Sanduhr. Und er singt förmlich, wenn man darüber läuft. Ein paar Stunden bleiben wir hier, sammeln Muscheln, baden, lauschen dem Strand, dem Wind und dem Wellen und vergessen die Welt, die da draußen hinter der Andamanensee liegt. Trinkwasser, Kekse, Obst haben wir dabei. Auch frische Bananen, eine seltsame Sorte, mit großen Kernen.

Mehr braucht es eigentlich nicht, sagen wir uns. Bis zum Sonnenuntergang bleiben wir, um in der Romantik des späten Nachmittags unvermittelt auf die eigentlichen Herrscher des Grandfather Beaches zu treffen: Ausgeburten des Hades, Sandfliegen! Sie sorgen dafür, dass wir noch Tage später, beim Eincremen der juckenden Einstiche, diese winzigen Quälgeister verfluchen.

Mit gemischten Gefühlen stellen wir uns dann der Rückfahrt, gute 2 Stunden in den dunklen Abend hinein, zurück nach Maungmagan. Wer solche lange Fahrten scheut, sollte versuchen, rechtzeitig einen der wenigen Bungalows im Paradise Resort zu buchen.

Spontan beschließen wir, am nächsten Tag einen Strandbesuch zu wiederholen. Näher an unserem Hotel liegt Tizit Beach, ähnlich schön wie der Grandfather. Tizit ist rund 1 Stunde Fahrzeit entfernt von Dawei, im oberen Drittel der Halbinsel. Mit dem Taxi kostet der Ausflug 40.000 Kyat. Auch die Fahrt nach Tizit fordert vom Fahrer größte Konzentration; die Wege sind zum Teil sehr steil und steinig. Aber auch hier kommt die Überraschung am Schluss, wenn die paradiesische Bucht auftaucht, mit hellem Strand und dunkelblauem Meer. Etwas kleiner ist es hier als am Vortag, aber nicht weniger schön. Irgendwo gibt es kleine Fischerdörfer, verborgen hinter Felsen und dichter grüner Vegetation, aber soweit weg, dass wir sie mit dem bloßen Auge nicht ausmachen können.

Das Meer hier ist bewegter als in der Grandfather Bucht, Ebbe und Flut zeichnen grafische Muster in den hellen Sand, die im Licht bizarr anzuschauen sind. Wir rasten im Schatten eines hohen Nadelbaumes, schwimmen, spazieren umher. Um die Mittagszeit taucht ein kleines Fischerboot auf, dümpelt in Strandnähe. Ein friedliches Bild an einem friedlichen, sonnigen Tag. Ob hier Sandfliegen siedeln wissen wir nicht, wegen der Weiterfahrt am nächsten Tag, brechen wir bereits am frühen Nachmittag auf.

Dawei und Umgebung bieten noch weit mehr, als wir in dieser kurzen Zeit kennenlernen können. Wer es sich zeitlich erlauben kann, sollte die Anfahrt auf sich nehmen und bedenken, dass bis vor wenigen Jahren hier keine ausländischen Besucher über den Landweg herkamen. Noch gibt es unberührte Strände, freundliche Menschen sowieso. Detaillierte Informationen zu Stränden auf der Dawei-Halbinsel, inklusive wunderschöne Fotos und Karte lassen sich auf Stephen’s Best Beaches in Myanmar finden. Aber die Infrastruktur entwickelt sich dynamisch, Investoren haben das Potenzial der Region erkannt. Ginge es nach uns, müsste es so bleiben wie es ist. Die „Wenns“ und „Abers“ stellen wir gerne zurück. Schön, dass wir hier sein dürfen.

 

So ging’s für uns hierher und wieder weiter.

Yangon, Kalaw und Pindaya, Inle See, Mandalay, Monywa, Bagan, Bago, Golden Rock,   Hpa-an, Mawlamyine

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