In den Süden und weiter bis zur Grenze

Wieder sind wir recht spartanisch unterwegs. Wir kaufen normale Tickets für einen Standardbus, der regelmäßig die Strecke Mawlamyine – Ye bedient. Weiter gen Süden Myanmars, dort, wo uns das Meer und Strand erwarten und natürlich am Ende unseres Aufenthaltes der Übergang nach Thailand. Wir wollen den Overstay, also die Zeitüberschreitung unseres Visums, nicht übertreiben, richten uns planerisch auf einen Gesamtaufenthalt von gut 5 Wochen ein.

Der Busbahnhof von Mawlamyine für die Busse Richtung Süden liegt etwa 8 km südlich der Stadt. Alle Busbahnhöfe sind hier sozusagen nach Zielregionen differenziert. Den nächstgelegen Abfahrtspunkt einfach anzusteuern klappt nicht, im Zweifel versauert man dann am falschen Bahnhof. Der Bus ist akzeptabel, ein chinesisches Fabrikat. Am Seitenfenster prangt ein Portrait des großen Vorsitzenden Mao. Unser Fahrer signalisiert mit hochgerecktem Daumen dass er dem Fahrzeug und dem Emblem vertraut. Wir sind zufrieden, vor allem, weil die Ticketpreise revolutionär niedrig sind, zusammen zahlen wir für die 160 km lange Strecke proletarische 4 Euro.

Der Süden ist noch nicht allzu lange für Touristen zugänglich. Seit wenigen Jahren ist das anders. Straßen werden gebaut, die Anbindung an das Straßennetz des Landes läuft auf Hochtouren, Busse verkehren inzwischen regelmäßig an jedem Tag.

Nach 6 Stunden erreichen wir Ye. Das Myanmar, auf das wir hier treffen, wirkt noch um einige Grade abgeschiedener als die Orte, die wir zuletzt besucht haben. Nicht unbedingt altmodisch, im Prinzip gibt es hier ja fast alles, mit Ausnahme einer touristischen Infrastruktur. Der Ort kann das gut aushalten, wir auch. Mehr zu Ye lässt sich hier nachlesen.

Viel Grün säumt die Straßen, die nach Ye führen und von Ye weg. Wer genauer hinschaut, dem fällt die Symmetrie der Bepflanzung auf. Schnurgerade Reihen, tief gestaffelt, Nutz-Bäume die nicht für Sortenvielfalt, sondern Monokultur stehen. Kautschukgewächse wohin man schaut, später auch Betelpalmen. Beide Gewächse begründen den Wohlstand der Menschen hier. Gefühlt geht dieser finanzielle Gewinn zu Lasten der Natur; Vegetation und Tierwelt sind längst der Plantagenwirtschaft gewichen. Nicht so verheerend wie dort, wo Palmöl produziert wird, aber kaum nachhaltig. Wir konstatieren ohne zu kritisieren, als Europäer, die diese Verhältnisse mit verursacht haben, steht es uns nicht zu, Menschen zu verdammen, die keine andere Lebensgrundlage haben, als diese.

In der Weiterfahrt nach Dawei 2 Tage später, steckt der Wurm. Irgendetwas läuft nicht rund. Das vom Hotel besorgte Ticket für den Minivan zeigt eine andere Abfahrtszeit, als man uns gesagt hat. Wir warten inzwischen am Busbahnhof bald 2,5 Stunden und von unserem Bus ist noch immer keine Spur zu entdecken. 6 Stunden soll die Fahrt dauern, jede Stunde, die wir verlieren, fehlt uns nach der Ankunft am Zielort, wo wir nur eine Übernachtung vorgesehen haben und noch ein wenig die Stadt besichtigen wollen. Der Ticketverkäufer telefoniert mit einem Verantwortlichen, der die Situation erklärt. Das Fahrzeug habe unterwegs einen technischen Defekt gehabt, jetzt sei alles repariert. Ankunft etwa in 30 Minuten. Die Anfrage, ob wir das Ticket stornieren können gegen Erstattung des Preises bejaht er.

Zeit für Plan B. Mit einem Bus, der nicht ganz in Ordnung ist, wollen wir nicht unterwegs sein. Der Ticketverkäufer reagiert freundlich und gelassen, zahlt uns aus und fährt sogar weg, uns ein Taxi zu besorgen.

Der Preis, den wir aushandeln ist reell. 60 € für 160 km schwierige Straßen sind angemessen. Der Handel gilt. Vorbereitet sind wir und diesen guten Tipp geben wir gerne weiter: Wer die föderale Grenze in den Staat Tanitharyi passiert, sollte Kopien von Pass und Visum dabei haben, es erleichtert das Passieren der Kontrollpunkte.

Was auffällt, ist das emsige Werkeln auf dem Highway. Unmengen von Baustellen passieren wir. Straßen werden asphaltiert, verbreitert, stabilisiert. Wir wundern uns, mit welchen einfachen Mitteln die Arbeiter das tun. Kaum Maschinen sind im Einsatz, nahezu alles wird per Hand gemacht. Kiesel in Körben transportiert, Teer in Fässern aufgekocht und manuell verteilt. Männer, Frauen und sogar Kinder sehen wir im harten Einsatz. Das Resultat verblüfft, die neuen Abschnitte wirken qualitativ hochwertig, scheinen wohl auch die Belastungen durch bullige LKWs auszuhalten.

Unser Taxifahrer fährt zügig und konsequent, er schafft es, die Fahrzeit unter 3 Stunden zu halten und das ohne riskante Manöver! Damit haben wir schlussendlich die Wartezeit wieder ausgeglichen. Wer weiß, wozu es gut war, wir sind zufrieden und haben noch ausreichend Zeit, uns Dawei anzusehen.

Dawei beherbergt uns eine Nacht, es zieht uns Richtung Strände. Per Tuk-Tuk lassen wir uns nach Maungmagan bringen, brauchen für die Strecke rund 45 Minuten, wissend, dass ein normales Taxi schneller dort wäre, aber Hektik ist in diesem Land der Bedächtigen nicht angesagt. Maungmagan wird unsere Basis sein, für weitere Ausflüge, und da haben wir tolles zu berichten.

Alles hat ein Ende, für uns leider auch die Zeit in Myanmar. Wir nehmen uns die Freiheit, unser Visum um eine Woche zu überziehen. Das sei problemlos möglich, wissen wir inzwischen, gegen Zahlung einer Gebühr in Höhe von 3 $ pro Tag. Das Vergnügen wirft uns nicht ins finanzielle Chaos, unterm Strich haben wir in Myanmar unser Budget nicht überziehen müssen. Im Gegenteil, wir haben gut gewirtschaftet ohne zu darben.

Über das Hotel in Maungmagan buchen wir den Transfer zur Grenzstation Htee Kee. Das ist ein kleiner, neu eröffneter Übergang, der aber tagsüber zwischen 8.00 – 18.00 Uhr gut nutzbar ist, in beide Richtungen. Was im Rückblick wohl ein Fehler war, nämlich das Busticket über unsere Unterkunft kaufen zu lassen, merken wir erst später. Am Abfahrtspunkt wartet ein bulliger Toyota-Pickup, mit ebenso bulligem, missmutig schauenden Fahrer. Keine Sorge, reden wir uns ein, als wir auf der schmalen Rückbank Platz nehmen, das wird nur der Servicewagen sein, der uns zum Minibus fährt.

Falsch gedacht, wir werden die ganze Strecke mit diesem Pickup zurücklegen. Anfangs zu Dritt auf der Rückbank, werden beim ersten Zwischenstopp eine Frau mit ihren beiden Kindern zugeladen. Kein Protest nutzt, der Fahrer zieht sein Ding durch. Die Rückbank ist schlussendlich mit 4 Erwachsenen, Tagesgepäck und einem kleinen Jungen belegt. Die holperige, größtenteils nicht asphaltierte Strecke über 150 km ist knochenhart, was den Fahrer aber nicht juckt. Wo andere vorsichtig die Straße abtasten, brettert er gnadenlos drüber, zum Teil mit 80 km/h, ob seine Passagiere dabei leiden geht ihm am feisten Hinterteil vorbei. Der Schüttelfaktor muss mit 2 Reisetabletten kompensiert werden. Kurz vor der Grenze wirft er uns raus. Die Idee, über das 6 km Niemandsland zwischen Myanmar und Thailand mit diesem Fahrzeug gebracht zu werden, platzt wie eine Seifenblase.

Die Ausreiseformalitäten können schnell und problemlos erledigt werden. Zu unserer Überraschung wird die Überziehungszeit zu unseren Gunsten um einen Tag verkürzt angesetzt. Bezahlen muss man bar, mit US-Dollar oder thailändischen Bhat. Unsere birmanischen Geldbestände können bequem in einem der nahen Kioske getauscht werden. Mit korrekt gestempelten Reisepässen stehen wir in sengender Hitze vor den 6 km Piste Niemandsland. Ohne Taxi oder Shuttledienst. Ein Grenzpolizist erbarmt sich, winkt einen Pickup heran. Der Fahrer lässt uns auf- nicht einsteigen (die Kabine ist bereits voll), so erleben wir die Ankunft in Thailand auf der Ladefläche kauernd. Geht auch.

Nach schneller Abfertigung am Migrationsschalter wartet der thailändische Service auf uns. Es gibt von hier einen regulären Minibusdienst nach Kanchanaburi, der letzte allerdings fährt bereits um 14.00 Uhr. Für uns zu schaffen, aber was passiert, wenn man später an der Grenze ankommt? Egal, das sollen andere Reisende herausfinden. Wir landen nach erholsamer Fahrt und erbaulichen Gesprächen mit deutschen Mitfahrern früher als erwartet in unserem Resort in Kanchanaburi. Und vermissen jetzt bereits die aufregende Zeit in Myanmar.

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