Bhaktapur

Wer schon Gefallen am Durbar Square in Kathmandu gefunden hat, der sollte erst mal Bhaktapur gesehen haben – das „Disney-Land“ der Newar, schlappe 15 Kilometer östlich der Hauptstadt. Da diese Stadt permanent wächst, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Bhaktapur als Stadtteil eingemeindet wird. Verkehrstechnisch fühlt sich das bereits so an; die Fahrt zwischen beiden Orten war locker mit dem Taxi zu bewältigen, auch kostenmäßig.

Hauptthema in Bhaktapur ist der historische Stadtkern, um den herum sich der normale nepalesische Alltag abspielt, mit unzählig vielen Tempeln, Restaurants, Läden, Gewimmel und Getümmel und natürlich auch Hotels. Aber, wer schon mal dort ist, dem sei die Unterkunft innerhalb des geschützten Bezirks empfohlen. Der ist, viel besser als in Kathmandu, fast schon hermetisch abgeschlossen. Hier ohne Eintrittskarte vorbeizukommen, schaffen Touristen nur mit Tarnkappe. Der Eintrittspreis ist ziemlich stolz, aber auch wirklich gerechtfertigt, denn es kostet viel Geld, sich so einen Stadtkern zu leisten, auch wenn Bhaktapur vor rund 35 Jahren bereits auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes gesetzt wurde und viel externe Mittel investiert worden sind.

Wir waren in einem einfachen Hotel innerhalb der mittelalterlich anmutenden Altstadt untergekommen, hatten das Ticket für den mehrtägigen Besuch am Kassenhäuschen erworben und damit jede Menge Gelegenheit, die Stadt ausführlich kennen zu lernen. Auch hier neigen Touristen anfänglich dazu, sich im Gewirr der Straßen und Gassen zu verirren. Deswegen hatten zusammen wir mit einem Schüler, der sich in seiner Freizeit als Fremdenführer versucht, die Tour durch Bhaktapur gemacht. Dafür bekamen wir sogar recht fundierte Auskünfte über die Bedeutung der einzelnen Gebäude, Tempel, Paläste, die sich um den großen Durbar Square, den Taumadhi-Platz und in weiteren Plätzen, Gassen und Straßen verästeln. Faszinierend sind dort vor allem auch die wunderschönen Schnitzarbeiten der Newar an Fenstern und Türen – und in den Souvenirshops. Auch für seine Töpferarbeiten ist Bhaktapur eine Adresse. Der Potters Square, wo hunderte von Krügen und tönernen Gebrauchsgegenständigen ausgelegt werden, ist ein wahrer Augenschmaus.

Keine Angst, in Bhaktapur herrscht keine Volkshochschulatmosphäre, dafür sorgen schon die Einwohner, die ungeachtet der Besucher weiterhin ihren Alltagsgeschäften nachgehen oder die Gastronomen, die dafür sorgen, dass der Gast weder hungern, noch dürsten, noch auf Unterhaltung verzichten muss. Ausgesprochen unterhaltend ist der Aufenthalt, wenn eines der großen Festivals stattfindet. Dann bevölkern Musikgruppen die Stadt, die in lauten Prozessionen fast rund um die Uhr durch die Straßen ziehen. An den Tagen zuvor wurde Vieh in die Stadt getrieben, einzig um dort öffentlich geopfert zu werden; ein blutiges, befremdliches Spektakel. Vor allem, wenn nach den Schlachtungen, in den blutroten Straßen das Fleisch angeboten wird, säuberlich zerteilt und portioniert. Ja, Hindus und Buddhisten verzehren das, der Glaube erlaubt ihnen den Verzehr von Fleisch, wenn man nicht selbst das Tier umgebracht hat.

In erreichbarer Nähe zur Stadt und im Rahmen eines Tagesausflugs gut zu erwandern ist Changu Narayan, ein Vishnu Tempel, am Ende eines Bergrückens mit tollem Blick auf das Kathmandutal. Die Anlage bietet einen großen Haupttempel und mehrere kleinere Schreine, reich verziert mit Skulpturen und Reliefs, die ältesten sollen aus dem 5. Jahrhundert stammen. Wir hatten uns per Taxi zum Tempelkomplex bringen lassen, um anschließend die 6 km nach Bhaktapur zurück zu wandern. Der Weg führt meist parallel zur Straße durch malerische Landschaften und Dörfer.

Ein weiteres, lohnenswertes Ausflugsziel ist das nahe gelegene Nagarkot. Zu erreichen per öffentlichem Bus, um dann das letzte Stück zu Fuß zurückzulegen. Insbesondere am frühen Morgen eröffnen sich von diesem, auf knapp 2.200 m Höhe auf einem Bergrücken gelegenen Ort fantastische Ausblicke auf den Himalaya.

Bei guter Fernsicht kann man von hier die höchsten Gipfel der Himalaya-Riesen sehen, wie den Manaslu, Ganesh Himal, das Langtang-Gebirge und an besonders klaren Tagen sogar den Gipfel des Mt. Everest. Von Nagarkot aus sind wir innerhalb von fünf Stunden bergab über Changu Narayan nach Bhaktapur gewandert. Es war eine sehr schöne Tour auf kleinen Pfaden von Dorf zu Dorf durch wunderschöne Landschaft, immer mit Blick auf den Langtang.

Ein anderer, schöner Ausflug führte uns von Bhaktapur über Panauti nach Namobuddha, einem buddhistischen Pilgerort, inmitten von Terrassenfeldern und Hügeln. Einer Legende nach soll sich hier ein Prinz, vor Urzeiten voller selbstlosen Mitgefühls einer hungrigen Tigerin als Nahrung für ihre Jungen angeboten haben, was von dieser ebenso selbstlos akzeptiert wurde. Gautama selbst kam später als Reinkarnation des Verspeisten zurück an diesen Ort, der fortan als heilig galt. Namobuddha angeschlossen ist ein buddhistisches Kloster, das übrigens auch Gäste aufnimmt. Wir hätten dieses Angebot nutzen sollen. Der Rückweg nach Bhaktapur war an diesem Tag vergleichbar dem Leiden von Hardcorepilgern. Busse waren kaum zu bekommen und der, den wir erwischten, hatte einen Fahrer mit dem Ehrgeiz, alle Menschen, die am Wegesrand warteten, aufzunehmen und zwar ungeachtet des Platzangebots der Passagiere. Aber was nimmt man nicht alles freiwillig hin, um wenigstens einmal dort gewesen zu sein, Aussteigen wäre keine Alternative gewesen. Und in der Erinnerung verschwindet das Beschwerliche ja zuallererst. Was bleibt ist das Positive, und davon hatten wir eine Menge, an diesem Tag.

Wir haben insgesamt 5 sehr ereignisreiche Tage in Bhaktapur verbracht und waren fasziniert davon, das Mittelalter in Nepal in diesem Ort so hautnah miterleben zu können.