Luang Prabang

Eine schöne Stadt, eine ästhetisch angelegte Stadt. Eine Stadt, wo das kulturelle Erbe Frankreichs und die Kultur Südostasiens verschmelzen. Wobei betont werden muss, dass hier nicht einem vergangenen Kolonialismus gehuldigt werden soll. Fremdherrschaft bedeutet für die Betroffenen immer auch Repression und Verlust von Traditionen. Aber das ist heute nicht das Thema. Die Gegenwart in Laos wirkt befreit von den historischen Altlasten, des europäischen Imperialismus oder der Kampfgemeinschaft mit dem Vietkong und der darauf folgenden Phase des von Peking dominierten Indochinesischem-Sozialismus.

Europäer wie Chinesen, die hier die Mehrheit der Besucher stellen, geniessen ihre Anwesenheit in Laos. Vor allem scheint das für Luang Prabang zu gelten, wo in einer restaurierten Altstadt, Geschäfte, hochklassige Restaurants und ebenso hochklassige Hotels das Bild prägen. Die Stadt gehört ja immerhin zum Weltkulturerbe und das zeigt sie stolz her.

Der historische Kern Luang Prabangs, säumt den Mekong. Viel Grün ist zu sehen bei der Anreise über den großen Fluss: Palmen, hochgewachsene Bäume und Sträucher lassen die eleganten Franco-/Laos-Häuser nur manchmal aus der üppigen Vegetation hervorblitzen. Die Stadt entschleunigt und lädt zu Spaziergängen ein, offenbart dann neben der weltlichen Architektur auch ihre Tempelanlagen, die ähnlich wie in Thailand konstruiert sind, aber doch regionale Besonderheiten aufweisen. Selbst für uns als Laien ist die kulturhistorische Wertigkeit erkennbar.

Zentrum der Altstadt ist der Berg Phousi, gegenüber dem Königspalast. Wer hofft, dort die beste Aussicht zu bekommen, muss sich allerdings damit abfinden, dass die Sicht hinunter auf die Altstadt eher eingeschränkt ist. Das bessere Panorama bietet der Berg auf der Rückseite, mit dem Blick ins Landesinnere. Trotzdem finden sich spätnachmittags Kohorten von Besuchern ein, die vom höchsten Punkt des Mount Phousi, am Fuße des Tempels Wat Chom Si, im Kollektiv nach Westen starrend, auf den Sonnenuntergang warten. Eine ähnliche Leidenschaft für die versinkende Sonne erinnern wir vom Nemrud in der Türkei. Auch dort, begleiten vorwiegend Besucher aus Asien den Sunset mit viel “ahhh” und “ohhh” und sogar kräftigem Applaus.

Jeden Abend wird auf der Haupttraverse, auch Tourist Road genannt, ein Nachtmarkt veranstaltet, mit viel Kunsthandwerk und Schnickschnack. Zur Straße mit dem Street Food, die ebenfalls jeden Abend aufgebaut wird, haben wir bereits im Blog berichtet.

Man wäre nicht in Luang Prabang, wenn das schon alles wäre. Als touristische Attraktion gilt inzwischen P1160655die morgendliche Prozession der Mönche aus den nahegelegenen Klöstern. Für unseren Geschmack ist der Hype um dieses Ereignis eher eine Fehlentwicklung. Der “Bettelgang” der Mönche, bei dem Gläubige Speisen in die Körbe der Orangegewandeten legen, wird geradezu pervertiert durch aufdringliche Touristen, die das Ereignis hautnah begleiten. Manchmal sind nur noch wenige Zentimeter Abstand zwischen Touristen-Kamera und Mönchen, die sich in ihrer stoischen Ruhe nicht anmerken lassen, wie sehr sie sich belästigt fühlen müssen.

Vieles hat Luang Prabang zu bieten, nicht alles aber macht den Aufenthalt für den normalen Reisenden angenehmer. Die Geschäftsleute der Stadt versuchen wohl, den Ort als ein asiatisches Saint Tropez zu vermarkten. Das Preisniveau von Waren und Service scheint jedenfalls nach oben kein Limit zu kennen. Anders ausgedrückt, es ist enorm schwer, nicht in die Preisfallen zu laufen. Manches, was anderswo unentgeltlich oder günstig angeboten wird, fällt in Luang Prabang deutlich aus dem Rahmen. Wenn der Klobesuch in einer Bretterbude fast doppelt so teuer ist, wie die Flasche Tafelwasser, die den Harndrang erst erzeugt hat, stimmt etwas nicht. Natürlich muss jeder selbst wissen, was er auf Reisen ausgeben kann und will. Hier heißt es halt, vorsichtiger sein und im Zweifel einige Nebenstraßen weiter suchen, wenn man etwas braucht.

Sei’s drum, wir haben uns die Laune nicht verderben lassen und tatsächlich noch einmal eine Mekong-Fahrt unternommen. Durchaus sehenswertes Ziel waren die buddhistischen Caves, etwa 25 km nördlich von Luang Prabang, aber auch das Whisky-Dorf, das auf dem Weg dorthin angesteuert wird. In der Verkostung schmeckte der Reisschnaps exzellent. Allerdings habe ich nur die Version ohne Einlagen probiert. Mir leuchtet nämlich immer noch nicht ein, was es Gutes bringen soll, Schlangen und giftige Insekten in Alkohol einzulegen, um dann den Sud zu trinken. Den Tieren gefällt’s wahrscheinlich noch weniger.

Lohnenswert ist natürlich auch der Ausflug zum Wasserfall Tad Kuang Xi. Etwa 30 km von Luang Prabang entfernt liegt das für unseren Geschmack wohl lohnendste Ausflugsziel, nämlich die Wasserfälle von Tad Kuang Xi. HIier ist einfach fantastisch. Er mag nicht zu den größten seiner Art gehören, sicher aber zu den schönsten. Das besondere an diesem Ort ist das Gesamtbild. Die Wasserfälle liegen in einem Regenwald, der bis auf die sauber angelegten Wanderwege aussieht, wie man sich so eine Landschaft idealerweise vorstellt.

Riesige Bäume, eine ungeheure Vielfalt von Pflanzen und eine offenbar intakte Tierwelt. Über kleine Felsen strömt das Wasser in Kaskaden in Pools, die wirken, als wären sie in der Südsee entworfen worden: kristallklares, blaugrünes Wasser, umgeben von Palmen und Urwaldflora. Man möchte hineinspringen und – ja, es ist erlaubt – in einigen der Becken darf gebadet werden. Viele Besucher wagen auch den Gang hinein ins eisige Blau und haben offenbar eine Menge Spaß am erfrischenden Bad.

Vor die Wahl gestellt, nur ein Ausflugsziel wählen zu dürfen, würden wir immer den Wasserfall vorziehen. Mehr zu den Tad Kuang Xi Fällen in einem besonderen Bericht im Blog.

Wollten wir ein Fazit unseres Aufenthaltes in Luang Prabang ziehen, würde es wohl lauten: Die Stadt hat viele Gesichter, der Besuch lohnt sehr. Auch wenn Luang Prabang dazu einlädt, sich treiben zu lassen, sollte man auch hier mit wachem Verstand unterwegs sein. Dann kann es wirklich Spaß machen.

Was uns unterwegs sonst noch auffiel und vor allem, wie wir auf dem Mekong hierher kamen.

Unser Tipp für Luang Prabang: Wir haben in der Villa Chitdara übernachtet!

Vang Vieng, Vientiane, Kong Lor, Thakhek, Pakse und ChampasakSi Phan Don / 4.000 Inseln