Cat Ba – Halong Bay

Gibt’s überhaupt Vietnam-Touristen, die nicht zur Halong Bucht fahren? Jeder, den wir unterwegs treffen, empfiehlt uns einen Besuch, verbunden mit Tipps, was man meiden und was man suchen sollte. Alle Ratschläge ausmendelnd entscheiden wir, direkt die Insel Cat Ba anzusteuern und planen als kleines Programm eine Bootstour, weil dort die Karstlandschaft im Meer stattfindet.1.969, die Zahl prägt sich gut ein, Kalkfelsen und schrundige Eilande ragen nach offizieller Zählung dort aus dem Blau. Die Angabe wird stimmen, schließlich ist die Bucht registriert als UNESCO Weltnaturerbe, was gleichbedeutend ist mit hohen Besucherzahlen. Wahrscheinlich haben aber schon viel mehr Menschen, als jemals selbst dort waren, die Landschaft von Halong schon vor Augen gehabt, ohne zu wissen, was sie da bestaunen. Die Bucht war ja Kulisse für einen filmischen Blockbuster, die Neuauflage von King Kong „Skull Island“. Wir werden uns den Film nach unserer Rückkehr anschauen, gespannt, was wir wiedererkennen.

Hinkommen ist denkbar einfach und preiswert, reist man von Hanoi an. Wir entscheiden uns für die geschmeidigste Variante, ein kombiniertes Bus-Fähr-Ticket, das jedes Hotel und jede Agentur günstig anbietet. Die 13$ pro Person sind fair kalkuliert. Weiterer Vorteil ist der Tür-zu-Tür-Service, mit Abholung aus dem Hotel und Absetzen direkt beim gebuchten Hotel.

Cat Ba ist die größte Insel in der Bucht, Wohnort immerhin von 12.000 Einwohnern, die meist irgendwie vom Meer leben, als Fischer oder Austernsammler oder sogar in sogenannten „floating villages“ direkt darauf wohnen. Wir sind im November auf dem Eiland und damit außerhalb der Saison, spürbar daran, dass recht gute Unterkünfte mit Meerblick sehr günstig zu bekommen sind. In der Hochsaison, insbesondere wenn Vietnams Schulen Ferien haben, schnellen Besucherzahlen und Bettenpreise auf Cat Ba dagegen gerne steil nach oben.

Der geniale Blick über die Bucht, den wir vom Balkon unseres Zimmers haben macht Lust auf mehr. Dazu spazieren wir an der Uferpromenade weiter, in Richtung zu den Stränden. Ein wunderschöner Weg, der uns mehrfach stoppen lässt, um Bilder einzufangen von der weiten Lagune, den auf Reede liegenden Schiffen und den schwimmenden Restaurants, die jetzt, am späten Nachmittag, bereits ihren Teil zur musikalischen Untermalung beisteuern.

Etwas enttäuschend ist, dass die beiden Strände 1 und 2 um Cat Ba City wegen des Baues von mega Hotelanlagen komplett gesperrt sind. Der Strand 3, zu dem wir gehen, ist angeschlossen an ein kommerzielles Ferienressort und darf ohne Eintritt genutzt werden. Lediglich Liegen und Schirme kosten Gebühr. Der kleine, aber feine und saubere Sandstrand ist auch gut geeignet, will man nur sein Handtuch ausrollen und ein paar sonnige Stunden genießen.

Für Cat Ba City reichen 2 Tage, lässt man Aktivitäten wie Trekking durch das Naturschutzgebiet oder kleinere Touren über die Insel aus. Die Restaurants entlang der Hafenpromenade sind schnell ausgetestet, auf uns wirken die Speisekarten allesamt recht ähnlich. Unterschiede gibt es allenfalls beim Ambiente. Ein Tipp ist das „Green Mango“, etwas teurer als andere Lokale, dafür aber mit Speisen, die nicht nach Nullachtfünfzehn schmecken.

Schwerpunkt ist natürlich die Idee, die Gewässer um die Insel zu erkunden, verträumte Buchten, abenteuerliche Grotten und die großartige Natur zu erleben. Dafür bieten sich mehrere Möglichkeiten an: Tagestouren oder mehrtägige Unternehmungen, mit Übernachtung auf See, die sich alle vor Ort gut buchen lassen. Von anderen Reisen erinnern wir, dass kleine Cruisings, die unterhalb der Kategorie Kreuzfahrt liegen, viel Spaß bringen, wenn alle Faktoren stimmen. Da wir nur einen Versuch, haben, der klappen muss, halten wir uns an einen Anbieter der beste Bewertungen aufweist: „Catbaventures“. Online reservieren ist sinnvoll. Wir buchen die 2-Tage-Tour mit einer Übernachtung, die pro Person 128 $ kostet, im Büro des Veranstalters auf der Insel. Enthalten ist alles, was wir brauchen: Transfer, Eintrittspreise, Vollverpflegung, ein kompetenter und sprachkundiger Guide, die Übernachtung sowie Paddelboote für Erkundungen im Kleinen.

Das Versprechen des Anbieters – übrigens kein leeres – nur Gruppen mit maximal 18 Teilnehmern loszuschicken, ist Voraussetzung für gutes Gelingen. Überfüllte Boote sind nicht nur eine Spaßbremse, sondern auch ein Risiko bei unerwarteten Wetterumschwüngen.

Das Programm startet fast pünktlich mit der kurzen Busfahrt zum Hafen Ben Beo. Erste Gelegenheit, den Guide zu checken und Mitfahrer zu beäugen. Das sollte passen. Bei 18 Leuten muss sich nicht jeder mit allen verbrüdern. Mit einigen unterhält man sich intensiver und die anderen respektiert man eben. So gesehen ist auch das Miteinander in der Gruppe die nächsten Tage locker entspannt bis angenehm freundlich.

Bis zum Ablegen finden alle einen Platz und der Kahn, in dem wir jetzt sitzen, wirkt solide. Aber wie soll man hier übernachten? Gibt’s Toiletten, wo können wir uns umziehen, wer unternimmt etwas gegen den bewölkten Himmel und kann man unterwegs seekrank werden? Einige Antworten gibt’s umgehend vom Guide, der übrigens einen guten Job macht. Der Rest klärt sich später. Vor allem der Himmel über der Bucht, denn irgendwann bricht die Sonne durch.

Zügig gleiten wir in die Karst- und Wasserwelt der Lan Ha Bucht an der Ostseite der Insel. Zuerst passieren wir ein großes, schwimmendes Dorf, in dem über 1.000 Menschen leben. Alles dort spielt sich auf dem Wasser ab. Es gibt Märkte, Garküchen und sogar Landwirtschaft mit Gemüseanbau und Schweinezucht. Haupteinnahmequelle ist neben dem Fischfang die Perlenzucht. Weiter geht’s vorbei an seltsam aufgetakelten Schiffen mit Aufbauten, in die hunderte Scheinwerfer montiert sind, Vorrichtungen zum nächtlichen „Ernten“ des Fanges aus dem Meer.

Es braucht keinen langen Vorlauf, schnell erreicht unser Boot die karstigen Felsen, die mit viel Grün bewachsen überall aus dem Wasser ragen. Atmosphärisch fühlen wir uns in eine fremde Welt versetzt. Wenn jetzt die Hand Kongs hinter einer Erhebung auftauchte, niemand wäre wirklich überrascht, viel verwunderlicher ist, dass er sich nicht blicken lässt.

Der erste Stopp ist eine Hommage an die Badelustigen unserer Gruppe. Die Außentemperatur spricht eigentlich gegen den Sprung ins Nass. Tatsächlich darf man sich nicht täuschen lassen, das Meer ist wärmer als die Luft. Das eigentliche Problem entsteht erst beim Heraussteigen: Fröstelattacken mit Gänsehaut. Nass bleibt niemand, Handtücher gibt’s an Bord und auch Speis‘ und Trank‘ zur Halbzeit des ersten Tages: Vietnamesische Küche, vielfältig, bunt, Fisch & Co, Fleisch, Gemüse und Obst und das gar nicht mal schlecht. Der Veranstalter legt Wert darauf, uns gut zu verpflegen.

Die Tour führt an beiden Tagen nicht nur in märchenhaft anmutende Buchten, sondern auch in Bereiche, die normale Schiffen nicht anfahren können. Dazu steigen wir um in Kajaks, kleine und wendige Vollplastikgefährte, die unsinkbar scheinen und das Zeug haben, Muskeln, die sonst kaum beansprucht werden, arg in die Pflicht zu nehmen. Die Schifflein sind flach genug, Höhlen in den Karstfelsen zu durchfahren. Einige dieser Grotten sind nur bei Niedrigwasser zugänglich und winden sich bis zu 300 Meter durch den Fels. Im Inneren kann es stockfinster sein und wir brauchen Stirnlampen, den Weg zu finden. Einmal durch, tun sich wunderbare natürliche Kessel auf, mit kristallklarem Meerwasser, umrahmt von schroffem Gestein und üppigen Pflanzen. Still ist es da drin und friedlich. Das zu erleben ist schon jeden Cent wert, den es kostet, hierher zu finden.

Die perfekte Ergänzung zum tiefblauen Meer sind und bleiben weiße Sandstrände. Auch die finden sich in der Halong Bucht und natürlich gehören sie zum Programm unserer Tour. Einige Stellen, traumhaft schön, passieren wir; andere, ebenfalls traumhaft schön, können vom Boot direkt angeschwommen werden. Gelegenheit für Schwimmausflüge – mit oder ohne Schnorchel – bieten sich mehrmals. Da unser Veranstalter ein fürsorglicher ist, gibt es die Ausrüstung auf dem Schiff, ohne dass noch Leihgebühren fällig werden. Dabei steht an erster Stelle, dass keiner gezwungen ist, aktiv zu werden, wer nur faulenzen und entspannen will ist gleichermaßen gut bedient, wie die Sportler der Gruppe.

Zufall oder Nebeneffekt, weil wir gerade außerhalb der Hochsaison in der Halong Bucht sind? Uns fällt auf, dass wir unterwegs nur wenig andere Schiffe und Gruppen treffen, man kommt sich heute gegenseitig kaum ins Gehege. Ob hier vielleicht zu anderen Zeiten hunderte oder tausende Besucher zugleich herumschippern, möchten wir uns in diesem Moment nicht vorstellen. Zu einem märchenhaften Urlaub gehört eben manchmal die Illusion eines „und wenn sie nicht verschwunden ist, dann gibt es diese paradiesische Umgebung immer noch.“

Am späten Nachmittag des ersten Tages erreichen und entern wir das Schiff, auf dem wir übernachten und den zweiten Teil der Tour erleben sollen. Es ist groß, elegant, ein wenig altmodisch und damit zur Umgebung passend. Wir sind froh, nicht auf einem jener hypermodernen Schnellboote zu landen, wie sie hier auch schon aufgetaucht sind. Für uns die große Überraschung sind die Kabinen. Echt, wir haben uns vorher keine Bilder angeschaut und nun stehen wir in einer Kajüte, größer als manches Hotelzimmer, das wir bisher hatten, mit luxuriösem Marmorbad, AC und Mobiliar aus edlen Hölzern. Sogar Wifi gibt es auf See. Nicht, dass wir uns deplatziert fühlen, vielleicht etwas underdressed, aber der Kapitän trägt auch nur ausgefranste Shorts. Und gleich vorweg: Nein zu Kreufahrtfans werden wir nicht mutieren. Das hier bleibt die absolute Ausnahme.

Wer vorhat, Halong Bay zu besuchen, sollte sich wenigstens die zweitägige Tour gönnen. Die Landschaften hier sind so grandios, dass man sich überhaupt nicht sattsehen mag. Da werden selbst Leute wie wir, die eigentlich wenig mit Kreuzfahrten anfangen können, zu absoluten Fans. Ein Höhepunkt für den wir besonders dankbar sind, ist das Miterleben der aufgehenden Sonne, wenn sie langsam die einsame Bucht zum Leuchten bringt.

Unser Trip durch die Karstberge im Meer endet am Nachmittag des zweiten Tages kurz vor 15.00 Uhr, gerade rechtzeitig für diejenigen, die noch am gleichen Tag mit dem Bus weiterfahren. Wir bleiben noch eine Nacht in Cat Ba, um unsere Reise am nächsten Morgen fortzusetzen und treffen uns zum Abendessen mit einigen unserer Mitfahrer. Fröhlich wird’s und so eine Nachlese macht immer Spaß, auch das ein Grund, Cat Ba und die Halong Bucht in bester Erinnerung zu behalten.

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