Li River Cruise

Der „Li Jiang“, in allen Karten und Reiseführern auch als „River Li“ zu finden, ist vor allem berühmt durch die Landschaften, durch die er fließt. Sie, nämlich die Karstregion bei Guilin, gehören zu den schönsten, die unser Globus zu bieten hat. Über 400 km lang ist dieser Fluss, der in den Mao‘er Bergen entspringt, bevor er in den Gui Jiang mündet. Dazwischen berührt er die Städte Guilin und Yangshuo. Eigentlich eine ideale Route für eine Flussfahrt. Dieser Gedanke stammt natürlich nicht von uns, sondern von den Einwohnern der Provinz Guangxi. Flussschifffahrt gibt es hier ja schon, seit der Mensch gelernt hat, etwas ins Wasser zu werfen und sich drauf zu setzen. Wir stoßen auf diese Route bereits bei Planung unserer Chinareise und kontaktieren dazu unser Hostel in Guilin. Klar, so die Antwort, man würde gerne für uns vor Ort die Tour buchen, auch mit der von uns gewünschten Besonderheit, nämlich in Yangshuo auszuchecken und nicht die im Preis beinhaltete Rückfahrt per Bus zu nutzen. Wir reservieren die Tour, die umgerechnet pro Person etwa 50 € kostet.

Tatsächlich holt uns der Tourveranstalter am Morgen pünktlich kurz vor 8:00 Uhr ab. Zusammen mit anderen Passagieren, die aus verschiedenen Hotels aufgelesen werden, fahren wir zunächst einige Kilometer nach Süden aus Guilin heraus zum Sammelpunkt, wo alle Fähren Passagiere aufnehmen. Das wirkt alles sehr perfekt und wird routiniert abgespult. Unsere erste Befürchtung, nolens volens Teilnehmer einer Art Butterfahrt geworden zu sein, stimmt nicht. Obwohl als Gruppenreise organisiert, geht jeder bald seine eigenen Wege; die Führung endet quasi mit Betreten des Schiffes.

Sauber, stabil und einladend wirkt das Fährschiff. Zu diesem Eindruck trägt die Crew an Bord bei, alle adrett, in bügelfrischen Uniformen. Das Boot ist komfortabel eingerichtet im Chinabarock, also mit weichen, wuchtigen Sitzen, peinlich sauberen Tischen, auf denen Kannen mit dampfenden Tee stehen, der die ganze Fahrt über nachgefüllt wird.

Auf dem Schiff, das auch ein Aussichtsdeck hat, dürfen wir uns frei bewegen, das ist wichtig weil uns malerische Aussichten erwarten, die wir aus allen Blickwinkeln fotografieren. Leider ist das Wetter suboptimal, wir hätten uns andere Bedingungen gewünscht als Dauerregen und kalten Wind. Aber selbst dieses Wetter schafft es nicht, uns den Spaß an der Fahrt zu nehmen.

Jede Minute, jeder Meter auf dem River Li bringt neue Landschaftsbilder hervor. Beide Ufer des River sind üppig bewachsen, dahinter ragen die Karstformationen auf. Skurril, erstaunlich, fantastisch. Der Fluss schimmert in kristallklarem Grün, lässt Stress und Hektik vergessen und das, obwohl der Verkehr auf dem Wasser recht rege ist. Flöße sind unterwegs und in beide Richtungen tuckern die gemächlichen Fährschiffe, aufgereiht wie die Perlen an einer Kette.

Eine junge Frau, Mitglied der Crew, erklärt ab und an, wo wir gerade sind. Da unser Chinesisch noch schlechter ist als ihr Englisch, also wenig Informationen bei uns ankommen, versuchen wir, uns über die Online-Landkarte zu orientieren. Einige Namen bleiben hängen, etwa die Stelle, die nach der 20-Yuan Banknote benannt ist, weil dieses Landschaftsbild die Rückseite ebendieses Geldscheines ziert, oder der steile Felsen mit dem Nine Horses Fresco. Einen Tag später werden wir wieder hier sein, um den Blick vom Ufer einzufangen. Und natürlich besuchen wir auch die berühmte Flussbiegung am Xiangong Hill, dazu schreiben wir ausführlich auf unserer Seite zu Yangshuo.

Gut 4 Stunden dauert die Fahrt und um die Mittagszeit wird warmes Essen serviert. Richtig, es gibt chinesische Küche und zwar nicht die schlechteste. Die Fahrt ist trotz des schlechten Wetters, oder vielleicht gerade deswegen, unvergesslich und sehr empfehlenswert!

Nach ungezählten Flussschleifen und unendlich vielen Karstbergen erreichen wir Yangshuo. Der Regen strömt zwar immer noch, aber das vergessen wir bald in unserem Hotel, das passend zu unserer Fahrt, am Ufer des Li Jiang liegt. Flussblick inbegriffen.

 

 

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