Totengrund

Der Kalender sagt: Sommer ist vorbei, es wird Herbst. Der Wetterbericht sagt: Bleibt zuhause, es wird ungemütlich. Der Blick morgens aus dem Fenster sagt: Nichts wie los, heute können wir das Lila noch erleben, bevor es ermattet und die unaufregende Zeit des Vorwinters beginnt.

Wir wollen zum Totengrund. Den kennen wir von verschiedenen Ausflügen und wissen, dass ein perfekter Ort auf uns wartet. Egal, wie das Wetter ist, egal, welche Jahreszeit wir gerade haben, egal, ob bei Sonnenauf- oder -untergang oder einfach nur mitten am Tag, hier erleben wir ein besonderes Stück Natur. Das Tal hat übrigens auch eine besondere Bedeutung; wurde hier doch vor über 100 Jahren der Grundstock für das Naturschutzgebiet der Lüneburger Heide gelegt.

Unser bevorzugter Weg zum Totengrund startet am Parkplatz Sellhorner Weg, beim FriedWald Bispingen-Behringen. Etwa 3 km sind es von dort zum Aussichtspunkt, zu Fuß gerade mal 45 Min. Das ist mehr ein Spaziergang, als eine handfeste Wanderung, aber nicht weniger belebend. Weil es natürlich nicht über kalten Asphalt, sondern über Wald- und Sandwege geht, sind gute Schuhe angesagt. Wer nicht vorhat, lange zu rasten, geht mit kleinem Gepäck los. Etwas zu trinken in der Tasche genügt, ohne Rucksack sind wir noch leichtfüßiger als sonst.

Schnurgeradeaus führt der breite Weg durch Wald. Prächtiges Grün links und rechts, unsere Lungen saugen das Ozon förmlich auf. Du fühlst Dich automatisch gesund, sogar dort, wo dezente Grabstellen unter hohen Bäumen den FriedWald ankündigen.

Wir kommen gut voran, folgen den Wegschildern. Obwohl wir die Strecke inzwischen im Schlaf wandern könnten, natürlich mit offenen Augen, es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Etwa das riesige, schmucklose Kreuz im Schatten der Bäume, kurz hinter der Weggabelung, das uns bisher nie aufgefallen war.

Der Wechsel der Jahreszeit liegt in der Luft. Die Farben des Sommers verabschieden sich bereits, aber der Herbst ist ja alles andere als langweilig. Viele Pilze entdecken wir an unserer Strecke, farbige Tupfer in weiß, grau und allen Nuancen von Braun. Und weil es so ein idealer Tag ist, finden wir auf unsere kleinen Tour später sogar noch die roten Glücksbringer mit den hellen Punkten, Fliegenpilze.

Nach knapp 2 km mündet der Weg in die Heidelandschaft. Über kleine sanfte Hügel nähern wir uns der Senke, die man den Totengrund nennt.

Weil es auf seinem Grund kein Wasser gibt, was für die landwirtschaftliche Nutzung so wichtig wäre, hat man das Tal so genannt. Auch wenn diese Erklärung nüchtern wirkt, der Ort selbst büßt damit nichts von seiner Magie ein. Die spürt eigentlich jeder, der auf dem Aussichtshügel ankommt. Hier muss man einfach anhalten. Jeder, egal ob Fußgänger oder Radfahrer, nimmt sich die Zeit den Ausblick zu genießen, blickt hinab über immergrüne Sträucher, über Heidegewächse, die zu Zeiten lila sind oder zu anderen Zeiten ins bräunliche spielen. Und zum Gesamtbild gehören Himmel und Horizont über dem Tal immer mit dazu.

Wir kennen die Stunden des Sonnenaufgangs, mit den Nebelschwaden, die alles verhüllen wie in einem Märchenwald. Auch die pralle Mittagszeit, die Nachmittage, wo das Licht milder wird und die Stimmungen, wenn der Abend anbricht. Du kannst eigentlich gar nichts falsch machen, hier am Totengrund, wenn Du dich auf den Ort einlässt.

Unser Begleitwetter ist besser als prognostiziert. Blauer Himmel zwischen den Wolken, Sonne, obwohl die Wetterfrösche gewarnt haben, es gäbe nur Schatten und Schattierungen. Wir nutzen die Gelegenheit und verlängern spontan unseren Rückweg, indem wir den nach Hermann Löns benannten Rundweg mit einbeziehen, der an der Oberkante des Tales verläuft. Schöne Perspektiven bieten sich von hier und wer genügend Zeit mitbringt, wird gerne auf einer der Bänke rasten, alle mit wunderschöner Aussicht.

Knapp 2 Kilometer brauchen wir, um wieder zu unserem Ausgangspunkt zu kommen, den Eingang zum Wald. Den Regen, der jetzt doch noch einsetzt vergessen wir bald, denn die Sonne hat noch nicht aufgegeben und kämpft sich nach jedem kurzen Schauer zurück. Ein gelungener Ausflug zum Totengrund, der uns heute nicht mit leeren Händen zurückschickt: Wir haben Maronen gefunden, genug für eine leckere Mahlzeit.

Diese Seiten könnten Euch auch noch interessieren:

Rund um den Wilseder Berg  –  Behringer Heide  –  Zurück in der Heide  –  Zum Wümmequelltal  –  Zum Töps  –  Bispingen  –  Weseler Heide/Pastorenteiche   Pietzmoor   Jagd nach dem Lila  –  Büsenbachtal 

3 Gedanken zu „Totengrund

  1. Wunderschöner Bericht und wunderbar passende Fotos. Macht große Lust, selbst einmal dort auf Entdeckungstour zu gehen. Dankeschön 🙂

  2. Wunderschöne frühherbstliche Stimmung! Ich traue mich meistens nicht die Pilze mitzunehmen, da ich nur ein paar wenige sicher bestimmen kann. Na, zumindest Fliegenpilze erkenne ich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.