Panaji / Old Goa

Panaji (Panjim)

Wer den Fehler macht, in Indien erst ein Stranddorf und danach die nächst gelegene Stadt zu besuchen, erlebt in aller Regel zunächst einmal das, was ein Psychologe als leichte Depression attestieren würde. Das gilt selbst dann, wenn die Stadt Panaji heißt und die Hauptstadt des Bundesstaates Goa ist. Nach indischen Verhältnissen ist Panaji gerade mal ein Dorf, mit schlapp 150.000 Einwohnern. Aber beim zweiten Hinschauen ändert sich der Eindruck. Tatsächlich scheint hier in den letzten Jahrzehnten seit der Eingemeindung Goas im Jahr 1961 ein erfrischender Mix gewachsen zu sein, der sehr treffend vermittelt, was Multikulti sein kann.

Die architektonische Substanz der Stadt ist eindeutig europäisch portugiesisch geprägt, besonders die Altstadt mit seinen verwinkelten Gässchen. Häuser, geschmückt und verziert, mit Balkonen, Giebeln, bunt bemalt. Dazwischen mehr Kirchen als Tempel oder Moscheen. Es lohnt zu bummeln und die Stadt zu Fuß zu erkunden. Ja, das funktioniert sogar fast stressfrei, da das übliche Verkehrsgewimmel indischer Städte hier noch nicht angekommen ist und hoffentlich nie hierher finden wird.

Im Viertel Fontainhas, in dem wir unser Hostel haben, finden sich zahlreiche Gebäude im portugiesischen Kolonialstil. Darunter die strahlend weiße Kirche Our Lady of Immaculate Conception, die zudem nachts noch wunderschön angestrahlt wird. Alles wirkt sehr typisch altmodisch, ein wenig romantisch und sogar morbid. Die Namen an den Häusern lassen die koloniale Vergangenheit plastisch werden. Vieles ist im Verfall, aber es scheint heftig gentrifiziert zu werden. Die meisterlich restaurierten Gebäude lassen ahnen, wie es einmal hier war und wie es wahrscheinlich in einigen Jahren wieder sein wird. Dann aber sicher zu prächtigen Preisen.

Was auf jeden Fall auch lohnt, ist ein Bummel zum städtischen Market, eine große Markthalle, prall gefüllt mit Obstständen und Gemüse, direkt von den Erzeugern. Um die Halle herum wimmelt es von Geschäften aller Art. Auch von Spirituosenläden, wo neben den bekannten Produkten wie Wein, Whisky, Cognac westlicher Provenienz auch die einheimischen Spezialitäten, die Fenny-Brände, angeboten werden. Erinnern wir uns, Fenny ist der Brand aus dem Cashewapfel. Wir kennen meist nur den Kern dieses Apfels, die Cashew“Nuss“, die keine Nuss sondern ein Kern ist. Alle Produkte sind äußerst preiswert. Gleichwohl haben wir keine torkelnden und lallenden Alkoholzombies gesehen, was die These bestätigt, dass die Freigabe von Drogen nicht unbedingt zu mehr Abhängigen führt, als eine staatliche Prohibition.

Panaji erinnert mit seinen Uferpromenaden entlang des gewaltigen Mandovi-Flusses ein wenig an den Bosporus in Istanbul. Hier wie dort liegen prächtige Villen direkt am Wasser und kreuzen Fähren. Wahrscheinlich prägt so ein Umgebung auch die Menschen, die eher gelassen als getrieben auf uns wirken. Hier bist du Mensch, hier darfst Du’s sein. Und um es abzurunden, zu dem was Goa von seinen Nachbarbundesstaaten abhebt gehört natürlich auch die Küche. Ich sage nur, so ein Goa-Schwein hat schon was!

Aber, Spieglein – Spieglein an der Wand, welche Stadt hat wohl die meisten Kirchen in Goaland? Selbstredend ist das Old Goa.

Old Goa

Das alte Goa soll früher einmal mehr Einwohner gehabt haben als das zeitgenössische London oder Lissabon. Heute ist die Stadt verlassen, wird langsam vom Urwald zurückerobert und wirkt wie eine Art Disneyland herrlicher Kathedralen und Kirchen aus portugiesischer Zeit.

Tatsächlich müsste man anderswo viele Städte bereisen, um so viele, eindrucksvolle Sakralbauten des Katholizismus zu finden, wie hier auf einem Fleck sind. Die meisten dieser Kirchen sind mehrere hundert Jahre alt, gleichwohl aber prächtig erhalten und auch für den Ungläubigen besichtigungswert.

Erbaut in einer Zeit, wo ohne den Segen der Kirche gar nichts ging, wird deutlich, was die Botschaft damals war: Unser Gott ist mächtiger als eure Götter, ihr mögt zwar derer über 300 Millionen haben, aber wir bieten für jede Situation einen Schutzheiligen und unsere Tempel nehmen es mit euren locker auf! Die Missionierung war in Indien sicher schwieriger als in Südamerika, gab es doch massive Konkurrenz vor Ort, den Hinduismus, Buddhismus und auch den Islam. Trotzdem, wer unter dem Schutz der Portugiesen lebte, hatte gefälligst deren Religion anzunehmen. Für Zweifler an der Macht der Kirche hatte die heilige Inquisition allemal die richtige Antwort (ja, Heidentum kann ganz schön schmerzhaft sein).

Geblieben ist Gottlob nur die Bausubstanz, eindrucksvolle Kirchen, Kathedralen, Klöster, die sich an Vorbildern wie dem Petersdom orientierten. Sogar ein Bischofssitz, der deutlich macht, unser Tebartz ist nur ein kleines Lichtlein, angesichts der materiellen Pracht und dem weltlichen Pomp, den so ein Portugiesenbischof sich damals schon leisten konnte.

Glaube hin, Unglaube her, den Touristen stören die damaligen Verhältnisse eher wenig, auch wir haben uns am Anblick ergötzt und unseren Rundgang genossen. Übrigens, ganz atypisch für Indien, ohne Eintrittsgeld. Darauf wird großzügig verzichtet und das ist gut so.

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Panjim/Old Goa: Wir haben im Welcome Heritage Panjim Inn übernachtet!

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