Naxos-City (Chora)

Es ist Sommer, es ist heiß und es ist Hochsaison. In den Ländern Südosteuropas lässt sich diese Jahreszeit am besten in Küstennähe verbringen. Also nichts wie raus aus den Städten und ihren eher beengenden Bekleidungsregeln. Wir wählen als Zuflucht Naxos, eine Kykladeninsel, die wir einfach vom Festland erreichen können. Warum entscheiden wir uns ausgerechnet für dieses und nicht irgendein anders Eiland? Naxos ist die größte Kykladeninsel und bietet, so heißt es Vielfalt, Abwechslung und für jeden Urlaubertypus etwas. Als Individualreisenden ist uns das besonders wichtig. Nicht auszudenken, was wir in einer Umgebung – befüllt mit All-Inclusive Resorts – tun sollten, außer Fluchtpläne schmieden.

Die Überfahrt mit der Fähre vom Hafen Piräus lässt sich vor Ort und kurzfristig organisieren. Es heißt, Engpässe seien möglich, beim Ticketverkauf, aber davon bemerken wir nichts. Nach guten 5 Stunden Überfahrt erreichen wir Naxos.

Die riesige Fähre speit uns, zusammen mit einigen hundert Mitreisenden, an der Hafenmole aus. Routine für alle, die das täglich erleben, für uns aber ist so eine Ankunft immer ein berührender Moment. Schon beim Anlegen gefällt uns das Stadtbild: Hinter einer flachgehaltenen Kulisse aus bunten Restaurants, Geschäften und Reisebüros ragen über mehrere Etagen weiße kubische Bauten in den Hügel hinein, dazwischen Kirchen und eine alte Burg. In den nächsten Tagen werden wir die kleinen Straßen in diesem Viertel näher entdecken.

Wer noch keine Unterkunft hat, kann jetzt noch bei den Koberern am Hafen, die den Neuankömmlingen ihre Werbeschilder entgegenstrecken, buchen. Wir haben bereits vorgesorgt und finden nach einem Snack in einem Hafenbistro mühelos den Weg zu unserem Apartment. Erste Lektion, aber die gilt universell, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis findest Du nur selten in der ersten Reihe.

Wir haben für einige Tage ein Zimmer im Zas-Studio gemietet. Hafen-, zentrums- und strandnah, schmuck und ansprechend eingerichtet, mit Bad, kleiner Küchenzeile und Balkon. Dort fühlen wir uns ausgesprochen wohl, können die Tage mit unserem individuellen Frühstück starten, bei frischem Brot vom Bäcker in Fußweite.

Die Stadt erkunden wir in den nächsten Tagen, wobei sich der Stadtplan aus dem Reiseführer bald als überflüssig erweist. Beginnend an der Hafenpromenade kennen wir bald alle für Reisende relevanten Anlaufpunkte: Die Cafés, Tavernen, die Kooperative, wo wir regionale Spezialitäten finden, die Bankautomaten, die Reisebüros, wo wir Fährtickets bekommen, die Busstation am nördlichen Ende, wo man Tickets für die lokalen Busse besorgt.

Noch interessanter wird es, geht man hinein in die Nebenstraßen. Ein auf den ersten Blick verwirrendes Viertel aus kleinen Gässlein und Treppen, in dem man sich verlaufen kann. Hier finden sich die schönsten Läden und Boutiquen und gemütlichen Restaurants, aus denen die verlockendsten Aromen herüber ziehen. Blitzblank sind die Wege, alles ungeheuer bunt und liebevoll dekoriert.

Es macht einfach Spaß, sich durch die malerischen Gassen treiben zu lassen, die Auslagen zu genießen, dieses oder das zu kaufen, oder einfach nur die liebevoll gestaltete Umgebung anzuschauen. Nicht weit von hier findet man auch die Mitropolis, die orthodoxe Kathedrale der Stadt, deren Besuch man nicht auslassen sollte.

Empfehlenswert ist, von hier aus den Einstieg in den „Alten Markt“ zu suchen, der nahe des nördlichen Endes der Promenade beginnt. Ein aufgestelltes Schild auf der Promenade weist den Weg. Gemütlich ist es hier, genau so, wie wir uns die Altstadt auf einer Kykladeninsel vorgestellt haben. Geht man weiter, hinauf in den oberen Bereich und folgt den Hinweisschildern zum Castello, landet man bald im Museumsbereich der alten venetianischen Burg. Der Eintritt ist übrigens frei, wie bei den meisten antiken Sehenswürdigkeiten auf der Insel.

Von hier oben hat man einen tollen Ausblick über Naxos-City, den Hafen, das Meer sowie die hohen Berge im Inselinneren. Unbedingt sollte man das neben der Burg liegende Terrassencafé 1793 besuchen, das zu einer kreativen Pause bei leckerstem Kuchen einlädt.

Wohl niemand, der die Insel besucht, wird das 2.500 Jahre alte Wahrzeichen „Portara von Naxos“ übersehen, Fragment des Apollon Tempels, auf der kleinen Halbinsel Palatia, nördlich des Hafens. Es wirkt irgendwie surreal, dieses riesige Fenster in der Landschaft, mit Blick aufs Meer, eine mystische Pforte der Wahrnehmung, die zum Sonnenuntergang von Jung und Alt belagert wird.

Der Mensch in Griechenland erfährt seine höchste Vollendung durch Speis‘ und Trank‘ möchte man meinen, angesichts der ungezählten Restaurants, die sich über die gesamt Stadt verteilen. Uns zieht es zu den eher volkstümlichen Lokalitäten, die für eine Küche wie bei Muttern stehen. Die finden wir bei Maro, einer Taverne im Familienbetrieb, nahe beim Protodikeiou Platz. Und wie das so ist, Gutes soll man nicht verändern; wir finden hier jeden Abend leckerste Gerichte, die keinen Wunsch offenlassen. Übrigens auch Kartoffeln, die auf Naxos die besten in ganz Griechenland sein sollen. Inklusive Getränke landen wir für 2 Personen meist bei einer Rechnung um die 20€.

Stadtleben ist das eine, das andere was uns lockt, sind Strand und Meer. Keine 5 Minuten Fußweg brauchen wir bis zum Agios Georgios Strand, der Naxos-City am nächsten liegt. Die ersten gewerblichen Strandbetreiber, eine Tauch- und Surfschule sind hier bereits seit mehr als 40 Jahren. Würde man uns nach einer Bewertung fragen, gäben wir spontan 3,5 Punkte auf einer Skala von 5.

Der Strand hat zwar eine gute Infrastruktur mit Bars und Lokalen, allerdings ist der Bereich mit Sonnenschirmen und Liegen zu überfüllt. Schlecht ist, dass Schirme nur ganztägig mietbar sind. 8 € für 1,5 Stunden sind überzogen und die schätzungsweise zweieinhalb Quadratmeter Platz pro Schirm empfinden wir als zu beengend. Das Meer ist hier sauber, die Dünung flach, für Familien ist der Strand sicher gut geeignet. Wir ziehen es allerdings vor, unser Handtuch am südlichen Ende, außerhalb des bewirtschafteten Teils auszubreiten. Hier sind weniger Badegäste, das Meer ist aber genauso attraktiv.

Wir besuchen weitere Strände, die am besten per Bus erreicht werden. Tickets kauft man im Busbüro am Ende der Strandpromenade in Naxos-City, am besten gleich für Hin- und Rückfahrt. Das kostet bis zu den Stränden Agios Prokopios und Agia Anna pro Fahrt und pro Person 1,80€; die Fahrt im Bus dauert ungefähr eine halbe Stunde.

Hochgelobt sind diese Strände, wir sind weniger überzeugt. Auch hier herrscht wie am St. Georg Strand eher Überfüllung. 1 Schirm plus 2 Liegen kosten zwischen 7 – 8 € am Tag. Damit ließe sich zu Not leben, problematisch ist das strikte Verbot, mitgebrachte Snacks und Getränke zu verzehren. Die Regel scheint- auf Nachfrage beim Personal – festgemauert wie Beton. Wie sehr, wollten wir nicht austesten, wer hat schon Lust, einen Strandbesuch mit Streitigkeiten anzureichern. Unsere Bewertung verzeichnet hier nur 3 Punkte.

Viel mehr als diese Strände gefällt uns Plaka Beach. Etwas weiter südlich, erreichbar mit Bus für 2 € pro Person. Dieser Strand ist länger, das Publikum hat mehr Platz, sich zu verteilen. Dünen, wie wir sie von der Nord- und Ostsee her kennen und viel Sandstrand säumen das kristallklare Meer. Kein Witz sondern Fakt: Den besten Platz finden wir in der kleinen Kolonie der FKK Anhänger. Hier sind die Abstände zwischen den Schirmen reichlich bemessen, kein Problem tut sich auf wegen Verzehrverboten und niemand moniert, wenn man selbst nicht zum Nacktbader wird. Auf unserer Skala verdient der Plaka Strand 4,5 – 5 Punkte.

Naxos-City überzeugt uns. Ja, es gibt auch hier viele Hotelanlagen, aber nicht auffällig und dominierend, sondern gut integriert ins Stadtbild. Die Mischung aus Kultur, Urlaubsangebot und Lebensfreude ist angenehm und macht Lust auf mehr. Das wollen wir bei den Touren in den Süden und Norden der Insel vertiefen.

Wie wir hierher gekommen sind, könnt Ihr hier lesen.

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