Kochi

Skeptisch waren wir, bevor wir nach Kochi kamen, weil auch einige negative Berichte anderer Reisender uns in unserer Euphorie gebremst hatten. Jetzt, selbst vor Ort, ist unser Eindruck, dass Kochi zu den schönsten und entspanntesten Städten Indiens rechnet, und wir haben ja schon einiges gesehen.

Kochi wirkt kleinstädtisch und kosmopolitisch zugleich. Die Abwesenheit des Dauerhupens, welches bei den meisten anderen Städten in diesem Lande als akustische Festinstallation ein integraler Bestandteils urbaner Kultur zu sein scheint, fällt zuerst auf. Nach wie vor prägt der portugiesische Kolonialstil das Stadtbild, also kleinere, südeuropäisch anmutende Gebäude, Gärten, Kirchen, alles eher aufgeräumt anstatt indisches Chaos.

Vom Standort Fort Cochin lohnt ein Gang zur St. Francis Church. Witzig zu sehen, wie einheimische Touristen, Frauen im Sari und ihre Männer, katholische Kirchen mit der gleichen Neugierde besichtigen, wie wir Tempel und andere Heiligtümer. Alles wirkt entspannt und freundlich. Die Menschen in Kerala scheinen genetisch mit einer Gabe zum Lächeln geboren zu sein, die sie das ganze Leben begleitet.

Altes trifft hier übergangslos auf Neues, der Geist Vasco da Gamas auf das digitalisierte Zeitalter und alles scheint zu passen. Es gibt sie noch, die Fischer, die brusttief in den Wellen stehen und ihre Netze auswerfen, oder die gewaltigen chinesischen Netze, die über einen archaisch anmutenden Mechanismus ins Meer gelassen und wieder heraus gehoben werden.

Der Fang wird direkt an der Uferpromenade angeboten und wer will, kann sich den Fisch seiner Wahl in einem kleinen Restaurant zubereiten lassen. Natürlich wollten wir!

Wie es funktioniert? Ganz einfach: Gast geht zum Fischhändler seines Vertrauens und wählt Fisch und anderes Getier aus dem Meer. Gast bezahlt und der Fisch und anderes Getier werden einem der Restaurants übergeben, die rund um den Anlieger zu finden sind. Gast beauftragt einen Koch seines Vertrauens mit der Zubereitung und ordert die Beilagen. Serviert vom Kellner des Vertrauens wird ein Schuh draus und eine perfekte Mahlzeit.

Die Orientierung in Kochi wird dem Besucher leicht gemacht; fast alle Sehenswürdigkeiten sind ausgeschildert, lesbar und sogar mit Entfernungsangaben versehen (fast zu einfach!). Die große Runde führt von den Stränden der Fischer durch ein Handelsviertel mit vielen Kontoren und Läden mit Kunsthandwerk ins jüdische Viertel. Auch dort Läden und Restaurants im Koloniallook. Wer Lust dazu hat, kommt schnell mit den Einheimischen ins Gespräch, die einem gerne mit Ratschlägen und Tipps weiterhelfen. „Steht früh auf und setzt mit der Fähre über nach Ernakulam, wenn ihr weiter wollt nach Munnar“ riet uns ein Ladenbesitzer, „der Weg dorthin bietet tolle Aussichten.“ Machen wir und natürlich werden wir auch den Erfrischungsdrink nachbauen, den wir dort getrunken haben: Ingwer-Zitronen-Honig-Sprudel mit Minzblättern. Köstlich!

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Kochi: Wir haben im Fort Muziris Hotel mitten in der Altstadt übernachtet!