Die östliche Wüste

Dort, wo auf der Landkarte Jordaniens die Grenze wie mit dem Lineal gesetzt wirkt, wo es nicht weit nach Syrien, dem Iraq und Saudi Arabien ist, liegt die östliche Wüste. Tatsächlich ist der Grenzverlauf am grünen Tisch mit einem Lineal ermittelt worden, aber das ist eine andere Geschichte, die uns heute noch Sorgen macht und bei den Nachbarn Jordaniens schon Kriege ausgelöst hat.

In der Vergangenheit, als die Region weltpolitisch etwas weniger Bedeutung hatte, weil die Ölförderung noch nicht erfunden war, tummelten sich hier Völker, die längst untergegangen sind, Nabatäer, Römer, Byzantiner, arabische Umayyaden und ab und zu Kreuzritter. Natürlich auch die originären Wüstenbewohner, die wir heute unter der Bezeichnung Beduinen zusammenfassen.

Mit dem Jordan Pass im Gepäck sind wir in dieser östlichen Wüste unterwegs, einige der Festungen und Burgen aufzusuchen, die vor hunderten von Jahren hier errichtet wurden. Wir kommen von Madaba, drei Ziele haben wir, jedes auf seine Art typisch:

Quasr Kharana

Ein quadratischer, gelbbrauner Stein-Bau, mitten in der Wüste. Wo früher in der Nachbarschaft pure Einöde geherrscht haben muss, steht nun ein Umspannwerk, das dankenswerterweise so platziert ist, dass es nicht in unsere Fotos hineinragt. Der festungsähnliche Bau selbst ist gut erhalten, obwohl er seit über 1.400 Jahren hier ist.

Wenig Schnörkel oder Zierrat lassen sich entdecken, hier bestimmt die Funktion die Formen. Archäologen vermuten, dass Quasr Kharana von den Umayyaden errichtet und als befestigte Karawanenstation betrieben wurde. Damit wäre es die früheste islamische Einrichtung seiner Art, die heute noch erhalten ist.

Weiter geht es, unser nächster Haltepunkt liegt nur 13 Kilometer weiter östlich.

Qusair Al Amra

Ein kleiner ,aber feiner Palast, der es aber geschafft hat, als Weltkulturerbe registriert zu werden. Das Jagdschloss, ein solches vermutet die Wissenschaft, war es einmal, besteht aus einem Saal, einigen kleinen Räumen und einem römischen Bad sowie einer kulturhistorischen Besonderheit: Fresken, die Ornamente, Tiere und Menschen zeigen. Unbekleidete Menschen! Wenn man an die religiös motivierten Abbildungsverbote denkt, die heute noch in der islamischen Welt eine Bedeutung haben, weiß man, was für ein Schatzkistlein das Qusair Al Amra darstellt. Wahrscheinlich um es vor Vandalismus zu schützen, ist der Zugang verschlossen.

Der Herr des Schlüssels, ein winziger Araber namens Mubarak, lässt uns ein. Trotz seiner geringen Körpergröße wirkt er gediegen, mit Kaftan und Kopftuch. Irgendwie erinnert er an die Kunstfigur des Hadschi Halef Omar. Mit uns sind zwei Italiener im Schloss. Mubarak macht uns klar, ohne dabei die Stimme zu senken, dass er Italiener nicht leiden kann. Deutsche, Franzosen, eigentlich alle anderen Nationen akzeptiert er, aber Italiener, nein. Nicht mal fotografieren lässt er sich von ihnen zum Abschied. Uns winkt er freundlich hinterher.

Als letzte Station steuern wir das älteste Kastell auf unserer Liste an.

Quasr Al Azraq

Die Burg liegt mitten in der Oase Azraq und hatte Zugriff auf die einzig dauerhaft nutzbare Trinkwasserquelle der Region, was natürlich einen unschätzbaren strategischen Vorteil bedeutete. Azraq war deswegen immer begehrt und umkämpft und wechselte die Besitzer. Zuerst errichten die Römer hier ein Kastell, weitere Bauten kamen von den Byzantinern, später besetzten Umayyaden die Burg. Es ging weiter mit Mamelucken, den Osmanen und zuletzt, während des arabischen Aufstandes gegen die Türken, wählte Lawrence von Arabien Azraq als Standort für sein Hauptquartier.

Die Ruinen, die wir sehen, sind zu großen Teilen noch im Originalzustand, die Steine in Mauern und Torbögen sind passgenau verbaut und weisen keinen Mörtel auf, wie er etwa beim Restaurieren gerne eingesetzt wird.

In einem der Räume werden Fundstücke ausgestellt. Darunter Steine, die genauso geformt sind, wie Teile eines modernen Puzzles, also mit Einstülpungen und passenden Gegenstücken, die genau zu passen scheinen. Seltsam. Wir fragen uns, haben die Wissenschaftler, die immer noch am Ausgraben sind, diese frappierende Übereinstimmung nicht erkannt? Ist ihnen nicht bewusst, dass hier vielleicht der Ursprung aller Puzzlekunst direkt vor ihren Augen liegt?

Mit diesem Rätsel und natürlich voller staunenswerter Eindrücke fahren wir zurück, legen aber noch eineTeepause bei Mubarak ein, der die Gelegenheit nutzt, uns mit eigenwilligen politischen Theorien zuzuquatschen. Seltsam das Land, seltsam die Menschen, aber es macht Spaß, hier zu sein.

Wer weiterlesen möchte:

Amman  –  Jerash  –   Aqaba  –  Wadi Rum  –  Petra  –  Totes Meer  –  The Kings Highway