Kunming

Halt in Kunming, in einer Großstadt. Viele Zwischenstopps entpuppen sich hier übrigens als Metropolen im Format einer Stadt wie Berlin; wir müssen einfach in anderen Dimensionen denken. Aber Kunming besitzt schon einen besonderen Charme und die Stadt beeindruckt.

Mit der modernen Metro fahren wir vom Südbahnhof 45 Minuten ins Zentrum. Das System ist nicht nur technisch perfekt, auch an die Bedürfnisse der Fahrgäste haben die Erbauer gedacht. Jede Station ist zweisprachig beschriftet, in den Zügen ist eine dynamische Anzeige, die genau anzeigt, wo man gerade ist. Mit so einer U-Bahn kommen auch Fremde zurecht, wenn sie erst mal im Besitz einer Fahrkarte sind, aber dabei helfen einem die Leute.

Aus der unterirdischen Welt auf Straßenebene kommend, staunen wir. Wolkenkratzer um uns, Neonreklamen, starker Verkehr. Das könnte auch eine amerikanische Großstadt sein. Ärgerlich, wir finden in der Rushhour kaum Taxis und mit Gepäck zum Hotel wäre es zu Fuß zu weit.

Schließlich klappt es. Wir selbst kennen einige Megastädte und adaptieren schnell den Rhythmus Kunmings. Anfänglich fragen wir uns durch zu Restaurants und erledigen einige Einkäufe, zu einem Teil sind wir ja immer Selbstversorger. Obst und Gemüse ist billig, was wir sonst noch brauchen, nämlich eine notwendige Ergänzung zum chinesischen Frühstück, besorgen wir uns im Supermarkt Carrefour.

In der Tat ist Kunming ein Einkaufsparadies. Einschränkungen im Angebot oder Waren die es nicht gibt? Nicht in Kumning! In den Straßen um die Dongfeng East Rd. und die Qingyun Str. finden wir alles! Zum Teil sind die Wege im Einkaufsviertel als reine Fußgängerzone ausgelegt, hier macht das Bummeln Spaß. Auch wenn man sich eigentlich vornimmt, nur das Notwendigste zu kaufen, fündig wird man immer und dann darf schon mal das eine oder andere Produkt unsere Weiterreise begleiten.

In ihrer Verlängerung wird die Quingyun zur Jingxing Street und führt direkt zum „Kunming Bird und Flower Market“, einem alten Markt. Dort gibt es vereinzelt noch Häuser im altchinesischen Stil, einige noch stark renovierungsbedürftig, andere sorgfältig restauriert und genutzt von Einzelhandel und Gastronomie. Das Wohnen in solchen gentrifizierten Vierteln kann sich wohl niemand mehr leisten. Aber, um eine Vorstellung über das Leben im historischen China zu bekommen, sind wir hier genau richtig.

In den Läden am Blumenmarkt finden wir auch eine Spezialität, für die Yunnan und Kunming berühmt sind, den Puer-Tee. Ahnung müsste man haben, um die Angebote in den Teeläden richtig taxieren zu können und vielleicht sogar einen Schatz aufzutreiben. Der Puer ist ein legendärer Tee, dem viele gute Eigenschaften nachgesagt werden. Nach seiner Verarbeitung ist er extrem haltbar und während seiner Lagerzeit reift er nach, wie guter Wein oder Champagner. So sind auch die Preise. Es soll Sorten geben, für die Sammler über 100.000 $ anbieten! Ob der Händler, bei dem wir unseren Puer kaufen, solche Raritäten in den Regalen hat, bezweifeln wir; auf jeden Fall sind es Dutzende von Sorten, die sich dort stapeln.

Seit 2.000 Jahren ist die Gegend um Kunming besiedelt, das hinterlässt auch in einer Stadt, die so dynamisch wächst und sich verändert, historische Spuren. Zum Beispiel den Yuantong Tempel, ein buddhistisches Heiligtum; an die tausend Jahre alt und beliebtes Ziel für Gläubige und Pilger. Der Tempel lässt sich gut vom Green Park aus zu Fuß erreichen, einfach etwa 500 Meter der Yuantong Rd. folgen, er ist nicht zu übersehen. Der Eintritt beträgt 6 Yuan, allerdings nicht für Elderly People, die dürfen umsonst rein. Jeder Besucher kriegt am Eingang Kerzen und Räucherstäbchen, kann sich also aktiv an den Zeremonien beteiligen. Im Inneren ist es still, aber nicht bierernst, die Menschen wirken freundlich und entspannt, lachen auch spontan, wenn ihnen danach ist.

Eine tolle Attraktion für die Stadt ist in jeder Hinsicht der Green Park. Ein fast runder See im Zentrum der City, eingefasst von einer schätzungsweise 2,5 km langen Ringstraße, die gerne von Läufern, Walkern und Spaziergängern genutzt wird. Im See verteilen sich kleine Inseln, die über mehrere Brücken miteinander verbunden sind. Die Vegetation in und ums Wasser herum ist üppig. Lotus bedeckt einiges vom See, die Landflächen sind bewachsen mit gepflegten subtropischen Pflanzen, durch die sich peinlich saubere Wege winden. Dazwischen sind Pavillons errichtet und Pagoden, alle kunstvoll verziert mit Schnitzereien und prächtigen Steinmetzarbeiten. Da wir in Asien sind, fehlen natürlich nicht die lukullischen „Tankstellen“, Imbissbuden und Restaurants, stilecht eingepasst. Das alles macht den Green Park zu einem echten Freizeitparadies, für jeden Geschmack und jedes Alter. Dass dieses Angebot von den Menschen angenommen wird können wir sehen: Ältere sitzen herum, entspannt im Gespräch oder über Brettspiele gebeugt, manche umringt von Zuschauertrauben. An anderen Stellen wird Tai-Chi geübt oder zu populärer Musik der neueste Tanzstil einstudiert.

Wir verlassen Green Park nach unserem Bummel beim Ausgang „Old Military Training Academy“, kommen über Seitenstraßen zu den vielen kleineren Boutiquen. Die Auslagen überraschen, was angeboten wird sind mitunter klasse Klamotten und edle Designerprodukte, auf jeden Fall keine Ramschware. Etwas weiter findet ein Markt statt. Ob jeden Tag oder nur heute, finden wir nicht heraus, aber das Angebot ist gut: frisches Obst und Gemüse, Fleisch – von welchen Tieren auch immer – sowie Fisch.

Die Stadt ist bunt und geschäftig, ohne stressig zu wirken. Selbst in den Straßen, auf denen am Morgen unserer Abfahrt – schon wieder oder immer noch – Verkehr sich stauen will, geht es nicht chaotisch zu. Wir sind unterwegs zum Zentralbahnhof. Als wir versuchen, am Straßenrand vor dem Hotel ein Taxi heranzuwinken, wirft uns ein freundlicher Chinese einen ersten Satz in der Landessprache zu, den er solange mit uns übt, bis wir die richtige Aussprache können: „KunMing sa“, was heißt: „zum Bahnhof von Kumning“. Hey, das klappt, der Taxifahrer versteht auf Anhieb, unserer Weiterreise mit dem Zug steht nichts mehr im Wege.

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