Naxos, der Süden

Quartier im Süden nehmen wir dort, wo das zivilisatorisch erschlossene Naxos buchstäblich zu Ende ist und jeder Weg, den wir einschlagen, uns entweder zurück ins Zentrum der Insel bringt oder an die Ränder im Westen und Osten: In der kleinen Bucht Kalados.

Wir reisen mit dem Mietwagen aus Naxos-City an, weil auch die öffentlichen Busse auf Naxos uns nur bis Filoti bringen würden und wir uns für die Reststrecke kostenpflichtig vom Hotel abholen lassen müssten. Ein weiterer Vorteil: Zwischenstopps wie sie uns gefallen. Herausgreifen wollen wir in diesem Bericht nur wenige Lokalitäten, alles andere beschreiben wir detaillierter unter „Naxos die Mitte“.

Bevor wir zum Tempel der Demeter fahren, machen wir einen kleinen Umweg über Vivlos, den Ort mit den 3 Windmühlen. Umwege auf Naxos sind eigentlich nicht der Rede wert, die Distanzen über die ganze Insel sind recht überschaubar. Tatsächlich ist Windkraft auf den Kykladen schon seit Jahrhunderten heimisch. 600 Mühlen soll es über die Inselwelt verteilt geben, in ihrer typischen Bauform, als runde Türme mit flachen Dächern, ausgerüstet mit einem fragil wirkenden Gestänge, auf das Segel gezogen werden. Müller, so heißt es, waren wichtige Leute, hatten sie doch ein besonderes Gespür dafür, aus welcher Ecke der Wind weht und natürlich waren Mühlen für die Bauern der Umgebung, die dort ihr Getreide mahlen ließen, ein sozialer Treffpunkt, um Neuigkeiten auszutauschen.

Heute sind nur wenige Mühlen noch voll betriebsbereit, die 3 Mühlen bei Vivlos zählen leider nicht dazu. Trotzdem regt so ein Ort natürlich die Fantasie des Besuchers an, genießt man doch vom Mühlenhügel einen schönen Ausblick ins Land. Und wir lernen auch das Dorf ein wenig kennen, denn um zu den Mühlen zu kommen, müssen wir unseren Weg durch den Irrgarten der kleinen Gassen finden. Sauber und proper wirkt alles, sie gehen gut um, mit ihren Ortschaften, die Griechen.

Auf der Weiterfahrt halten wir am imposanten, venezianischen Wehrturm Pirgos Bazeos aus dem 16. Jahrhundert und passieren danach die schöne Dorfkirche Agios Michalis in Sangri

Nicht nur Mythen von Göttern und ihren Abenteuern gehören zu Naxos sondern auch reale, anfassbare antike Bauwerke aus Zeiten, in denen Germanien noch den Sammlern und Jägern gehörte. Ein bekanntes Relikt mit einer langen Geschichte ist der Demeter Tempel von Sangri.

Sein Alter wird auf rund 2.500 Jahre geschätzt und vermutlich war der Hügel schon lange zuvor den Menschen eine heilige Stätte; die Besiedlung dieser Region geht ja zurück bis ins 8. Jahrhundert vor Chr. Der Demeterkult stand für Fruchtbarkeitsrituale, Naturverbundenheit und Mutter Erde. Der schön restaurierte, marmorne Tempel präsentiert sich in einem passend hergerichteten Gelände, in Nachbarschaft zu einem Museum, mit antiken Fundstücken. Eintritt wird nicht verlangt, die Griechen machen vor, wie sich Geschichte übermitteln lässt. Wir sehen Familien und Jugendliche, die interessiert herumwandern und sogar die Erklärungstafeln der Archäologen aufmerksam lesen. Der Besuch lohnt allemal.

In einem Land, das so viele sakrale Bauten hat wie Griechenland, ist es keine Frage, sich auch Kirchen und Andachtsstätten anzuschauen. Das halten wir nicht anders, wenn wir in Indien oder Südostasien unterwegs sind. Das auf unserem Weg liegende Kloster Fotodotis wird als sehenswert empfohlen. Wie schon gesagt, wir haben die Zeit, das Interesse und die Möglichkeit für einen Abstecher. Kommend von Filoti fahren wir Richtung Danakos, schlängeln uns in Serpentinen den Berg hinauf, durch das hügelige Umfeld des Zas, des höchsten Kykladenberges.

Wir achten auf die braunen Hinweisschilder und parken bei der kleinen Kirche, wo auch einer der Aufstiege zum Zas ausgeschildert ist. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite startet unser Weg. Wir schlagen den unteren, nicht den oberen ein und wandern in etwa 20 Minuten durch eine schöne Landschaft. Der Anstieg ist leicht und wäre sogar mit dem Auto zu bewältigen. Dann erreichen wir den Klosterbau, der ganz anders aussieht, als wir uns vorgestellt haben.

Ein eindrucksvolles Gemäuer, das eher wie eine alte Wehrburg wirkt vor einem genialen Hintergrund, nämlich dem türkisfarbigen Meer. Idyllisch liegt das Kloster zwischen sattem Grün und schattenspendenden, hohen Bäumen. Auf dem Vorplatz sind Stühle in einem Halbkreis gruppiert, als ob der Abt gleich zu einer Versammlung rufen würde. Aber außer einigen Besuchern und einer Wächterin, Hüterin des Schlüssels zum Inneren des Klosters, sehen wir niemand.

Die Fahrt durch die Hügelwelt, vorbei an Filoti und weiter Richtung Süden, beschert uns gnadenlos schöne Aussichten auf eine schroffe, wildschöne Bergwelt. Der Verkehr ist noch ein wenig dünner, als wir ihn bisher auf Naxos erlebt haben, die Luft noch ein wenig sauberer, der Himmel noch ein wenig blauer. Ab und zu queren Ziegen vor uns die Straße und an einem Punkt, der wohl der höchste an dieser Straße ist, halten wir inne.

Eine winzige Kirche ist hier platziert und ein Parkplatz. Wohl kaum jemand, der hier einfach weiterfährt; das Panorama ist einzigartig. Wir schrauben uns wieder hinunter, die Serpentinen werden länger, die Küste ist zum Greifen nah. Wo der Asphalt endet und die Schotterpiste beginnt, sind wir fast angekommen. Einen neu ausgebauten Hafen, der eigentlich gar nicht zur urigen Landschaft passt oder einfach 30 Jahre zu früh gebaut wurde, lassen wir links liegen, folgen den aufmunternden Hinweisen zu unserem Hotel/Taverne.

Erst sind es noch 2 dann 1 km, dann 800 Meter, noch 600 und schließlich stehen wir vor der einzigen Unterkunft, die es in dieser Gegend für Reisende gibt. 45 Minuten haben wir für die 25 km von Filoti gebraucht, ohne unsere Pausen.

Das Hotel, natürlich ganz in Weiß, ist in den Hügel gebaut. Darunter eine lange, gebogene Bucht mit Sandstrand, einem Kirchlein und natürlich dem ewigblauen Meer: Kalados Beach.

Einige Tage bleiben wir hier, genießen die Ruhe und gehen zum Strand; der ist groß, herrlich und einsam und das Meer ist von einem unschlagbaren Türkisblau. Und wir können sogar – frühmorgens vor Sonnenaufgang – laufen. Menschen gibt es wenig, dafür große Schafherden, meckernd und knabbernd, auf jetzt kargen Weiden.

Das Hotel/Taverne ist preisgünstig, modern und sauber, mit freundlichem Personal. Sogar Internet haben wir. Die exzellente Lage hat leider einen Schwachpunkt, die Küche. Du bist hier auf Gedeih und Verderb dem Hotel ausgeliefert, Märkte und Läden sind weit entfernt in Filoti. Die Preise für Speis und Trank sind entsprechend hoch und die Alternative, ein paar Tage Fasten einzulegen ist nicht nicht wirklich realistisch. Zum Glück haben wir im Wagen ausreichend Trinkwasser, die 12 Flaschen werden wir brauchen. Dass unser Apartment eine kleine Küchenzeile mit Kühlschrank, Herd und Geschirr hat, wussten wir nicht. Mit ausreichend Obst, Nudeln, Keksen, Süßigkeiten, Bier und was man sonst für ein paar Tage braucht, eingekauft im letzten Supermarkt, wären wir gut bedient gewesen.

Egal, wir machen das Beste draus und genießen den Süden mit der fast unberührten Landschaft in romantischer Abgeschiedenheit. Wer weiß, wie lange der Tourismus braucht, hier Fuß zu fassen. Noch ist Kalados ein Geheimtipp und wir wünschen, dass es noch lange so bleibt. Nach einigen Tagen geht es für uns – ab durch die Mitte – von Naxos in den Norden der Insel.

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