Pokhara

Wir machten es uns auf komfortablen Stühlen bequem, die Sonne war angenehm warm, kaum ein Lüftchen wehte. Auf dem Tischchen vor uns Apfelkuchen aus der German Bakery und Gläser mit Ginger-Honey-Lemon-Tea. Von unserem Platz aus hatten wir einen freien Blick über den idyllischen Fewa See und auf die Promenade am Ufer. Spaziergänger flanierten hier zwischen spielenden Kindern und Andenkenverkäufern. Kaum zu glauben, dass hier auch Nepal war, aber die in der Ferne sichtbaren, zum Greifen nahen Gipfel des Annapurna Massivs bestätigten uns: wir sind in Pokhara.

Pokhara, immerhin die zweitgrößte Stadt Nepals, liegt ungefähr in der geografischen Mitte des Landes, in einem Tal, nur knapp 900 Meter über dem Meeresspiegel und ist gesegnet mit einem durchgehend subtropischen Klima. Das und insbesondere der Ausgangspunkt für Wanderungen in das nahe Annapurna-Gebiet haben die Stadt in den letzten Jahren immer mehr zu einem Anziehungspunkt für Touristen lassen. Gründe genug also für uns, hier zu sein, um weitere Aktivitäten zu planen oder uns nach dem Ende einer anstrengenden Trekkingtour einfach nur zu erholen.

Die besten Zeiten für den Besuch in Pokhara liegen vor oder nach dem Monsun, also zwischen Oktober und April. Wie es hier während der Regenzeit abgehen kann, haben wir einmal miterlebt. Ein außerplanmäßiger Starkregen, der die Stadt innerhalb kürzester Zeit kniehoch unter Wasser gesetzt hat und erst Stunden später waren die Straßen wieder einigermaßen passierbar. Während des Regens waren übrigens Plastiktüten sofort vergriffen, weil jeder, der draußen von den Wassermassen überrascht wurde, sich daraus provisorische Gummistiefel bastelte, um die Fluten einigermaßen trocken durchwaten zu können.

Pokhara beschert dem Besucher, wenn es nicht stark regnet, ein fröhliches „dolce far niente“ in entspannter Atmosphäre und damit den perfekten Ausstieg aus der Hektik des Alltags. Hierher kommt man weniger aus dem Grund, bauliche Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Pokhara ist vor allem der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen in der Annapurna- und Dolpo-Region, oder auch in das ehemals für Touristen gesperrte Upper Mustang.

Hauptsächlich spielt sich das Touristenleben um den Fewa See im Bezirk Lakeside ab. Dort finden sich die besten Unterkünfte, Restaurants, aber auch Discos und Bars, Souvenirgeschäfte und Läden, wo sich Trekkingtouren und Guides buchen oder andere Aktivitäten wie etwa Paragliding oder Rafting organisieren lassen. Kurz: ein kunterbuntes, lebhaftes Gewimmel an allem, was das Besucherherz begehrt. Die Hauptstraße am See lädt ein zum Bummeln und Einkaufen. Entweder vor einer Trekking-Tour oder am liebsten, nach der Rückkehr. Dann empfiehlt es sich sogar nach einer seriösen Massage Ausschau zu halten, um den strapazierten Muskeln Erholung zu bieten.

Gastronomisch betrachtet bietet Pokhara fast alles. Wir verbinden damit die Erinnerung an eine der besten Pizzen unseres Lebens, Dal Bat, dDal Bat aus der Takali Kueche, sehr leckeras nepalesische Nationalgericht und wirklich authentische, tibetische Küche. Viele Exiltibeter, die sich hier niedergelassen haben, betreiben Garküchen und einige sind unbeschreiblich gut, mit köstlichen Momos und leckeren tibetischen Nudelgerichten. Wer es mag, findet natürlich auch andere ethnische Spezialitäten, etwa koreanische, japanische und indische Restaurants.

Der Mensch, jedenfalls der Reisende, lebt natürlich nicht nur von Restaurantbesuchen und Abhängen in Restaurants am See. Pokhara bietet Aktivitäten für jeden Geschmack. Wer nur begrenzt aktionsfähig ist, darf sich zu der kleinen Insel im Fewa See übersetzen lassen, zum Tal Barahi Tempel, einem hinduistischen Heiligtum. Allerdings braucht man dafür an hinduistischen Feiertagen die Geduld eines frommen Asketen, weil die Warteschlangen der neplesischen Touristen oft stundenlanges Ausharren erforderlich machen. Besuche an „normalen“ Tagen bescheren allerdings ein interessantes Erlebnis. Der kleine Tempel ist durchaus sehenswert.

Wer mehr Kraft und Zeit mitbringt, besucht die Peace Pagoda, die 1.113 Meter hoch über dem See thront. Sie ist zwar mit dem Auto erreichbar, aber weitaus mehr Spaß macht der Aufstieg zu Fuß, nachdem man sich ans Ufer auf der Bergseite hat übersetzen lassen. Die Kletterei ist überschaubar, vor allem deswegen, weil ungefähr zur Hälfte des Weges ein Restaurant zur Pause einlädt. Oben, von der Peace Pagoda, genießt man übrigens tolle Aussichten auf die gegenüberliegenden Bergmassive, vorausgesetzt die Sicht ist klar. Um ganz sicher zu gehen, dass es wenigstens einmal mit der freien Sicht klappt, kann man natürlich auch für einige Tage auf dem Berg übernachten.

Ganz in der Nähe zur Peace Pagoda gibt es einen Homestay, der wirklich familiär geführt wird, in herrlicher, ländlicher Idylle liegt und sich sogar eignet, einen Doppelgeburtstag angemessen zu begehen. „Hi Eric, wenn Du das hier liest, haben wir uns wieder ein wenig von unseren Geburtsjahren entfernt!“

Wer auf Sonnenaufgänge steht, für den ist der Besuch von Sarangkot unabdingbar. Sarangkot liegt etwa 1.600 Meter hoch, nördlich vom Fewa See. Um die Aussichtsplattformen auf dem Berg zu erreichen, sollte man sich möglichst früh – so um 4.00 Uhr herum, das ist leider die beste Zeit – mit dem Taxi hoch fahren lassen und sich nicht scheuen, den letzten Teil, der nur zu Fuß über Treppen möglich ist, weiter hoch zu wandern. Der Aufstieg dauert dann noch etwa 45 Minuten, ist aber lohnenswert. Der Besucher bekommt eine wunderschöne Fernsicht auf die Dhaulagiri- und Annapurna Massive, wie man sie sonst nur von Postkarten kennt. Aber Achtung, oben auf der Plattform kann es eng werden; die semiprofessionellen Sunrise-Touristen tauchen an diesen Hotspots ja meist in Horden auf.

Wenn man den Tag so früh begonnen hat, lohnt es sich, den Elan nach Erleben des Sonnenaufgangs nicht einfach verkümmern zu lassen, sondern für die kleine Wanderung nach Nagdada zu nutzen. Ein leichter, etwa 10 km langer, schöner Weg auf einem Bergrücken, durch kleine Dörfer, der wenig befahren ist, aber interessante Begegnungen mit den Einwohnern verspricht und Nähe zur Natur. Von Nagdada aus lässt sich dann leicht ein Verkehrsmittel zurück nach Pokhara finden.

Pokhara lässt sich gut per Flieger erreichen. Mit Yeti-Airlines oder einem der anderen lokalen Anbieter dauert der Flug von/nach Kathmandu gerade mal eine halbe Stunde und bietet wahnsinnige Aussichten auf den Himalaya, wenn man auf der richtigen Seite im Kleinflieger sitzt. Faustregel: von Kathmandu kommend immer rechts sitzen, nach Kathmandu fliegend unbedingt links – und dann die Kamera bereit halten!

Preislich günstiger geht’s über die Straße und die Touristenbusse sind für nepalesische Verhältnisse sogar erträglich und interessant. Mit den Green Line Bussen fährt es sich recht bequem, man hat schöne Aussichten und bekommt einen Verpflegungsstop mit nepalesischem Buffet in. Nervend ist lediglich die Fahrt durch den 20 km Straßenchaos-Gürtel um Kathmandu.

Aber, das Fazit ist eindeutig: Pokhara ist immer eine Reise wert. Vielleicht künftig sogar direkt, von Indien oder weiter her kommend. Angeblich plant die Regierung dort den Bau eines internationalen Flughafens.

Übernachtungs-Favoriten für Pokhara: Das Third Eye Inn sowie das  Sacred Valley Inn

Kathmandu, Bhaktapur, LumbiniChitwan Nationalpark, W.E.G. Trekking in Nepal,