Bagan

Während wir in anderen Städten Myanmars eher wenig auf die klassischen Altertümer stoßen, ist Bagan ein Ort, wo die meisten Sakralbauten tatsächlich bereits im Zeitalter der Entstehung des birmanischen Buddhismus errichtet worden sind. Über 2.000 Pagoden und andere, dem Glauben gewidmete Monumente, stehen hier bereits seit fast 1.000 Jahren. Sie werden fleissig restauriert und bilden heute eine der größten, zusammenhängenden archäologischen Regionen Süd-ostasiens. 

Das sind aufregende Rahmenbedingungen, auch ein bisschen einschüchternd. Als Touristen wollen wir möglichst viel erleben, die Highlights auf jeden Fall, aber wo fangen wir an? Selbst wenn nur ein Bruchteil der Anlage Top-Denkmäler sind und sich eigentlich als obligatorische Besuchspunkte empfehlen, müssten wir in einem Gebiet, das immerhin eine Fläche von fast 40 qkm einnimmt, einige hundert Pagoden besichtigen. Das ist in den wenigen Tagen unmöglich! Deswegen versuchen wir, die kunsthandwerklichen Rosinen aus dem Kuchenangebot zu picken.

Unseren persönlichen Besuchsplan überlegen wir am grünen Tisch, mit Landkarte, Reiseführer und Internet. Kleines marginales Problem, aber deswegen nicht unwichtig: Bagan verbietet den Einsatz von Taxi-Mopeds. Was anderswo hervorragend funktioniert, ist hier tabu. Da Fremde auch keine konventionellen Mopeds steuern dürfen, wurde in Bagan findigerweise das E-Bike zum Renner. Für die meisten Besucher ist das vertretbar, für die Umwelt natürlich auch. Sogar bezahlbar: Nimmt man ein 2-Personen-Bike, ist man mit 10.000 Kyats Tagesmiete dabei, muss dann natürlich alles selbst finden, ohne ortskundigen Guide, was im Dunkeln vor Sonnenaufgang auch prekär sein könnte.

Preislich dem E-Bike am nächsten kommt die Pferdekutsche, die auch ökologisch immer noch die nachhaltigste Lösung ist und einem ehrenwerten Berufszweig Einkommen verschafft. Dafür entscheiden wir uns und mieten für den nächsten Tag einen Einspänner. 5 Stunden kosten uns 18.000 Kyats, inklusive sprach- und ortskundigen Horseman.

Wir lassen es locker angehen. Eine grobe “to-see” Liste, die wir selbst gebastelt haben, begleitet uns. Schwierig genug, die vielen fremd klingenden Bezeichnungen sind uns nicht wirklich geläufig, zumal einheitliche Schreibweisen Mangelware sind. Eine Pagode im Reiseführer zu finden bedeutet noch lange nicht, dass man sie auch auf der Landkarte markieren kann. Aber um diese Unschärfen zu klären, haben wir ja unseren Kutscher.

Bagan ist ein touristischer Magnet schlechthin. Einmal will jeder Myanmar-Tourist hier sein und möglichst viel sehen. Das weitläufige Gelände kann den Ansturm verkraften. Viel Grün bietet es – in der Trockenzeit massig Staub – und ist durchwachsen mit Pagoden in allen Ausführungen und Größen. Verlieren kann man sich darin, weil jeder Anblick spezielles verspricht. Verloren geht man jedoch nicht.

Engpässe, das ist uns klar, sind die Stellen mit den besten Sonnenaufgangs / -untergangsmotiven. Dort herrscht mehr Nachfrage, als es Angebote gibt, ähnlich wie bei Liegestühlen an Swimmingpools in all-inclusive Resorts. Nur dass man auf einer Pagode nicht mit Handtüchern seinen Lieblingsplatz vorbelegen kann, sondern möglichst frühzeitig physische Präsenz beweisen muss und sein Kamerastativ platziert. Natürlich können auch wir diese Orte nicht umschiffen, wer möchte schon die Chance vertun, eimal die Mutter aller Sonnenuntergänge digital zu verewigen.

Für den ersten Besuchstag besprechen wir mit dem Kutscher die Route. Gemächlich trabt das Pferdchen los und wir bereuen nicht, auf diese Weise unterwegs zu sein. Der Kutscher geht fürsorglich mit seinem Tier um. Die Peitsche streichelt nur ab und an das Hinterteil von Dolly, die nicht galoppieren muss, sondern ihr Tempo selbst findet. In dieser Umgebung unterwegs zu sein, ist nicht vergleichbar mit dem Durchblättern von Fotos über Bagan. Erst wenn man sich mittendrin befindet, vermittelt die Region ihre Einzigartigkeit.

Seltsam, da investieren ganze Dynastien scheinbar in nichts anderes als Bauwerke, die Glauben verherrlichen und das in einer verschwenderischen Fülle, die wir nicht begreifen können. Die Geschichte hat diese Politik nicht belohnt. Die frühen Reiche sind letztlich an ihrem einseitigen Konzept gescheitert.

Die Bauten haben die Jahrhunderte überlebt, sie sind meisterlich konstruiert, halten auch Stresssituationen aus, etwa das Erdbeben vom August 2016. Ja, Es sind Schäden entstanden, Kuppeln sind zerborsten, Mauern haben Risse. Aber die Substanz steht und gerade ist man dabei, die jüngsten Zerstörungen zu reparieren. Leider verstellen uns deswegen Baugerüste den Blick auf die schönsten Dächer. Zur Kompensation bekommen wir aber gratis Zirkusatmosphäre geliefert. Die Bauarbeiter in den wackeligen Bambusgerüsten hoch an den Kuppeln, könnten bei uns als Akrobaten auftreten.

Um Myanmar zu verstehen, muss man akzeptieren, dass ein strenger buddhistischer Glaube und eine fast inbrünstiger Pagodenkult auch heute zum religiösen Alltag der Birmane gehört. Anders könnte die Instandhaltung der Monumente auch in Bagan kaum gesichert werden. Und es sind immer wieder Unsummen, die von den Gläubigen, arm oder reich, gespendet werden. Transparente Opferstöcke sehen wir überall und keiner ist leer. Touristen wird die freie Entscheidung, spenden zu wollen, abgenommen durch das obligatorische Eintrittsgeld in Höhe von 25.000 Kyats pro Kopf. Früher oder später muss jeder, der nach Bagan kommt, zahlen. Dafür entfällt der lästige Ticketkauf am Pagodentor, wie wir es aus anderen Städten kennen und eigentlich sind Flatrates ja ganz modern.

In den 3 Tagen, die wir hier sind, sehen wir mehr Sehenswürdigkeiten, als wir erwarten durften. Entsprechend oft unterwerfen wir uns dem “shoe no” Diktat. Letztlich ist es ein gewisser Überdruss am permanenten Ablegen des Schuhwerkes, der die eine Hälfte unseres kleinen Teams überzeugt, dass Pagoden von außen immer noch am Schönsten anzusehen sind. Der Rest des Teams hält durch. Dass wir in diesem Bericht auch tolle Innenansichten präsentieren, ist ihr zu verdanken.

Hier unsere Auswahl:

 

Davon mit Sonnenaufgängen

Und natürlich die Sonnenuntergänge

Besichtigungen der sakralen Monumente sind eigentlich recht unkompliziert, solange einige Grundregeln beachtet werden, die allerdings nicht verhandelbar sind:

“Shoe no” gilt immer, auch wenn es morgens beim Erklimmen der hohen Pagode vor dem Sonnenaufgang noch empfindlich kalt ist oder Du tagsüber das Gefühl hast, durch zentimeter- hohen Taubenkot zu waten.

Züchtige Kleidung ist zwingend. Sogar, wenn man meint, dass im Dunkel der Nacht dem menschlichen Auge nackte Haut verborgen bleibt. Buddha sieht eben alles, dafür hat er sein drittes Auge.

Bei aller Begeisterung für Kultur und Landschaft können wir beim selbstorganisierten Reisen die praktischen Entscheidungen um Unterkunft und Verpflegung nie vernachlässigen. 3 Tage Besichtigung bedeutet 4 Nächte, die wir budgetgerecht so gestalten, dass wir ein Optimum an Komfort und Leistung dafür bekommen. Bezogen auf Bagan stellt sich als erstes die Frage, in welchem Teil der Region übernachten wir?

Leute, die beim Reisen nicht auf den Cent achtgeben müssen und schon mal für ein Zimmer dreistellige Eurobeträge ausgeben, werden sich für die hochpreisigen Resorts in Alt-Bagan begeistern. Die ursprünglichen Einwohner von Alt-Bagan wurden übrigens wegen der Ansiedlung von Luxusunterkünften bereits 1990 umgesiedelt, entweder nach Neu Bagan oder nach Nyaung U.

Neu Bagan, gegründet im Zuge der Zwangsumsiedlung, beherbergt eine ganze Menge moderner Hotels, hat aber nicht das Flair einer traditionell gewachsenen Gemeinde.

Wir haben uns deswegen für Nyaung U entschieden. Die Hotels dort sind mehr auf die Bedürfnisse von Backpackern zugeschnitten. Außerdem gibt es hier einen tollen Markt, der einfach alles bietet. Mitbringsel, Kitsch und Kunst, Nützliches und Überflüssiges, aber auch die Waren für den täglichen Bedarf.

Wie lebt es sich in eigentlich in solch einer Stadt? Jetzt, wo wir hier sind, am besten mit 3-fach Verglasung. Wir sind in eine Festlichkeit geraten, zu der eine 24/7 Stunden Darbietung von lautsprecherverstärkten Tempelgesängen gehört, die leider nicht als mentales Sedativ brauchbar sind. Die akustische Dauerberieselung ist definitiv schlafraubend. Wir werden es überstehen, Menschen, die feiern, sind uns immer lieber, als die, die sich bekämpfen.

Wie wir herkamen, könnt Ihr hier nachlesen

Unser Tipp für das Hotel in Nyaung U: Motel Zein

Yangon, Kalaw und Pindaya, Inle See, Mandalay, Monywa, Bago, Golden Rock,   Hpa-an, Mawlamyine, Ye / Dawei / Maungmagan

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