Zu Lande, zu Wasser und an der frischen Luft

Wenn Rundreisen der Königsweg für die Erkundung eines Landes sind, dann ist der Ortswechsel das Salz in der Suppe des Reisenden. 2 Tage Monywa sind natürlich nicht genug, aber Bagan ruft und unser Visum gilt nur für 4 Wochen.

Wir wollen unterwegs etwas Abwechslung haben. Die Idee ist, den Weg über die Straße mit einer Flussfahrt zu kombinieren. Die Betuchten unter den Myanmar-Reisenden gönnen sich an dieser Stelle eine Passage mit einem schwimmenden Hotel, um Bagan anzusteuern. Wir werden den Beweis antreten, dass die Stadt von der Flussseite aus zu einem Bruchteil der Kosten erreichbar ist, dafür aber mit einem Optimum an Spaß.

Unsere Fahrt beginnt am Busbahnhof von Monywa. Ein geschäftiger Ort, schon in der Frühe. Gebucht haben wir 2 Plätze in einem Local Bus, unsere beiden Tickets für umgerechnet gerade mal 2 €. Dafür bekommen wir sogar nummerierte Sitzplätze. Der Busbahnhof hat wenig mit der Monstergarage zu tun, die wir aus Yangon kennen.

Hier ist alles übersichtlich, aber halt nicht so, dass es einem Sprachunkundigen gelingt, ohne Assistenz seinen Startpunkt zu finden. Wir sind natürlich vorbereitet. Unser Taxifahrer hat einen präzisen Auftrag vom Hotel, wo die Sprachunkundigen abzusetzen sind. Für den Umsteigehalt in Pakokku haben wir uns einen Text aufschreiben lassen, der den birmanischen Samaritern genau erklärt, was wir vorhaben. Ich hoffe, unser Hilfszettel enthält nicht die Nachricht “wir sind Ausländer, holt uns hier raus”…

Mehr instinktiv schließen wir uns den Umstehenden im Warteraum auf, als eine Durchsage ertönt, in der wir unseren Zielbahnhof meinen heraushören zu können. Korrekt, die Offiziellen am Bus nicken freundlich und zustimmend, als wir unser Ticket zücken. Rustikal wirkt der Bus, aber nicht unsauber. Das Platzangebot in unserer Sitzreihe übertrifft sogar den Raum, den wir im letzen Minibus hatten. Anweisungen des Busbegleiters folgend, finden die Passagiere ihre Plätze. Es herrscht ungeheure Disziplin, jeder bleibt dort, wo er hinbeordert wurde. Auch wenn neben ihm gähnende Leere klafft, auf der er sich bequem ausstrecken ließe. Pünktlich ist der Bus jedenfalls.

In der Reihe vor uns darf ein buddhistischer Mönch ganz alleine sitzen. Ein seltsamer Bursche, der Betel kaut und die nächsten 2,5 Stunden keine 20 Sekunden am Stück ruhig sitzt. Wahrscheinlich ist er durch exzessives Meditieren geschädigt und nutzt den Klosterausgang, um seinen seit Ewigkeiten unterdrückten Bewegungstrieb auszuleben. Möge Buddha ihm verzeihen.

Die Fahrt selbst ist überraschenderweise kaum strapaziös. Kühn habe ich, wohl einer Vorahnung folgend, verzichtet, mich mit Reisetabletten zuzudröhnen. Die Fahrt ist fast angenehm, wir genießen großartige Ausblicke durch penibel saubere Scheiben, Frischluft gibt es im Überfluss, die Stoßdämpfer des Busses sind intakt und die Vorhänge taugen nicht, zum Zuziehen.

Den Zielort Pakokku erkennen wir an einem Schild an der örtlichen Polizeistation in lateinischen Lettern. Noch vor der Ankunft am Busbahnhof zücken wir unseren Zettel auf dem hoffentlich steht: “Diese Leute wollen zum Fluss und dort per Boot weiter nach Bagan. Wer sie unterstützt, verdient sich einen Ehrenplatz im Nirvana.”

Der Schrieb zeigt sofort die gewünschte Wirkung. 2 Motorradtaxifahrer bieten sich an, uns samt Gepäck zum Fluss zu befördern. Helme bekommen wir keine, aber wir sind ja auf dieser segensbringenden Mission, die den Beweis erbringen will, dass es auch ohne Luxushotelschiffe gelingt, Bagan von der Wasserseite aus zu betreten.

Halsbrecherisch kurven wir durch die Stadt. Angst? Haben wir nicht, auch nicht um unser Gepäck, das dort verstaut ist, wo sonst beifahrende Kleinkinder eingeklemmt werden. Wir kommen dort an, wo es am wenigsten nach Anleger und Hafen aussieht und nur nach Fluss riecht.

Einige Menschen fragen sich, was diese seltsamen Fremden wohl hier wollen und erhalten von unseren Motorradboys die Auflösung geliefert. Das löst Palaver aus, wohl aber auch Zustimmung, denn unsere Motoradfahrer grinsen uns aufmunternd an. Ein Mädchen aus der Gruppe der Uferbewohner führt das Wort. Eine reguläre Fähre gäbe es nicht, aber wir könnten ein Boot mieten. Für 45.000 Kyat. Das ist natürlich ein Anfangsgebot. Wir äußern Entsetzen über den Wucher und kontern mit 20.000 Kyat. Einigung dann bei 35.000 Kyat, etwa 24 € für uns beide und eine Fahrt, von der wir nicht wissen, wie lange sie dauert.

Wir freuen uns aufrichtig über das Schnäppchen, werden aber nachdenklich, als wir unser Boot sehen. Ein etwas größerer Einbaum, immerhin mit Außenborder, gerade ausreichend, uns und unsere zwei Taschen aufzunehmen. Aber ein Deal ist ein Deal, außerdem wird auf einem Holzkasten gerade eine flauschige Sitzdecke für uns ausgebreitet; da kann man nicht nein sagen. Das Fahrgeld wird vor Abfahrt bezahlt. Ganz offen wird die Provision für unsere Taxiboys abgezogen, die erhalten 3.000 Kyat. Warum nicht, unterm Strich ist das eine Win-Win-Situation für alle. Wir kommen über den Fluss nach Bagan, die Fischer machen einen Job, der ihnen Bargeld bringt, und die Taxiboys haben das alles eingefädelt.

Dann beginnt unsere herrlich entspannte, exklusive Bootsfahrt über den großen Strom. Der Ayarwaddy River ist einer dieser klassischen, asiatischen Flüsse, die zeitlos und gewaltig immer schon da gewesen sein müssen. Und solange es diese Flüsse gibt, wird die Welt im Gleichgewicht sein. Wir spüren, wie die Ruhe des Flusses auf uns übergeht. Kaum eine Welle bewegt das kleine Boot. Vorne sitzt der Alte, der sich am Anleger bescheiden im Hintergrund hielt, als gehörte er gar nicht dazu. Jetzt navigiert er mit sparsamen Handzeichen, pafft an einer riesigen Zigarre und lächelt versonnen. Die Ufer sind eher eintönig, aber diese Gleichförmigkeit trägt zur Entspannung bei. Abwechslung und kleine Wellen kommen auf, wenn riesige Lastkähne an uns vorbeiziehen. Sogar zwei schwimmende Luxushotels passieren uns. Ohne Neid, wir fühlen, dass wir besser unterwegs sind, als die Leute in den Kästen.

Knapp 3 Stunden sind wir unterwegs, bis wir an sandigem Ufer anlegen. Der Steuermann schultert unser Gepäck, trägt es wortlos aber freundlich die Böschung hinauf. Wir sind angekommen, die Bootsfahrt nach Bagan ist ein voller Erfolg.

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