Halebid und Belur

Hassan, eine Stadt mitten in Karnataka, könnte der Reisende wohl umfahren. Die Stadt ist eher beliebig, wäre da nicht eine Umgebung, die etwas ganz Besonderes hat: die Tempelanlagen in Belur und Halebid, um nur die wichtigsten zu nennen.

Selbst wenn man meint, schon alles in Indien gesehen zu haben, gibt es immer wieder neue Höhepunkte. Die etwa 900 Jahre alten Anlagen rund um Hassan bieten mit das feinste, was indische Kultur hervorgebracht hat. Die Tempel sind noch intakt und haben kaum unter den Jahrhunderten gelitten. Das gilt für die Außenansicht, wie auch für die inneren Strukturen, die im Falle des Tempels von Halebid Räume sind, für die Felsenmassive ausgehöhlt wurden. So wie in Ajanta und Ellora.

Die Tempel sind von außen mit unzählbaren Skulpturen und Reliefen verziert, die um das ganze Gebäude herumreichen. Dargestellt werden natürlich die überlieferten Mythen der Hinduwelt, aber auch weltliche Gestalten. Tiere, Krieger, Musiker, Tänzerinnen, umrahmt von fantasievollen, präzisen Ornamenten. Jede dieser Figuren, sei sie noch so klein, ist sorgfältig und mit allen Einzelheiten fein ziseliert in den Stein gemeisselt. Das Auge mag sich nicht satt sehen. Die hohen künstlerischem Fähigkeiten, die sich hier ausleben konnten, sind überwältigend.

Die weltberühmte Hoysala-Tempelanlage in Belur

Die Darstellung der weiblichen Figuren zeigt, wie sehr sich die Schönheitsideale über die Jahrhunderte ähneln. Jede Tänzerin oder Nymphe verkörpert perfekt die heute im Westen üblichen weiblichen Idealmasse 90 – 60 – 90. Das in der Gegenwart dominierende Erscheinungs-bild der indischen Frauen präsentiert uns dagegen Körper, die einem 110 – 130 – 110 Muster entsprechen. Ein Grund, den Siegeszug des Saris, also des stoffreichen Wickelgewandes der Inderinnen, zu begrüßen. Die äußerst freizügige Kaum-Bekleidung der antiken Figuren findet sich ja, wenn überhaupt, nur noch an liberalen Stränden Europas oder nicht jugendfreien Filmen wieder, die in Indien der Zensur zum Opfer fallen würden.

Umwerfender Hoysaleswara-Tempel in Halebid:

Ist die Welt seit den Tagen, in denen die von uns bewunderten Tempel entstanden, fortschrittlicher geworden? Technisch betrachtet mag das so sein. Was die künstlerischen, architektonischen und handwerklichen Fähigkeiten angeht, kann man Zweifel haben. Und was das Sittenleben betrifft, möge jeder für sich selbst entscheiden, ob wir heute weiter sind als zur Zeit in der das Kamasutra erfunden wurde oder gerade einen Rückschritt mit erleben.

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Belur und Halebid: Wir haben in Hassan, im Hotel Southern Star, übernachtet.