Siem Reap

Je nachdem, wo man zuletzt war, wird der Besucher von Siem Reap eine eigene Ansicht zu dieser Stadt haben. Wir kamen aus Laos, dem herben Land der ewig Lächelnden, die einen, wenn es sein muss, ganz schön ausquetschen und in kurzer Zeit vergessen lassen, welche Freuden eine Konsumgesellschaft mitunter bereiten kann. Unsere Erwartungen waren entsprechend gedämpft, schon deswegen, weil Kambodscha die Repressionen durch Kämpfer gegen den Kapitalismus viel härter erfahren musste, als sein Nachbar. Die Pathet Lao waren keine Khmer Rouge.

Ein wenig fühlte sich, was Waren und Dienstleistungen angeht, Laos an wie die frühere DDR. Umso überraschender präsentierte sich uns Siem Reap. Die Stadt hat Charme, sie versteckt ihn auch nicht hinter teurer Arroganz, wie das von uns gleichwohl geschätzte Luang Prabang. Die Lebensfreude ist spürbar und trifft den Besucher an jeder Ecke. Geschmackvoll, aber manchmal auch bunt, fast kitschig kann Siem Reap wirken. Die Lust am Sein erfährt man am schnellsten bei einem Streifzug durch den alten Markt und die Straßen in diesem Viertel. Obst, Lebensmittel, Textilien, Schneider, Kosmetiksalons, Haushaltwaren, Souvenirs en masse… einfach nahezu alles lässt sich in den Hallen finden. Wem der Atem ausgeht, der kann sich bei einem der ungezählten Fruchtsaftanbieter neue Energie besorgen, wo alle gängigen Obstsorten Südostasiens zu leckeren Shakes verarbeitet werden. Auch hier in Siem Reap lässt sich noch das französische Erbe finden, etwa in Bäckereien mit einem makellosen Angebot an Brot und Gebäck, das direkt aus Paris importiert zu sein scheint. Die Gegend um den Markt wird übrigens auch das französische Viertel genannt.

Trotz der radikalen Verfolgung durch die Schlächter Pol Pots lassen sich auch heute wieder buddhistische Kloster, Tempel und Mönche finden. Von dem, was wir innerhalb der Stadt besichtigten, lässt sich unbedingt Wat Bo empfehlen. Eine Anlage, die schlichter als andere Tempel wirkt und eine besondere Würde ausstrahlt. Wir hatten Glück und konnten den Tempel, der zuerst verschlossen war, zusammen mit einer Familie betreten, die für eine interne Zeremonie eine Öffnung veranlasst hatte.

Manchmal sind es die Einrichtungen des Alltags, die vermitteln, wie die Lebenseinstellung eines Volkes ist. Beispiel: Tuk-Tuk. In Laos sind sie eher spartanisch konstruiert. Nutzfahrzeuge ohne Schnörkel und Federung, die dem Gesäß alles abverlangen. Tuk-Tuks in Siem Reap sind da viel ergonomischer konstruiert, kleine Gesäßschmeichler, bestens gefedert und gepolstert, gebaut wie kleine Karossen, die einfach hinter ein Motorrad gehängt werden. So eine Kutsche könnte auch von Pferdchen gezogen werden. Und wenn mal keine Passagiere da sind, spannt der Fahrer im Gefährt seine Hängematte aus und verpasst sich ein Nickerchen. Hedonismus pur.

Angkor Wat ist natürlich das zentrale Thema dieser Stadt, aber dazu gibt es hier eine spezielle Seite, natürlich mit vielen Fotos.

Viva Siem Reap, weiter so, es macht ungeheuren Spaß in dieser Stadt zu Besuch zu sein! Nur eines dürfen sich die Bewohner gerne von ihren laotischen Nachbarn abgucken. Beerlao ist um Klassen besser, als die Gerstensäfte der Kambodschaner. Prost.

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Siem Reap: Wir haben in der Manjula Villa übernachtet!

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