Zu den Khmer

Unterwegs zu den Khmer. Begleitet uns nach Kambodscha. Wir starten in Laos und haben noch einen Grenzübertritt vor uns. Ein kleines Abenteuer

Was mir am Reisen gefällt: an einem beliebigen Ort auf diesem Globus zu sein, der nicht der regelmäßige Wohnsitz ist. Was mir manchmal weniger daran gefällt ist, an diese Orte zu kommen. Stundenlanges sitzen in Fahr-, Flug- oder Schwimmzeugen nervt mitunter ganz gewaltig und wir ertragen diese Torturen nur, weil wir damit zu einem anderen Ort gelangen. Unser Aufbruch aus der südlichsten Ecke von Laos nach Kambodscha war genau geplant. Die Infrastruktur in der Region der 4000 Inseln ist recht übersichtlich. Es gibt zwar so etwas wie Reiseagenturen, aber hier kam als besondere Erschwernis dazu, dass ein Grenzübertritt anstand. Tja, Indochina ist nicht Schengen und hier haben alle Länder noch eine sehr ausgeprägte Territorialpolitik.

Der geschmeidigste Weg sollte sich mit einem Transportunternehmen namens AVT abwickeln lassen

Sie sind die Erfinder der kürzesten Verbindung von den Inseln in Laos nach Siem Reap. Sie lassen sich einfach kontaktieren und das Buchen funktioniert, dank Internet, nahezu problemlos. Losgehen sollte es nach dem Übersetzen von unserer Insel Don Khon zum gegenüberliegenden Ort auf dem Ufer, Nakasang. Hier galt es, eine Fahrt zur Grenze zu erwischen. AVT hatte präzise beschrieben, wie es abläuft. So haben wir es getan. Die Sache hat nur einen Haken. Nakasang ist fest in der Hand eines Transportkartells, das den gesamten Verkehr zur Grenze kontrolliert, ausgenommen Radfahrer und Fußgänger. Dieses Monopol wird schamlos ausgenutzt. Wer nur zur Grenze will, um dort mit AVT weiter zu reisen, wird mit einem Wucherpreis abgestraft. 11$ pro Person für eine Fahrt im Bus über schlappe 20 Minuten ist Abzocke. Wer will, kann natürlich die gesamte Fahrt mit diesem Kartell buchen und kommt dafür günstiger zur Grenze. Aber am Schluss geht die Rechnung nicht für den Reisenden auf. Draufzahlen tun alle. Und keine Behörde oder Aufsicht juckt diese Situation, weil wahrscheinlich vom fetten Profit ein gewisser Teil zu denen fließt, die solche Verhältnisse kontrollieren sollten.

Wir haben uns nicht abschrecken lassen, sind an der Grenze ausgestiegen und haben, dem Rat von AVT folgend, eine andere Mafia ignoriert.

Die Bande der Visa-Agenten. Die schnappen sich bei der Ankunft von Busen die Passagiere, erwecken den Eindruck, alle Formalitäten zu übernehmen und schlagen dafür auf die ohnehin schon saftigen Gebühren der Laoten/Kambodschaner noch eine Extragebühr drauf. Die Grenzformalitäten kann jeder selbst erledigen, der des Lesens, Schreibens und Stehens mächtig ist. Letzteres, weil man manchmal in einer Schlange warten muss, bis man dran ist. Visa- und Grenzformalitäten sind für die beteiligten Länder eine Art Arbeitsbeschaffung für Beamte, die sonst nutzlos herumsitzen würden. Wir finden das zwar weniger toll, aber abschaffen können wir es nicht. Also: Ärger wegstecken, sich aufregen ist genauso, als würde man über schlechtes Wetter schimpfen.

Bei der Abholung durch AVT gab’s ein kleines organisatorisches Problem, das wir aber ansprechen konnten und mit dem künftige Reisende wohl nichts mehr zu tun haben werden. Schwamm drüber.

Nach Fahrzeugwechsel im ersten Grenzort wurden die Passagiere auf verschiedene Kleinbusse verteilt, je nach dem, wo die Reise hinging

Wir wollten nach Siem Reap bzw. Angkor Wat.

Und wir hatten Pech, der Fahrer unseres Busses war als Aushilfe eingesprungen

Er muss irgendwie einen schlechten Tag erwischt haben. Irgendwann war es ihm zu langweillig, nur zu fahren und er widmete sich seinen Mobiltelefonen. Zwei Stück besaß der Gute, mal sprach er in das eine, dann in das andere und mal sprach er in beide. Mit den Restteilen seiner Arme und Hände versuchte er, so gut es noch ging, zu chauffieren.

Aber auch auf der verkürzten Strecke nach Siem Reap scheint es Götter zu geben, die ein waches Auge über die Sterblichen haben. Als Fingerzeig an den sorglosen Fahrer wurde sein Fahrzeug von einem Teil befreit, das Autohersteller wohl für wichtig erachten, nämlich die Auspuffanlage. Irgendwann lag sie mit einem Scheppern hinter uns auf der Straße. Klar, so etwas lässt niemand zurück. Unser Fahrer hatte sogar die tolle Idee, das glühendheiße, rostige Teil in den Passagierraum zu legen und liess sich nur durch heftige Gegenrede der Betroffenen (insgesamt 13 Fahrgäste) davon abbringen. Das brachte uns einen Minuspunkt ein.

Den nächsten Minuspunkt verpasste uns der Fahrer, als wir ihn baten, doch weniger zu telefonieren und dafür lieber zügig voran zu kommen

Zwei Minuspunkte bewirkten, dass nun unser Fahrer die Geschwindigkeit brachial drosselte und nicht mehr mit 80 sondern nur noch mit 30 Km/Std. weiter fuhr. Aufforderungen, dieses Spielchen zu beenden, funktionierten nicht. Keine Frage, 2 Minuspunkte machen, dass so ein Fahrer seine gesamten Englischkenntnisse vergisst.

Wir haben auch das mit Fassung ertragen, weil wir lange Fahrten in Bussen in den letzten drei Wochen schon recht gut trainieren konnten.

Überraschungen für alle gab es bei der Ankunft in Siem Reap. Die Stadt wirkte wie eine bunte, wuselige Stadt. Die Menschen an der Endstation von AVT begrüßten uns warm und freundlich, luden unser Gepäck aus und versorgten jeden mit einem kostenlosen Tuk-Tuk. Unser Tuk-Tuk-Fahrer war eine Seele von Mensch und die jungen Frauen in der Rezeption unseres Hotels hießen uns herzlich willkommen. Mit einem kühlen Getränk und einem feuchten Tuch, zum Säubern unserer staubigen Hände. Angekommen! Das war nicht Laos, hier war Kambodscha.

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