Gosainkund Trek

Profil:
  • Teahouse Trekking
  • Schmale Wege, keine technischen Schwierigkeiten, etwas Trittsicherheit erforderlich
  • beste Zeit: März – Mai und Oktober – November
  • max. Höhe: Laurebina Pass 4.610 m

Diese Tour hatten wir bewusst ans Ende unseres Aufenthaltes gelegt, waren wir doch vorher in Lumbini, Chitwan und Pokhara gewesen und hatten also die Erholung vor die Mühen gelegt. Ausgangspunkt war Kathmandu, wo wir uns auch mit unserem Porterguide verabredet hatten, um die Details der Wanderung vorzubesprechen und zu sehen, ob unser Führer zu uns passen würde, schließlich kannten wir uns nur durch Emailkontakte.

Unsere Tour begann für uns in Dhunche, das zwar nur 80 km nördlich von Kathmandu liegt, aber trotzdem für uns bedeutete, eine holperige, bergige Strecke über 8 beinharte Stunden, eng gequetscht im Local Bus über uns ergehen zu lassen. Ein Reisetag im Bus, der einem engsten Kontakt zur Bevölkerung verschafft, sieht in Nepal etwa so aus, dass der weibliche Part unserer Minigruppe privilegiert am Fenster sitzt, Sitzfläche etwa im Format DIN A 5, der männliche Part sich in Ritterlichkeit übend, am Gang sitzt und abwechselnd ältere Bäuerinnen auf dem Schoß erträgt, oder winzige Kinder auf der Schulter, die ihn, feucht am Ohr nuckelnd in nepalesischer Babysprache vollbrabbeln.

Wir hatten uns für diese Route entschieden, weil sie bequem in 8 Tagen zu schaffen war und wir zeitig zu unserem Rückflug wieder in Kathmandu sein wollten. Außerdem geht man einen schönen Bogen und kommt am Ende in Kathmandus nördlichen Vorstädten an, was einem die „erlebnisreiche“, lange Busfahrt für den Rückweg erspart. Unser Hauptgrund war aber, dass wir hier erwarten konnten, die Rhododendron-Blüte, immerhin Nepals Nationalblume, zu erleben. April war genau der richtige Monat und das Streckenprofil der Tour blieb über weite Teile noch knapp unterhalb der Baumgrenze.

Der Gosainkund Trek bietet zwar kein ganz so spektakuläres Bergpanorama wie beispielsweise die Annapurna-Region, dafür aber eine ausgesprochen schöne Landschaft, die in weiten Teilen noch nicht so überlaufen ist und herrliche Aussichten auf die Berge des Langtang-Gebirges ermöglicht.

Die ersten Tage geht es recht anspruchsvoll bergaufwärts; meist durch Wälder und über grüne Wiesen. Übernachtet wurde in kleinen, ansprechenden Guesthouses inmitten idyllischer Dörfer, mit guter Küche und gastfreundlicher Atmosphäre, so wie es für Nepal bekannt ist.

Wir waren gut in Form und konnten, besser als erwartet, auch die größeren Höhenunterschiede gut bewältigen. Am Ende des 3. Tages erreichten wir schon die Gosainkunda-Seen, einem berühmten Pilgerort für die Anhänger des Hindu-Gottes Shiva. Wir übernachteten auf 4.380 m Höhe. Nachts war es so kalt, dass in unserem kleinen Zimmer morgens beim Aufwachen nur lausige Null Grad herrschten und unsere Wasserflaschen gefroren waren. Kein Problem, wir und unser Wasser konnten im kuscheligen Wirtsraum, rund um den Bollerofen unseren Aggregatzustand wieder gut normalisieren, bevor wir weiter marschierten.

Leider war es in diesem Frühjahr ausgesprochen kühl, so dass fast alle heilige Seen in Gosainkund unter einer Schnee- und Eisdecke lagen und für uns unsichtbar blieben. Vereinzelt nur lugte kristallblaues Wasser hervor, wo die Sonne ein wenig vom Eis hatte wegschmelzen können. Dafür erwarteten uns andere Eindrücke; zum ersten Mal wanderten wir längere Strecken durch Schneefelder, teilweise bis zu den Oberschenkeln im Schnee versinkend. Aber auch das strahlende Weiß vor knallblauem Himmel ist ein optisches Erlebnis der besonderen Art.

Auch am 4. Wandertag ging es über schneebedeckte Höhen weiter bergan und wir überquerten den Laurebina Pass, mit 4.610 m Höhe unseren bisher höchsten Pass. Pässe sind in Nepal mit bunten Gebetsfahnen und Steinhügeln dekoriert. Für die Gläubigen Orte eines spirituellen Tributs an die ihre verehrten Götter, für uns Meilensteine, stolz zurück zu blicken, was wir an Weg bewältigt hatten und zu schauen, was noch vor uns lag.

Vom Pass ging es zügig bergab, bis nach Phedi. Da wir uns dort nicht gleich heimisch fühlten, entschlossen wir uns spontan, die Etappe bis zur nächsten Hütte, in Ghopte, die noch weitere 3 Stunden entfernt war, anzuhängen, obwohl der Weg wegen des nun wässrigeren Schnees nicht einfacher wurde. Dass jede Region im Himalaya ernst zu nehmen ist, machen folgende Ereignisse deutlich, die wir natürlich kannten: Im Winter 1991/92 verlief sich James Scott, ein australischer Backpacker, hier und war 43 Tage verschollen. Im Juli des selben Jahres verunglückte zwischen Phedi und Ghopte eine Maschine der Thai Airways bei ihrem Landeanflug auf Kathmandu. Das sehr unwegsames Gelände erschwerte damals die Einsätze der Hilfstrupps erheblich.

Wir kamen nach schönen Wandertagen mit Übernachtungen in Ghopte und Magengoth gut in Chipling an. Nicht ganz so viel Spaß machten uns die Abstiege, aber so ist das halt im Gebirge, da hilft es dann, Stöcke zur Hand zu haben.

Wir waren schneller unterwegs als geplant, schon deswegen, weil wir Etappen zusammengefügt hatten, die wir eigentlich durch eine Übernachtung unterbrechen wollten. Deswegen waren wir bereits einen Tag vor Tourende nur noch 7 bis 8 Stunden von Kathmandu entfernt. Das zu bewältigen wäre in einem Aufwasch möglich gewesen. Da wir unserem Guide nicht den letzten Tag kürzen wollten, beschlossen wir, nur bis Chisapani zu wandern, um dort noch einen Tag Erholung einzulegen. Nach guten 3 Stunden erreichten wir den Ort; alles schien richtig gut zu laufen. Den morgendlichen Regen hatten wir hinter uns gelassen, vor uns strahlte unter der Sonne die herrliche Kulisse des malerischen Chisapani.

An diesem Tag, dem 25.04.2015, quartierten wir uns einem der schönen Guesthouses direkt am Rande eines Hügels ein, unter dem sich ein wunderschönes Tal ausbreitete und genossen zunächst die Dusche mit fliessend Warmwasser. Unserer ersten seit fast einer Woche. Dann, so plötzlich wie sie gekommen war, verzog sich die Sonne. Und wir, weil es fröstelig wurde, in unsere Daunenschlafsäcke.

Es ging auf 12 Uhr Mittag zu, als wir fühlten, dass unser Bett rüttelte. Das Bett, das Zimmer, das ganze Haus alles ruckelte und schwankte wild, Fenster sprangen auf, draußen flog Staub und irgendwoher, tief aus der Erde schien ein dumpfes Grollen zu kommen. Erdbeben!

Dann ging alles sehr schnell: raus aus dem Schlafsack, Griff zum Beutel mit den Wertsachen, Hose, Schuhe und raus. Nur weg aus diesem Haus, über zwei Stockwerke nach unten rennend, durch das Untergeschoss, wo umgestürzte Schränke, ein Kühlschrank, zerborstene Flaschen lagen und hinaus. Das Beben hatte gerade mal 1,5 – 2 Minuten gedauert und vor unseren Augen war eine Trümmerwüste. Häuser, ganz oder zum Teil eingestürzt, dazwischen Menschen, weinend, schreiend, verstört sich festhaltend. Von irgendwoher floss auslaufendes Benzin über den Weg, kleine Steinchen, Staub wirbelte. Das Guesthouse, in dem wir vor kurzem noch waren, hing schief auf eingeknickten Pfeilern und uns wurde klar, das ganze Gebäude hätte auch zum Abhang hin zusammenfallen können, ohne die geringste Chance für uns, daraus heil zu entkommen.

Unseren Guide entdeckten wir kurz danach. Wie wir versuchte er, über Handy Kontakt zu seiner Familie zu bekommen, unmöglich. Wir hatten gerade noch ein kurzes Telefonat mit Deutschland führen können, dann brach auch unsere Verbindung ab. Wir hatten keinen Schimmer vom Ausmaß der Katastrophe und beschlossen, mit unserem Guide sofort nach Kathmandu zu marschieren. Obwohl unsere Region nicht im Epizentrum des Bebens lag, das mit einer Stärke von 7,8 zu den stärksten in der Geschichte des Landes zählte, gehörte das ganze Gebiet nördlich von Kathmandu mit zu den am stärksten betroffenen.

4 Stunden dauerte der Marsch nach Kathmandu, durch halb verschüttete Wege,  zerstörte Dörfer, vorbei an schweigenden Menschen, vor den Resten ihrer einstmaligen Häuser sitzend, oder in den Trümmern nach Überlebenden wühlend. Ein elender Anblick. Die Müdigkeit nicht spürend erreichten wir in Sundarijal, einen Vorort von Kathmandu, von wo aus wir das Glück hatten, im Durcheinander ein Taxi zu ergattern, das uns nach Thamel brachte. Wir machten uns auf zum Hotel, unser Guide zu seiner Familie. Wir hörten bald, dass sie unversehrt geblieben war. Unser ganz besonderer Dank gilt dem Management und den Angestellten des Hyatt Regency Hotels in Kathmandu für die selbstlose Hilfe in den Tagen nach dem Beben. Wir waren dort untergekommen, weil wir uns in Thamel während der vielen Nachbeben nicht sicher fühlten.

Und wie steht es heute, ein gutes Jahr nach dem Erdbeben um den Gosainkund?

Das Gebiet wurde weitläufig durch das Erdbeben zerstört. Vom schönen Dorf Thulo Syabru wissen wir, dass von ursprünglich 150 Häusern nur 3 Häuser stehen geblieben sind; das Kloster und die Schule wurden komplett zerstört. Auch Brabal, Laurebina Yak, Ghopte, Kutumsang, Chipling, Pati Bhanjyang, Chisapani etc. wurden, ähnlich wie Thulo Syabru und unzählig andere Dörfer, größtenteils dem Erdboden gleich gemacht. Inzwischen soll der Gosainkund Trek wieder für Touristen freigegeben und viele Lodges wieder geöffnet sein. Trotzdem wird es noch einige Zeit dauern, bis sich Natur und Menschen erholt haben. Dass es gelingt, ist keine Frage. Die Nepalis haben die Kraft und den Willen, leider auch die Erfahrung, mit solchen Katastrophen umzugehen. Was offen ist, wie viel Zeit sie dafür benötigen, und ob es gelingt, die Hilfen von außen den Betroffenen direkt zufließen zu lassen, ohne Schwund durch Korruption.

Ein Jahr nach dem verheerenden Beben – wie es in Nepal im Frühjahr 2016 aussieht.

Trekking-Tour:
 
Tag 01

Per Bus von Kathmandu – Dhunche (1.960 m) – 8 h

Tag 02

Dhunche – Brabal – Thulo Syabru (2.210) – 4 h

Tag 03

Thulo Syabru – Foprang Danda – Shin Gompa (3.584 m) – 5 h

Tag 04

Shin Gompa – Laurebina Yak (3.910 m) – Gosainkund (4.380 m) – 6 h

Tag 05

Gosainkund – Laurebina Pass (4.610 m) – Phedi (3.630 m) – Ghopte (3.530 m) – 7 h

Tag 06
Ghopte – Thadepati (3.690 m) – Magengoth (3.390 m) – 5 h

(sehr lohnender Ausflug zum nahe gelegenen View Point, Dorje Lakpa)

Tag 07

Magengoth – Kutumsang – Chipling – 6 h

Tag 08

Chipling – Chisapani (2.194 m) – 3 h

Tag 09
Chisapani – Sundarijal (1.400 m) – 4 h

Per Bus von Sundarijal – Thamel – ca. 1 h