Calanques bei Cassis

Einige der malerischsten Ausblicke auf das Mittelmeer und seine Küste bietet die Umgebung von Cassis, der Fischerstadt zwischen Toulon und Marseille. Schon die Anfahrt, von Osten kommend ist ein Erlebnis, ein guter Grund, diesen Weg der Beschreibung unserer Wandertour voranzustellen. Ab der Autobahn wählen wir die D559 für einen Abstecher nach Sanary-Sur-Mer, ein Städtchen, das sehr authentisch und intakt wirkt, ohne viel Schickimicki und mit einem Hafen, in dem die Fischerboote noch in der ersten Reihe dümpeln, anstelle von Luxusyachten.

Wir halten uns weiter an der küstennahen Straße, obwohl unser Navi im Verbund mit den Hinweisschildern alles daran setzt, uns zur Autobahn zu führen. Ab der Ortschaft La Ciotat bringt uns die „Route des Crêtes“ weiter nach Cassis.

Eine echte Höhenstraße, die von stürmischen Gipfeln prächtige Panoramablicke auf das Meer und unseren Zielort erlaubt. Dafür halten wir bei einem der Parkplätze und lassen uns, vom Mistral umtost, auf die vor uns liegende Wanderung einstimmen.

Unser Wanderführer empfiehlt uns, den Ort Cassis mit in die Tour einzubinden; der Gang durch die Altstadt soll lohnend sein. Das wollen wir gerne glauben, allerdings gibt es für Besucher, die mit dem Wagen anreisen, ein Problem, für das wir keine andere Lösung finden, als weiterzufahren. Die Parkplätze im Zentrum sind rar und voll belegt. Wir finden schließlich eine Möglichkeit beim Stadtstrand „Plage Bestouan“. Den unserem Wanderweg nächstgelegenen Parkplatz am Ende der „Avenue des Calanques“ versuchen wir gar nicht erst anzufahren, die besten Enttäuschungen sind immer noch die, welche man selbst nicht erleben muss.

Dafür wandern wir vom „Plage Bestouan“ über die leicht ansteigende Küstenstraße, vorbei am Hotel Roches Blanc, durch ein Wohnviertel und folgen dem Wegweiser „Calanque Port-Miou“, bis zu einer Art Eingangsbereich ins Wandergebiet, wo wir auch den Hinweis auf den rotweißen Fernwanderweg GR 51 entdecken.

Liegt es daran, dass heute ein Feiertag ist oder am schönen Wetter? Wohl in der Kombination beider Faktoren, der breite Weg ist gut besucht. Einzelne Wanderer, Pärchen, wandernde Familien und marschierende Clans ziehen teils forsch, teils gemächlich über den breiten Weg parallel den Calanques – so heißen die fjordartigen Küsten auf französisch – dazwischen hechelnde Läufer, die den Parcours mit Tempo durchlaufen.

Nach kurzer Zeit verengt sich der Wanderweg und schlängelt sich leicht nach oben. Wir folgen den rotweißen Balken oder auch nur den Wanderern vor uns; an diesem Abschnitt ist die Orientierung noch übersichtlich. Wir genießen herrliche Ausblicke auf die Calanque de Port-Miou. Durch ein bewaldetes Stück führt der Weg dann nach steil bergab. Die Steigung ist zu bewältigen, Problem ist lediglich der Untergrund, der über spiegelglatte Steine führt. Weil solche schlidderigen Passagen noch an anderen Stellen der Tour auftauchen, empfiehlt es sich, die Flipflops vom Strandurlaub gegen Wanderschuhe mit gutem Profil einzutauschen. Sogar Stöcke wären hier nützlich. Die haben wir nicht, aber unsere Schuhe sind ganz ordentlich, so dass wir ohne Auszurutschen an der Sohle des Hügels ankommen.

Dann nur noch wenige Schritte und ein plätscherndes Idyll tut sich auf: Die kleine Bucht „Calanque de Port-Pin“ mit türkisfarbigem, kristallklaren Meerwasser. Vom Ministrand, an dem schon die ersten Wanderer rasten, führen flache Felsen in die Bucht. Auch dort sitzen Leute, jung und alt, spielen Kinder, toben Hunde, wird gepicknickt.

Es gibt mehrere Möglichkeiten weiter zu wandern; wir folgen von jetzt ab der blauen Wegmarkierung und dem Pfad, der an der rechten Seite der Bucht hochsteigt. Steine und Schotter bilden den Untergrund, zur Linken haben wir von nun an fantastische Ausblicke übers glitzernde Meer und hinab in die Calanques, schroffe, steilabfallende Felsen, zwischen dem satten Grün des Waldes.

Auf und ab führt der Pfad; hier sind deutlich weniger Wanderer unterwegs, als der Beginn unserer Tour befürchten ließ. Auch auf diesem Wegabschnitt werden Pausen eingelegt. An exponierten Stellen mit Aussicht rasten kleine Grüppchen von Wanderern, oft schmausend. Ja, im genussbewussten Frankreich führt jeder eine leckere Brotzeit im Rucksack mit sich.

Inmitten dieser rauen Landschaft taucht tief unter uns taucht die „Calanque d’en Vau“ auf. Eine Traumbucht, mit ihren hoch aufragenden, weißen Felswänden, dem knallig türkisen Wasser und einem schönen kleinen Strand am Ende.

Wir folgen der Biegung des immer noch blau markierten Weges und kommen an eine Stelle, die großartige Blicke auf das Meer und die gegenüberliegenden, hochaufragenden Felszacken erlauben.

Wir heften uns weiter an die blauen Markierungen, bis zu einer Kreuzung. Hier geht es links zur „Calanque d’en Vau“; wir schenken uns jedoch diesen Umweg, der mit einem sehr steilen Abstieg enden würde. Außerdem haben wir ja schon das Beste, nämlich die sehr speziellen Küstenpanoramen der Calanques gesehen. Geradeaus weiterzugehen würde uns noch mindestens 3 weitere Wanderstunden bescheren. Wir entscheiden uns stattdessen, wieder den rotweißen Kennzeichnungen des GR zu folgen und nehmen den rechten Weg. Dieser Pfad führt stetig bergab, ist technisch nicht allzu schwierig und bringt uns am Ende wieder zur Calanque de Port-Pin.

Zeit für eine kleine Rast, die kleine Bucht vermittelt eine schöne, entspannte Stimmung. Dann machen wir uns auf den Rückweg, zurück zum Parkplatz am Stadtstrand.

Die wichtigsten Angaben zu dieser Tour noch einmal auf einen Blick:
Gesamtdauer netto, ohne Pausen: 3 Stunden
Höhenunterschied nach oben: 250 Meter
Höhenunterschied nach unten: 250 Meter
Ausrüstung: Unbedingt Wanderschuhe, evtl. Badezeug
Schwierigkeitsgrad: einfach
Erlebnisfaktor: hoch

 

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