Sengkang

Das Ritual, wenn Du in eine neue Stadt kommst, ist eigentlich immer das gleiche: Erst wird der Standort bezogen, dann folgen die ersten Schritte links und rechts die Straße hinunter, das Herantasten an die Sehenswürdigkeiten, die man nicht versäumen will.

In Sengkang läuft es heute atypisch. Wir kommen kurz vor 16.00 Uhr im Hotel an, versuchen ein Einchecken in Superzeit. Natürlich gelingt das nicht, weil der Empfang schnarchig besetzt ist und die beiden Gäste, die einen Schritt vor uns in der Lobby sind, das Prozedere eher entschleunigen. Heute sind wir in Eile. Sengkang ist nur ein Zwischenstopp und was wir sehen möchten, muss vor Sonnenuntergang erreicht werden, sonst haben wir mit Zitronen gehandelt. Die Sehenswürdigkeit, die uns lockt, ist der Tempe See, oder präziser, die schwimmenden Häuser der Fischer.

Irgendwie schaffen wir es, doch schnell am Bootsanleger zu sein, von dem aus die Besucherboote starten. Glückes Geschick, dafür brauchen wir nur die Straße zu überqueren. Mit Adi, dem Käpt’n, sprechen wir den Preis ab. 14 € kostet die Tour für 2 Personen. Das ist fair; wir werden am Ende dafür 2,5 Stunden unterwegs gewesen sein.

Der Anleger liegt an einer Art Kanal, der sich durch eine grüne Pflanzenwelt windet. Zu Beginn säumen noch Stelzenhäuser und einige Moscheen beide Ufer, dann erleben wir nur noch Natur. Im Vorbeifahren fallen uns große Stapel und Flöße von mächtigen Bambusstämmen auf, deren Bedeutung wir allerdings erst später erfahren sollen. Der knatternde Motor unseres Bootes übertönt jede Unterhaltung mit Adi. Auf einigen der hohen Gewächse, die wir passieren, sitzen Kolonien von Wasservögeln, Kormorane und Reiher. Ein gutes Zeichen finden wir, hier scheint die Natur noch im Gleichgewicht.

Wenig später mündet der Kanal in den See. Ein malerischer Anblick. Die Wasseroberfläche kräuselt sich kaum, in der Ferne sind Bergketten zu erkennen. Kleine Inseln aus Wasserpflanzen beleben das Bild, dazwischen sind Fischerboote unterwegs, Seeschwalben, aber auch Schwärme von größeren Wasservögeln begleiten uns, immer bereit, aus dem Flug hinabzutauchen, um mit einem Fisch im Schnabel weiter zu flattern.

Dann sehen wir die ersten schwimmenden Häuser des Fischerdorfes. Die Häuser, die auf großen Flößen gebaut sind, liegen ruhig und stabil auf dem See. Dafür also werden die Bambusstämme gebraucht, die wir vorhin gesehen haben.

Adi legt an einem der Häuser an. Mein Onkel, meine Tante, erklärt er uns, als wir eintreten. Von innen unterscheidet sich nichts von einer normalen Wohnung. Die Räume sind hochgebaut und bieten genügend Platz für mehrere Personen. Es gibt eine Küche mit Wohn- und Schlafbereich, gemütlich hergerichtet. Davor liegt der innere Arbeitsbereich des Fischers: Große Bottiche, randvoll gefüllt mit Fischen in Salzlake, die hier bis zum Verkauf auf dem Markt gelagert werden. Auf dem Vorschiff des Floßes gibt es noch eine separierte Toilette, dezent umkleidet mit Sichtschutz.

Mithilfe unseres Käpt’ns fragen wir den Fischer und seine Frau ein wenig aus. Ja, sie haben 3 Kinder, die aber im nächsten Ort bei den Großeltern leben und dort zur Schule gehen. Die Kinder kommen an den Wochenenden auf den See. Man lebe auch nicht in der Trockenzeit auf dem Boot, dann sinke der Wasserspiegel auf 50 cm. Das Floß, auf dem das Haus steht, muss alle 2 Jahre erneuert werden. Die Eheleute wirken zufrieden.

Das wird auf den anderen Booten diese schwimmenden Dorfes kaum anders sein. Die Leute lachen, winken herüber. Wir sehen eine heile Welt, die übrigens auch ökologisch voll intakt zu sein scheint. Kein herum schwimmendes Plastik, kein Müll, eine ausgewogene Mischung aus Wasser, Tieren und Pflanzen, wo noch nichts umgekippt ist und der Mensch nicht mehr zerstört, als er erhalten kann.

Adi fragt uns, ob wir zum Tee gebackene Bananen nehmen. Klar, nehmen wir. Wir bekommen eine große Portion mit Zucker und dampfenden Tee. Und dann genießen wir einfach und freuen uns, dass der Sonnenuntergang trotz der dunklen Wolken nicht verregnet ist, sondern sich für uns ein Wolkenfeld als Bühne gewählt hat.

Die Rückfahrt in die Dunkelheit hinein ist nicht weniger spannend als der Beginn unseres Ausfluges. Nur, dass jetzt überall, wo die kleinen Häuser stehen, Lichter flackern. Wie es im Rest der Stadt aussieht, interessiert uns heute Abend nicht mehr, wir haben, denken wir, das Beste erlebt, was Sengkang zu bieten hat.

Wie wir hierher kamen und wie es weiter ging.

Makassar, Bira, Tana Toraja, Trekking in Tana Toraja

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