Tschüss Sommer, wir sind im Süden

Nee, so doll war das bisher nicht, mit dem Juli im Norden. Zu viel grau, wo der Himmel blau sein sollte, heftige Niederschläge und Stürme, die Versuchung, am Heizungsknopf zu drehen, um wohlige Wärme zu erzeugen. Bevor es soweit kommt, setzen wir uns ab. Eine kurze, knackige Vorbereitung reicht uns. Wir wollen in die Dolomiten, haben dafür auch ein Motto: Trekking auf sonnigen Almen und unterwegs in herausragenden, gebirgigen Landschaften.

Zum ersten Mal wagen wir uns mit dem Blauen auf eine lange Distanz. Gemütlich soll es ablaufen, ohne Staus und Autofahrerstress. Tatsächlich haben wir Glück, die A7 beschert uns geschmeidiges Durchkommen. Verstopfte Straßen sehen wir, aber heute nur auf der Gegenfahrbahn. Bevor wir unser Karma preisen, holt uns die Realität ein und zwar in Österreich. Der Weg heißt nun B179, an der Frontscheibe klebt inzwischen die Vignette, wir passieren Mautland. Und eine Region, die auf wunderliche Weise Staus generiert. Für die letzten 50 km brauchen wir mehr als 1,5 Stunden. Einen Grund für diese brachiale Entschleunigung finden wir nicht. Es gibt auf diesem Abschnitt weder Baustellen, noch Unfälle noch Prozessionen oder Demonstrationen. Irgendwann löst sich der Spuk auf.

Erster Halt ist der kleine Ort Nassereith in Tirol. Eine prächtige Pfarrkirche gibt es hier und klerikale Traditionen. Kruzifixe mit dem Herrgott sind hier so häufig wie hinduistische Schreine in Indien. Der Leibhaftige möge uns holen, sollten wir je wieder über das Joch der Religionen in Asien herziehen. Wir beschließen, uns den schönen Dingen Nassereiths zu widmen. Den blumengeschmückten Balkonen, der bürgerlichen Idylle aus gepflegten Häuschen, einem kleinen, funkelnden See, der malerisch hinter der Kirche liegt, dem Rundweg, an dem die Angler sitzen, auf ihrer stillen Jagd nach Forellen.

Der Empfang in unserer Pension ist herzlich und die betagte Wirtin fragt tatsächlich als erstes, ob wir kein WLAN brauchen. Nassereith hat Zugang zur digitalen Welt. Briefe, so die Betagte, schreibe sie schon lange nicht mehr, nur noch E-Mails. Moderat geht es hier zu, auch was die Speisekarte im zentralen Gasthaus, dem „See Bua“, betrifft. Die Portionen sind mächtig, die Preise moderat.

Für die Weiterfahrt müssen wir umdisponieren. Über den Brenner kommen wir nicht, am nächsten Morgen wird er gesperrt sein, wegen einer Bombenentschärfung. Unsere neue Route führt uns über das Timmelsjoch, vorbei an Ötzidorf und anderen, wunderschönen Orten. Eigentlich hätten wir auch ohne WK2-Bombe darauf kommen können, dass diese Strecke die attraktivere ist. Aber manchmal brauchen auch wir einen Anstupser.

Der Weg zum Pass ist malerisch, das Wetter ausnehmend gut: Sonne, Fernsicht, blauer Himmel. Eine ideale Kombination, aus der Landschaft die schönsten Bilder festzuhalten. Über Serpentinen schrauben wir uns hoch auf 2.509 Meter, die Fahrt macht Spaß und überrascht uns mit grandiosen Aussichten.

Nervig sind die Schwärme von Motorrädern, die in beiden Richtungen teilweise mit einem gnadenlosen Affenzahn unterwegs sind. Einige PKW-Fahrer lassen sich davon derart verunsichern, dass man meint, sie wollten ihren Wagen am liebsten am Straßenrand abstellen. Etwa der Zauderling vor uns, dem es gelingt eine gigantische Auto-Schlange hinter sich aufzubauen, weil überholen, für alles was 4 Räder hat, kaum möglich ist.

Wir sind jetzt in bella Italia, in Südtirol. Landschaftlich nimmt sich das nicht viel gegenüber der österreichischen Seite. Ein wenig vielleicht in der Architektur, uns fallen jetzt mehr Burgen auf. Noch ein weiterer Gebirgsübergang will genommen werden, der Jaufenpass. Nicht ganz so hoch wie das Timmelsjoch, aber ebenso reizvoll.

Am frühen Nachmittag erreichen wir unsere nächste Zwischenstation, Oberrasen. Nach der 5-stündigen Fahrt schreien unsere Körper nach Bewegung. Keine halbe Stunde entfernt von unserer Unterkunft liegt der Pragser Wildsee, der als einer der schönsten in den Dolomiten gerühmt wird. Wir gönnen uns einen Spaziergang um den See, Giro del Lago, wie die Italiener diesen kurzen Wanderweg nennen.

Das ist unser Einstieg in den Dolomiten Rundkurs, den wir am letzten Tag unserer Herfahrt ausgiebig mit dem Wagen erkunden. Mehr dazu könnt Ihr hier finden.

Unser eigentliches Ziel, Vervo, im Val di Non ist für die nächsten 7 Tage unser Basiscamp, von dem aus wir unsere Exkursionen unternehmen. Was wir dort erleben, könnt Ihr hier nachlesen. Dass die Anfahrt lang dauert, macht nichts, dieses Mal ist der Weg selbst bereits ein großartiger Teil des Urlaubs. Und Zeit, ja die haben wir ohnehin in Fülle. Übrigens haben wir in Norditalien zum ersten Mal Anlass, über Airbnb zu buchen, das für uns hier den Hotelangeboten deutlich überlegen ist. Auch dazu werden wir berichten.

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