Zur letzten Etappe auf Flores

Nach Moni zu kommen, ist nicht kompliziert, sei es vom Osten oder, wie wir, vom Westen kommend. Die 3 Standardoptionen, die dem Reisenden angeboten werden, fragt er nach der günstigsten Verbindung: „Taxi“ – „shared taxi“ – „local bus“ sind durchweg nutzbar. Wir wählen meist für die mittlere Option, das Sammeltaxi. Preisgünstig und vertretbar komfortabel. So kamen wir her, so wollen wir auch von Moni weiter nach Maumere. Funktioniert im Prinzip, erklärt uns Tobias der Wirt, wenn sich vor Ort genügend Leute zusammenfinden oder gerade ein Sammeltaxi ankommt, das Fahrgäste absetzt.

Da die Atomisierung der sozialen Kontakte zwischen Travellern in Zeiten der Smartphones die Chancen reduziert, eine Fahrgemeinschaft zu bilden und Du eher einen Jackpot im Lotto gewinnst, nehmen wir uns vor, in Geduld zu investieren. Gleich nach dem Frühstück warten wir einfach ab, was zuerst daher kommt und zahlende Fahrgäste mitnimmt.

Glückes Geschick, keine 15 Minuten später gibts eine Gelegenheit. Kehrseite der Medaille, es ist ein „local bus“. Von außen laden solche Fahrzeuge durch popige Kosmetik durchaus zum Einsteigen ein. So auch unser Bus. Aber wie’s da drinnen aussieht, merkst Du immer viel zu spät. Also was tun? Ok, wir fahren. Im schlimmsten Fall sind wir 5 Stunden in einer Folterkammer unterwegs, im besten 3 Stunden unter vertretbaren Bedingungen.

Wir bekommen Platz, wo Senioren in solchen Bussen gerne sitzen, nämlich in der Reihe hinter dem Fahrer. Genau unter einem Lautsprecher. Das Gepäck wird locker aufs Dach gelegt. Unser Tipp, die Taschen festzubinden, wird mit gelassener Nonchalance übergangen. Nicht nötig, das läge dort sicher.

Nach einer halben Stunde Fahrt gibt’s die erste Pause, in der Raststätte Bethania. Die wird von katholischen Schwestern betrieben, die in Ordenstracht servieren, abräumen und Mahlzeiten zubereiten. Etwas unentschlossen herumstehend, werden wir auf Deutsch angesprochen. Vor uns steht eine betagte, zierliche Schwester, mit freundlichem Gesicht. Laetitia. Wir kommen ins Gespräch, erfahren, dass sie 7 Jahre in Deutschland war und anschließend noch ein paar Jährchen in Luzern. Nomen est omen, Schwester Fröhlichkeit, so ihr Name in der Übersetzung, ist eine Nonne wie aus dem Bilderbuch. Herzlich, gütig, offen auf Menschen zugehend.

Wir hoffen auf ihren Segen für die Weiterfahrt und inspizieren unser Fahrzeug genauer. Der Bus verkörpert geradezu perfekt das Ideal eines „local bus“ auf Flores, das wir versuchen wollen, einmal zu beschreiben:

Meist sind solche Busse Fahrzeuge mittlerer Größe. Sie können 25 Passagiere befördern und dazu Stückgut mit einem Volumen, das kein Außenstehender einschätzen kann: auf dem Dach, am Heck hängend und im Fahrzeuginneren. Unser Bus ist ein Mitsubishi-Fabrikat, hat aber mit der Werksausführung, zumindest optisch, kaum noch etwas gemein. Fantasiereich koloriert mit meisterlichen Airbrush-Bildern, sind local busses echte Hingucker. Accessoires wie verchromte Zierleisten, Gitter und Zusatzscheinwerfer sind Pflicht. Und immer wieder Spiegel, die dem Fahrer Sicht auf alles erlauben, was sich hinter, neben, unter und über dem Bus abspielt.

Das Spiegelthema setzt sich im Cockpit fort. Diesen Teil des Busses als Fahrerkabine zu bezeichnen wäre eine schnöde Beleidigung. Vor dem Buspiloten lassen sich wenigstens 10 – 12 Innenraumspiegel ausmachen. Das Armaturenbrett ist Präsentationplattform für Plüschmaskottchen, Kleenexbox-Verkleidungen in Form von winzigen Sofas, und Aufkleber. Das eigentliche Herz des Cockpits ist aber die Audiozentrale. Hier kann Musik aus unterschiedlichsten Quellen, USB-Sticks, Radio, CDs und jedem denkbaren Speichermedium eingespeist werden.

Der Lauststärkeregler ist das hervorragenste Zeichen der Macht jedes Piloten. Nur er darf diesen Regler bedienen, ihn bis zum Anschlag hochziehen und die Klänge seiner Wahl an fette Basslautsprecher und Hochtöner mit Sirenensound weiterleiten. Boney M wird hier gerne gehört, Discoklänge aus den 1970 und ’80er Jahren sowie Reggae bis zum Ableben.

Der Bereich für die Passagiere ist denkbar schlicht gehalten. Ziel ist es, möglichst viele Fahrgäste so anzuordnen, dass möglichst wenig Fläche verschwendet wird. Optimal ist, Passagiere wie Mosaikteile ineinander zu stellen, um höchste Wirtschaftlicheit zu garantieren.

Die Fahrt geht weiter. Wie immer auf Flores durch schönste Natur. Der früher bemängelte, schlechte Straßenzustand gehört in die Annalen der Insel. Die asphaltierte Ost-West-Trasse ist auf jeden Fall zwischen Labuan Bajo und Maumeres in einem hervorragenden Zustand.

Trotz gelebter Omnipräsenz der Figur im Cockpit, sind zu unserer Überraschung die Fahrgäste nicht rechtlos. Jeder Einzelne kann machen, dass der Buss anhält. Nicht nur zum Aussteigen. Entdeckst Du etwa am Wegesrand ein bekanntes Gesicht, hält der Bus für ein kleines Schwätzchen. Kein Problem auch, eine Pinkelpause zu bekommen, Zuruf genügt.

Das alles läst uns zweifeln, zeitnah anzukommen. Gleichwohl, irgendwie schafft es der Bus, dass wir mit einer Nettofahrzeit von nur 2,5 Stunden, für 3,50 € pro Person am Ziel sind und sogar direkt vor der Zufahrt zu unserem Resort aussteigen können. Und das Gepäck ist auch nicht vom Dach geschleudert worden, diverser Bremsvorgänge zum Trotz. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass während der Fahrt unser Ohrstöpsel zum Einsatz kommen, wer lädiert schon gerne seine Trommelfelle, nur weil er von A nach B will.

Fazit dieser Etappe: Günstiger gehts kaum. Vielleicht hat uns heute der fromme Wunsch von Schwester Laetitia etwas geholfen, auf Flores ist fast alles denkbar.

Wir sind in Maumere, der letzten Station unserer Flores-Reise. Von hier aus werden wir in einigen Tagen nach Bali fliegen.

2 Gedanken zu „Zur letzten Etappe auf Flores

  1. Wenn ich euren Beitrag über Flores lese, bekomme ich nicht nur direkt Fernweh (das lässt sich verschmerzen, da ich in 3 Wochen nach Indien aufbrechen werde ), sondern bin auch ein klein wenig neidisch, denn auf Flores habe ich zeitlich nur Labuanbajo geschafft. So gerne hätte ich Maumere noch gesehen. Tolle Bilder.

    • hallo Manu,

      die kleine Portion Neid ist vielleicht ein guter Grund, Flores ein weiteres mal zu erkunden. Mit Labuan Baja hast Du auf jeden Fall das schönste Highlight von Flores schon erlebt. Kelimutu reicht da noch heran und Maumere gehört zwar irgendwie dazu aber ist halt nur spannend, wenn man schnochelt oder taucht. Da nun Indien Dein nächstes Ziel ist, hast Du mehr als eine Kompensation vor Dir. Das macht wiederum uns ein wenig neidisch. Viel Spass dabei.

      Gruss Christiane und Aras

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