Unterwegs in Guangxi

Wir lassen Yangshuo hinter uns, buchen über das Hotel die Weiterfahrt mit dem Bus. Ziel sind die etwa 170 km entfernten Reisterrassen von Longji. Mit dem Taxi geht es zum Busstand Yangshuo, wo wir in einen normalen Bus steigen, der zwischen den Ortschaften regelmäßig verkehrt.

Dafür bezahlen wir für jeden von uns 120 Yuan. Ein all-inclusive-Preis, der neben der Taxifahrt auch die eigentlich unbezahlbare präzise Hilfestellung durch das Hotelpersonal beinhaltet, das sich wirklich rührend um die Belange seiner Gäste kümmert.

Bei der Ankunft im Touristenzentrum der Reisterrassen wechseln wir den Bus, weiter geht es dann im gelben, lokalen Bus. Außerdem wird gleich das Eintrittsgeld für das Gebiet kassiert, 80 Yuan pro Person. Das scheint preiswerter als es im Reiseführer beschrieben wird, vielleicht, weil alle Businsassen als Gruppe gelten. Gruppen zahlen nämlich bei Sehenswürdigkeiten reduzierten Eintritt.

Fast eine Stunde braucht der gelbe Bus durch bergige Kurven bis zum Dorf Dazhai. Nach einem kurzem Stopp, bei dem man Gepäck deponieren kann, geht es weiter zum Ankunftsbereich. Um zu unserer Unterkunft zu kommen, gibt es zwei Optionen: Entweder 40 Minuten hochwandern und unser unhandliches Gepäck Trägern übergeben, Preis pro Last ist 40 Yuan. Oder mit dem Jeep hochfahren lassen, was 150 Yuan kostet. Letztere Option ist neu und wird in den Reiseführern noch nicht beschrieben. Blogs wie unserer sind in dieser Hinsicht fixer.

Als Bestager enscheiden wir uns ohne zu zögern für den Transport mit dem Auto, tja, Alter kennt manchmal auch Privilegien, die man sich selbst ohne Schuldgefühle gönnen darf. Über eine neue Straße gelangen wir bis zum Rand des Dorfes Tiantou; von hier aus sind es nur noch 5 Minuten zu unserem Hotel, das mit einer prächtigen Lage am Rand der Reisterrassen aufwartet

Wie wir die Reisterrassen von Longji erleben, könnt Ihr hier nachlesen.

Nach zwei Tagen setzen wir unsere Reise fort. Die Abfahrt funktioniert in genau umgekehrter Weise wie die Ankunft: Abholung mit dem Jeep – Transfer nach Dazhai – weiter für 30 Yuan pro Person im gelben Bus nach Longsheng, dem nächsten, größeren Ort.

Gut, dass wir früh gestartet sind; die Fahrt zieht sich hin. Fix geht allerdings der Buswechsel. Kaum in Longsheng angekommen, zeigt unser Busfahrer uns den Bus, den wir brauchen, auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Alles läuft wieder geschmeidig, man hebt unsere Taschen hinein, wir bekommen ein Willkommenslächeln und schon geht’s weiter.

Im Bus zahlen wir den Fahrpreis bis nach Sanjiang: 21 Yuan für jeden auf eine Distanz von 50 km. Dort finden wir schnell einen Taxifahrer, der uns für ehrliche 60 Yuan die knapp 20 km bis ins Dorf Chengyang bringt.

Es wäre schön, wenn damit die variablen Ausgaben für heute beendet wären, leider werden wieder Eintrittsgelder fällig, insgesamt 120 Yuan.

Wie wir Chengyang erleben, könnt Ihr hier nachlesen

Nach 2 Nächten verlassen wir das Dong-Dorf. Weiter geht es mit dem Zug. Da wir vor der Reise nicht sicher waren, wie die Route verlaufen soll, hatten wir als Abfahrbahnhof Guilin gebucht. Tatsächlich ist es auch möglich, direkt vom Südbahnhof in Sanjiang zu starten, einige der Schnellzüge halten hier. Egal, wir stehen vor unserer ersten Eisenbahnfahrt und wenn das mit einer Umsteigesituation verbunden ist, lernen wir gleich noch ein wenig dazu.

Fahrkarten haben wir bereits vorbereitend in Deutschland reserviert und dann in Xing‘an die Fahrkarten am Ticketschalter abgeholt. Wie so eine Zugfahrt überhaupt funktioniert, beschreiben wir noch auf einer separaten Seite. Jetzt nur soviel: Als Ausländer halten wir Pässe und Fahrkarten bereit und lassen uns beim Betreten des Bahnhofs durchchecken. Schließlich landen wir im Wartesaal vor dem richtigen Bahnsteig, warten bis signalisiert wird, dass der Zug einsteigebereit ist, finden unseren Waggon im Highspeed-Zug und dort unsere nummerierten Sitzplätze.

Es geht zur Station Guilin West. Dort wechseln wir zum Bahnhof Guilin Nord, wo die Züge nach Kunming halten. Für uns bedeutet das eine kleine Fahrt durch die Stadt. Busshuttle mag es zwar geben, aber die Haltestelle erschließt sich uns nicht, wir fahren deswegen per Taxi. Wer viel reist weiß irgendwann: Willst Du richtig abgezockt werden, wende Dich vertrauensvoll an Taxifahrer. Man spricht uns an, auf die Frage nach dem Fahrpreis bekommen wir zur Antwort: 200 Yuan. Das ist unverschämt viel. Wir halten dagegen und drohen, Polizisten zu fragen, warum kein Fahrer bereit ist, wie vorgeschrieben mit Taximeter zu fahren. Auf magische Weise sinkt der Fahrpreis auf 60 Yuan. Sicher immer noch überteuert, aber akzeptabel, wir haben wenig Lust auf einen zeitraubenden offiziellen Protest.

Unsere erste Zugfahrt klappt einfacher als erwartet. Wenn man das System erst einmal verstanden hat, ist alles narrensicher – trotz der Sprachbarriere.

Reisen im Hochgeschwindigkeitszug sind klasse. Schnell, relativ preiswert, komfortabel und der Spruch „Pünktlich wie die Eisenbahn“ trifft in China noch zu. Unser Zug fliegt mit einer Geschwindigkeit von fast 300 km/h durchs Land. Leider erlaubt die Streckenführung nur wenig Blicke in die Landschaft, dafür erleben wir endlose Tunnel. Untertagefahrten sind zwar eine erstklassige Ingenieurleistung, aber das Auge reist eben gerne mit. Dennoch, manche der raren Aussichten, die sich bieten, sind atemberaubend. Etwa dann, wenn der Zug höchste Trassen quert und schwindelerregend tief unter uns, Landschaften und Autobahnen im Spielzeugformat auftauchen.

5 Stunden später sind wir am Südbahnhof in Kunming, der ungefähr 28 km entfernt vom Zentrum liegt, wo wir unser Hotel haben. Mit dem Taxi ein kleines Tagesbudget, mit der Metro, die hier fährt, sehr günstig. Aber wie? Wir sind in China noch nie mit einer U-Bahn… Learning bei doing! Wir steuern das Kabäuschen neben den Ticketautomaten an und lassen erkennen, dass wir keine Ahnung haben und Hilfe benötigen. Die Mitarbeiterin erbarmt sich der Ausländer, begleitet uns zum Automaten und zeigt Schritt für Schritt, wie wir an Tickets kommen.

Wir werfen 2 x 6 Yuan ein, der Rest ist einfach, „same procedure as …“ Sicherheitskontrolle, Ticketentwerten dann ab zum Bahnsteig. Im Zug und an jeder Station finden sich ausreichend Hinweise auf Englisch, so dass wir an der richtigen Station aussteigen und natürlich unsere Tickets zur Hand haben, um wieder auszuchecken.

Zwischenfazit unserer ersten Tage: Reisen in China ist bequem, sicher und einfach. Wir haben uns das vor Beginn unseres Chinabesuches viel schwieriger vorgestellt. Um das zu tun, was wir beschreiben, genügt in aller Regel der gesunde Menschenverstand, Respekt und Verständnis für das Land. Dann klappt das locker auch ohne Guides und erspart einem, eine kostspielige Gruppenreise zu buchen. Zeitverluste, weil man alles selbst organisiert, haben wir keine, weil jeder, den wir ansprechen, gerne weiterhilft.

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