Seltsames Indien – Teil 1

Unterwegs in Indien – Seltsames Indien

Angekommen in einem kleinen Paradies, wo alles friedlich und gut erscheint, Freundlichkeit um einen herum ist und eine grandiose Entschleunigung die Zeit anhält. Alles, was passiert, entscheidest du selbst und wenn du nichts entscheidest, ist es auch gut, dann passiert eben nichts. Wir sind in Goa, genauer gesagt im beschaulichen und ruhigen Süden Goas, in Palolem. Zeit, für einen kleinen Rückblick auf seltsame Situationen, auf Verwirrendes, die absurden Kleinigkeiten im Mikrokosmos des indischen Alltags, auf die Dinge, wo unser mitgebrachtes Erfahrungswissen kapituliert.

Die seltsame Welt des Frühstücks

Indien und Frühstück, das ist aus unserer Perspektive oft eine Konstellation, die uns an Grenzen führt. Hier beginnt der Morgen mit gebackenen Kartoffeln, Erbsen und Bohnen, salzigen Reisküchlein, Gegrilltem, Gebratenem, schwer Riechendem und literweise würzigem Milchtee. Warum dies alles als Frühstück bezeichnet wird, will sich uns nicht recht erschliessen. Genauso könnten wir Rollbraten und Königsberger Klopse frühmorgens auftischen und das als Frühstück etikettieren.

Für Europäer mit einem eher sensiblen Magen und Verdauungstrakt

… gestaltet sich die Suche nach Vertrautem wie eine Schnitzeljagd der fünften Kategorie (fast unlösbar). Toast ist erhältlich (danke, England, für diese Erfindung), das bekommt man leicht, manchmal auch kleine Päckchen mit Butter. P1070767Gekrönt wird so ein Gedeck durch eine Masse, die Jam sein soll, also Marmelade. Die Masse ist in aller Regel ein Konglomerat aus allen möglichen Fruchtsorten, vom Menschen erschaffenen Aromen und Bindemitteln, sagt der Beipackzettel. Und obwohl in dieser Jam keine einzige Frucht enthalten ist, die rot ist, zeichnet sich das Zeug durch eine intensive, knallrote Farbe aus. Man kennt diesen Farbton von den hinduistischen Frühlings-Festen, wo mit knallbuntem Pulver auf alles, das sich bewegt, geworfen wird und die Vermutung liegt nahe, dass die indische Chemie-Industrie ihre Hände im Spiel hat. Indien hat Obst in allen Varianten bis zum Abwinken, warum schafft es hier keiner, leckere Marmelade herzustellen?

Der Reisende sucht sich seine Schlupflöcher aus dem indischen Frühstücksreich heraus

… und findet mit etwas Glück Nutella, Werbespruch hier (phonetisiert): “Start juhr dähh wiss Nutellähh”.

Es kann aber auch etwas ganz Abgefahrenes entstehen, so wie in Pushkar, wo ich folgende Bestellung aufgab: 1 Portion Toast mit Butter und Honig bitte und 1 Portion Toast mit Käse. Der Kellner nickte verständnisvoll und servierte die Mutter aller Frühstückstoasts, nämlich einen mit Käse überbackenen Honigtoast. So unverständlich, wie für uns die Frühstückssitten der Inder sind, so fremd wirken offenbar die Frühstücksvorlieben der Europäer auf manchen Einheimischen. Ob der mit Käse überbackende Honigtoast es auf die Speisekarte geschafft hat, wissen wir nicht.

Frühstücken in Indien ist auch oft wie Rätselraten

Du bestellst eine Portion Toast, hast aber immer eine Unbekannte dabei, denn keiner kann dir definitiv verraten, aus wie vielen Scheiben 1 Portion besteht. Wir haben schon alles erlebt, in der Bandbreite zwischen 1 bis 4 Scheiben. Deswegen unser Rat, verhalten ordern, nachbestellt werden kann immer.

Pfannkuchen sind für uns immer eine Alternative, wenn wir die faden Toasts zum Frühstück nicht mehr sehen können. Auch hier erschließt sich eine gewisse Varianz, weil es keine in ganz Indien gültige Definition gibt, was eine Portion Pfannkuchen ausmacht. Entweder bekommt man einen großen, so wie wir einen Pfannkuchen kennen, wir haben aber auch schon mal zwei mittelgroße oder 7 (in Worten: sieben) kleine bekommen.

Selbst mit den Standardgerichten lässt sich immer wieder etwas Überraschendes erleben

Nehmen wir einmal die beliebte Teekreation Ginger-Lemon-Honey. Das wurde uns neulich wie folgt serviert: Alle Zutaten kamen gesondert. Also erst ein Glas heißes Wasser mit Löffel. Nach Protest, das könne doch nicht alles sein, ging das Glas zurück und kam wieder, angereichert mit Ingwerstückchen. Nach Protest, dies könne immer noch nicht alles sein, ging das Glas zurück und wurde, angereichert um Zitronensaft, erneut serviert. Nun wäre erneut ein Protest fällig gewesen, dass dies doch immer noch nicht alles sein könne … wir haben vorher kapituliert und den Tee ohne Honig getrunken.

Soweit aus der seltsamen Welt des Frühstücks. Es geht natürlich auch ganz anders, aber dazu braucht es eine German Bakery, so wie hier in Palolem, wo fluffige Hefebrötchen und leckere Rührkuchen im Standardangebot zu finden sind. Und weil wir in Goa sind, haben wir sogar ein Glas Orangenmarmelade kaufen können,eingeführt aus Thailand.

Mehr zu unserem Indien: 

Du weisst, dass Du in India bist … Incredible India ist für alle da,Delhi, Uttar Pradesh, Rajasthan, Maharashtra, Goa, Karnataka, Kerala,Tamil Nadu, Himachal Pradesh, Punjab, Uttarakhand, Odisha (Orissa)Andhra Pradesh,

2 Gedanken zu „Seltsames Indien – Teil 1

    • selbst mit einer Prise Humor garniert, hat der Magen die Aufnahme erweigert. Da das Auge ja immer ein wenig mit isst, fühlten wir uns immerhin optisch etwas gesättigt oder anders ausgedrückt: Der Appetit ist spontan auf Null gefallen.

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