In Kerala, endlich!

Der Inbegriff all dessen, was sich mit Südindien verbindet, ist und bleibt Kerala. Varnam Homestay, WayanadSeit einigen Tagen sind wir in einer wundervollen Pension, hier “homestay” genannt, unterge-kommen. Zum ersten Mal haben wir so etwas wie all inclusive, also Unterkunft mit Vollverpflegung – und zwar feinste indische Küche, vom Frühstück bis zum Abendessen.

Die Fahrt mit dem Bus, nicht so kurz wie erhofft, aber auch nicht so lange, wie befürchtet, gab uns bereits einen Eindruck, was uns hier in Wayanad erwartet. Neben superfreundlichen Menschen, Bilderbuchlandschaften und milden Temperaturen, war die Sicht auf eine Gruppe wilder Elefanten, die plötzlich aus dem Dickicht vor unserem Bus auftauchte, für uns natürlich ein toller Einstieg.

Wayanad im Norden gelegen und kurz hinter der Grenze zu Karnataka, haben wir als erste Station unseres Aufenthaltes in Kerala ausgewählt. Hier gibt es sie, einige der bekanntesten Schutzgebiete, die neben den grauen Riesen Heimat sind für Tiger, Rehe, Gauer, natürlich auch Affen und für Vogelfreunde Unmengen an Arten von Gefiedertem.

Der erste volle Tag sollte eine Trekkingtour werden, die uns über einen Anstieg von 800 Metern in ein Wildgebiet und auf den Brahmagiri Peak (1.608 m) führte, wo gute Sichten auf Wildtiere möglich sein sollten. Der Weg führt durch Teakwälder und dichteren Dschungel auf einige Gipfel, die eine wunderbare Sicht auf das Umland ermöglichen, hatte uns der Reiseführer versprochen. Nicht angekündigt, aber sehr real waren die ersten Begegnungen mit einer Spezies, auf die wir überhaupt nicht scharf waren: Blutegel! Nicht die großen, sondern die Winzlinge, etwa 1/2 bis 1 cm lang, dünn, sprunggewaltig und mit einem Saugmund ausgestattet, der allerbesten Halt auf Schuhen, Socken, Haut garantiert. Es müssen Hunderte gewesen sin, die unseren Guide Wallah, einen weiteren Gast namens Georg und uns beide attackierten.

Irgendwie schafften wir es, die Wanderung ohne Blutverlust zu überstehen. Georg war weniger erfolgreich, und ich hätte ihm gerne eine Bluttransfusion gegönnt. Allein, jedes Erlebnis, das uns nicht kaputt macht, macht uns am Ende ja nur stärker. Wer weiß also, wofür es gut war. Wallah führte uns immer höher auf Elefantenpfaden, wie deutlich an den kugeligen Haufen Losung zu erkennen war, die die Weg säumten.

Am Gipfel erwartete uns als Überraschung nicht etwa eine Herde Elefanten, sondern eine graue, feuchte Masse, die sich mit dem Begriff “undurchdringbare Wolkenschicht” wohl am besten beschreiben lässt. Wir hatten alles: Schweiß, Ermattung, Anspannung, Hunger… nur keine Aussicht auf das wundervolle Panorama, das man bei klarem Wetter wohl haben muss. Nach dem Abstieg, mit erneutem Durchqueren der Blutegelzone, konnten wir immerhin stolz sein, nach mehreren Wochen ohne Lauftraining, wieder einmal 16 Kilometer Fußmarsch geschafft zu haben.

Und immer wenn du denkst, das war es dann, bekommst du am Ende doch noch, was du gesucht hast. Auf der Rückfahrt trafen wir auf eine kleine Gruppe Elefanten, die sich in aller Ruhe ganz dicht an der Straße eine Abendmahlzeit gönnte.

Jeden Tag unseres Aufenthaltes in Wayanad haben wir mit besonderen Aktionen gefüllt. Neben der geführten Tour mit Wallah gab’ eine Jeeptour durch das Tholpetty Wildlife Sanctuary und eine Kurzwanderung mit Hussein, dem Guide unseres Homestays. Und immer sind wir dabei auf Elefanten getroffen! Auch unverhofft, wie während der Kurzwanderung, wo unvermittelt ein aufgebrachter Bulle gesichtet wurde und unsere kleine Gruppe, dem Rat ihres Guides folgend, Fersengeld gab und mit Höchstgeschwindigkeit wieder einen Sicherheitsabstand herstellte.

Wir werden es genießen, denken wir, dieses Kerala. Die nächsten Stationen sind bereits geplant.

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