Zwischen Bhitarkanika und Visag

Die Weiterfahrt ab Bhitarkanika lassen wir über das Hotel organisieren; in der dörflichen Umgebung gibt es keine Reiseagentur. Busse fahren zwar ab und zu vorbei, aber das sei keine Option, sagt man uns, zu umständlich für Leute mit Gepäck, da man häufiger umsteigen müsse und auf Anschlussbusse angewiesen sei. Das überzeugt uns. Los geht’s am Reisetag mit dem Tuktuk zum nächsten Bootsanleger; wir vergessen ja immer wieder, dass unsere Unterkunft eigentlich auf einer Flussinsel liegt. Von da mit der Fähre, einem sperrigen Kahn, setzen wir über zur Landstraße, wo wir von unserem Fahrer erwartet werden. Die Fahrt für die knapp 80 km, alles eingeschlossen (wohl auch die landesübliche Vermittlungsprovision), nach Ratnagiri kostet umgerechnet stolze 53 €. Wir verbuchen das unter „unabwendbare Kosten“.

Das Hotel in Ratnagiri, unserem Zwischenstopp, weiß um seine Monopolstellung. Es wirkt heruntergekommen und ist maßlos überteuert. Zum Glück fällt unser Zimmer aus dem schmuddeligen Gesamteindruck heraus, Schmutz und Ungeziefer konnten es noch nicht entern und wenigstens das Personal ist ausgesprochen freundlich und versucht, die Fehler des Managements durch guten Service zu kompensieren.

Die Besichtigung der altbuddhistischen Sehenswürdigkeiten lässt uns noch Zeit für eine Stippvisite ins Dorf. Durch Zufall finden wir eine preisgünstige Gelegenheit für die Weiterfahrt am nächsten Morgen, die tatsächlich funktionieren wird. Rund 20 € für ein Auto mit Fahrer, das uns zum Busbahnhof Bhubaneswar bringt.

Die Fahrt verläuft geschmeidig und entspannt. Den privat betriebenen Bus nach Puri finden wir schnell, unser Fahrer hält punktgenau davor. Einsteigen und fertig ließe sich denken. Dass es dann noch fast 1 Stunde dauert, bis alle Fahrgäste in Bhubaneswar eingesammelt sind, ist sozusagen die Nebenwirkung der Billigtickets, die mit kaum 2 € unser Budget nur marginal belasten. Immerhin haben wir einen Fensterplatz, könnten also authentisch von der Strecke berichten, gäbe es Berichtenswertes. Letztlich ist die einzige Frage, die uns beim Passieren der unzähligen Verkaufsbuden am Straßenrand beschäftigt: wovon gibt es eigentlich mehr, Betelshops oder Telefonläden?

Endstation ist der Busbahnhof in Puri, eine Lokalität, die wie die meisten Busstationen in Indien danach schreit, aus dem Gedächtnis gestrichen zu werden. Kaum aus dem Bus, umzingeln uns Rickshawfahrer, von denen es hier in Puri weitaus mehr gibt, als in Bhubaneswar. Wir brauchen ein Tuktuk und um das zu bekommen, müssen wir erst zur Hauptstraße laufen. Dann geht’s zum Hotel in der CT Road.

Wir haben genügend Zeit für Puri, um die Stadt sowie einige Ausflugsziele in der Umgebung zu besichtigen, da wir ein paar Tage überbrücken müssen, um den passenden Einstieg für die Tribal Tour zu erwischen; das soll der Montag sein. Warum das so ist, beschreiben wir genauer im Bericht. Schon mal hier, besuchen wir Konark, mit dem Sonnentempel, den Chilika Lake und das Künstlerdorf Raghurajpur.

Puri lassen wir nach 8 Tagen Aufenthalt, mit Erinnerungen, die durch knallbunte, laute und seltsam riechende Ereignisse geprägt sind, hinter uns. Zum Wochenbeginn startet unsere Tribal Tour mit Abholung vom Hotel. Wir sind gespannt.

Nach 5 Tagen in ländlicher Umgebung, lassen wir uns in Visag absetzen, das bereits im Bundesstaat Andhra Pradesh liegt. Die Stadt ist deutlich urbaner strukturiert als die letzten Städte, die wir in Odisha gesehen haben. Mehr moderne Gebäude, interessantere Einkaufsmöglichkeiten fallen uns auf, dazu eine ausgebaute Strandregion; zwar nicht so perfekt gestaltet wie etwa Tel Aviv, aber um Lichtjahre besser als Puri.

Und auf den ersten Blick scheint man hier das Abfallproblem besser im Griff zu haben. Kurz, ein Kulturschock für Leute, die fast eine Woche nur einfache Stammeskultur erlebt haben.

Unser Hotel bietet nicht nur ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis, sondern ein stabiles, schnelles Wifi, Personal, das sprachlich gut aufgestellt ist und ein tolles Restaurant mit einem überwältigend leckeren Frühstücksbuffet. Das kommt gut, nutzen wir doch den frühen Morgen für einen Lauf an der Strandpromenade, so wie eine Reihe von Indern, die hier Frühsport treiben. Leider viel zu kurz, verabschieden wir uns nach einer Nacht Richtung Tamil Nadu. Wir fliegen nach Chennai.

Gebucht haben wir bereits, mit IndiGo, einer Gesellschaft, die uns bisher preislich und von den Leistungen recht gut gefällt.

Als Zwischenergebnis unseres Aufenthaltes können wir bereits jetzt festhalten, dass wir logistisch ganz gut versorgt sind, mit unserer Auswahl von IndiGo, wenn es ums Fliegen geht, sowie der SIM Karte von BSNL. Die verschafft uns besten Empfang und bietet ausreichend Datenvolumen, nämlich 3 GB pro Tag! für den Zeitraum von 59 Tagen zum Dumpingpreist in Höhe von umgerechnet 5 €. Warum uns in Deutschland immer noch exorbitante Preise für digitale Kommunikation abgeknöpft werden und wir nicht einfach von Indien lernen können, wie es kundenfreundlicher und presisgünstiger funktioniert, sollte uns mal jemand erläutern.

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