Von West nach Ost

Unterwegs auf Bali gen Osten. Begleitet uns von Denpasar auf der Fahrt durch den großen botanischen Garten namens Bali, bis nach Sidemen

Von Westen nach Osten und dann immer nach Süden und an der richtigen Stelle rechts abbiegen. So einfach lässt sich eine Weiterreise auf Bali planen. Es war gar nicht so leicht, von unserem hoch komfortablen Domizil in Pemuteran Abschied zu nehmen, schließlich hatten wir hier alles, was wir wollten und wer wusste schon, welche Unterkünfte uns erwarten würden.

Inzwischen vertrauter mit unserem Gefährt brachen wir auf, durch den großen botanischen Garten namens Bali. P1220251.JPG Von Pemuteran geht's nach OstenEs ist so, die Insel wirkt liebevoll gepflegt, mit prächtigen Gärten, Plantagen, properen Häusern. Die Einwohner fühlen sich hier offenbar pudelwohl und sind stolz auf ihre Heimat. Die Fahrt ging zunächst an der Küste entlang, einfache Orientierung, flüssiger Verkehr.

Kurzer Stopp mit Erfrischung am Lovina Beach, der Strandort ist bei Backpackern beliebt

Tatsächlich gibt es hier auch alles, was den jungen Travellern gefällt: Bars, kleine farbige Restaurants, Läden, günstige Herbergen. Trotzdem sahen wir vorwiegend ältere Semester. Lederhäutige Dauerurlauber wohl, die hier die günstigen Umstände nutzten, um den schlechten Monaten in Europa ein Schnippchen zu schlagen.

Wir hatten geplant, in Bondalem zu übernachten, um am nächsten Morgen näher an der Bergstrecke zu starten. Bondalem ist ein Ort für Wohlhabende, die sich in All-Inclusive Ressorts zurückziehen. Leider wussten wir das erst hinterher, Reiseführer lassen solche trivialen Informationen aus. Nach einem kleinen, unerfreulichen Begegnung der zweiten Art, mit dem australischen Herrscher über ein Hotel in Wassernähe, konnten wir mit etwas Glück noch ein Ausweichquartier finden, das balinesisch geführt wurde und unser Harmonieempfinden besser bediente und einen Hahn im Korb hatte, der mit seinem P1220266.JPG Hahn im Korbausgeprägtem Tremolo beim Krähen Maßstäbe setzte. Schlusswort zum Hotel des Aussies: Es knallt halt manchmal, wenn die eine Seite meint, aus Gästen das beste herausquetschen zu müssen, was sie haben (nämlich ihre Reisekasse) und die Gäste sich dem widersetzen.

 

Bondalem, wenig zu empfehlen

Strand und Meer in Bondalem entsprechen kaum den Qualitätserwartungen, die ein Reisender mit Bali in Verbindung bringt. Schwamm drüber, nach gutem Abendessen und ruhigem Schlaf ging’s am nächsten Morgen in die Höhe. Bergan, über steile Kurven, durch immergrüne Wälder, Richtung Vulkanberge im Osten.

Pech für uns, an diesem Tag, die Wolken mussten wieder einmal beweisen, dass sie es sind, die über die Qualität von Panoramaausblicken entscheiden. Nicht der Mensch und nicht die Sonne. Aus der Höhe erhaschten wir Blicke auf den Batur und erahnten den Agung. Aber die spektakuläreren Sichten sollten wir später noch zu Genüge bekommen. Trotzdem, die Aussicht auf einen Vulkan mit davor liegendem See im Dunst waren wenigstens dramatisch schön.

Über den Abstecher nach Besakih, den bedeutendsten sakralen Ort für die Hindus der Insel, berichten wir auf unserer speziellen Seite

Hier nur soviel, der Tempelkomplex gehört zu den großen Sehenswürdigkeiten der Insel. Den auszulassen wäre abwegig gewesen, so nahmen wir den kleinen Umweg gerne an.

Aufregend gestaltete sich die Weiterfahrt zur nächsten Unterkunft. Sie wollte sich einfach nicht finden lassen und wir erlebten logistische Probleme, die wir – ob es uns passte oder nicht – erst lösen mussten. Da war das leidige Thema, dass auch kleine Autos gefüttert werden wollen und Tankstellen im bergigen Teil Balis nicht existieren. Mit etwas Pech kann man stundenlang fahren, ohne auf eine zu treffen und jämmerlich liegen bleiben. Hier half maps.me! Die gesuchte Tankstelle existierte tatsächlich und lag nur 8 km neben dem Weg. In der Folge sollte sich allerdings die letzte Etappe etwas zu unschön entwickeln.

Wie schon mal gesagt, eine hergebrachte Straßenkarte haben wir zwar im Auto, aber die nutzt wenig

… wenn man nicht einen Ort in der Landschaft auftut, um einen Anfangspunkt zu setzen für eine Orientierungsfahrt. Also suchten wir das Dorf zu dem wir wollten über GPS und maps.me, was auch gelang. Das doofe ist, die Elektronik ist dümmer als ein Tourist, der sich nicht auskennt. Ausgeworfen werden zwar die Verbindungen, aber – so ist die Logik: immer die kürzeste.

Für den Navigator stellt sich das so dar: Richtung angeben, Sichtvergleich, Richtung bestätigen, weiter nach vorne schauen. Die Fahrerin folgt den Vorgaben und versucht das Auto auf Spur zu halten. Soweit die Theorie. Wir erlebten praktisch, dass die Frequenz der steilen Hügel (rauf – runter) sich verstärkte, gleichzeitig die Straße sich zum Pfad verengte, aber die Entfernung zum Ziel immer geringer wurde. Wir hatten gerade noch 1 Restkilometer, als vor uns eine Brücke auftauchte. Nichts Ungewöhnliches in diesem Land, bis auf die Tatsache, dass dieses Bauwerk gerade mal so breit war, um einen Fußgänger aufzunehmen. Da wir in unserem Auto neben- und nicht hintereinander sitzen, war’s das. Nächste Aufgabe: wie wende ich auf einer Untertasse? Antwort, am liebsten gar nicht, aber wer will schon über steilste Wege 4,5 km rückwärts fahren? Und deswegen wurde das Unmögliche vollbracht.

Vorletzte Tücke: nur noch wenig Akkuleistung im iPad und der Zeiger auf maps.me dreht sich im Kreis

Also Weiterfahrt nach Bauchgefühl. Und das brachte uns auf eine Straße, auf der wir uns plötzlich allein zwischen zig Schwertransportern befanden, zum Teil leer, zumTeil mit voller Sandbeladung. Wege für Schwertransporter sind hässlich und voller Schlaglöcher, die so tief sind, wie unser Auto hoch. Dramatische Fahrerinentscheidung: rückwärts rollen, egal wie nur WEG und nur runter! Wir schafften es, für eine Viertelstunde die Rechts-/Linksregeln für alle Verkehrsteilnehmer an diesem Ort außer Kraft zu setzen und sicher zur Hauptstraße zu kommen. Die LKW-Fahrer ertrugen das Chaos, das durch uns entstanden war, mit bewundernswerter Gelassenheit.

Der Rest war ein Kinderspiel. Die Kreuzung hatte nur noch eine Abzweigung, die wir noch nicht probiert hatten und das war schlussendlich die richtige. Ziel erreicht, Sidemen: Wunderbarer Homestay. herzliche Gastgeber, erfrischender Swimming Pool. Alles war wieder gut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.