Als Autonomaden auf Bali

Unterwegs mit dem Auto durch Bali. Begleitet uns durch gepflegte Landschaften. Anders als mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Abenteuer Mietwagen

Bali ist toll, Bali ist schön, vor allem landschaftlich. Dort unterwegs zu sein, ist wie eine lange Fahrt durch ein großes, gepflegtes Gewächshaus. Leider gibt es in Gewächshäusern kaum öffentliche Verkehrsmittel wie wir es bräuchten. Die kompakteren Busse hier sind eher indisch, als thailändisch, also wenig geeignet, um mit Gepäck mobil durchs Land zu hoppen und zu stoppen, wo es einem gerade gefällt. Alternativ ließe sich so etwas natürlich mit einem Taxi machen, aber Taxis sind kostspielig auf der Insel und wenn man zur großen Rundreise antritt, rechnet sich diese Variante nicht. Viele Touristen ziehen es deshalb vor, Mopeds oder Scooter zu mieten, um damit die Gegend zu erkunden. Ein Scooter ist aber auch noch nicht der Königsweg. Das Wetter kann launisch sein und wohin vor allem mit dem Gepäck oder mit den Füßen, wenn du nicht geübt bist, im Umgang mit den Zweirädern.

Nach kurzem Grübeln hatten wir die Lösung: Ein Auto musste her, zur Miete

Der Einstieg ins Car Rental Thema übers Web verschaffte erste Erkenntnisse: Die Standardanbieter sind gierige Schweine! Alles viel zu teuer. Unser Fahrer, der uns von Denpasar nach Ubud brachte, winkte entsetzt ab, als er das hörte. Zu solchen Preisen würde er niemals ein Auto mieten, wir sollten es einfach mal vor Ort bei bei den lokalen Verleihern versuchen.

Der Tipp war Gold wert. Wir fanden ein Fahrzeug, das wir – nachdem wir es näher kannten – auch als Auto bezeichneten. Es war halt nicht Liebe auf den ersten Blick. Anfänglich hatten wir unsere Zweifel und vermuteten, man hätte uns zwei verlötete Mopeds angedreht. Offiziell heißt das Vehikel “Suzuki Karimun”, ist 360 cm lang, 147,5 cm breit, besitzt 5-Gang Schaltung, einem bulligen Hubraum von 998 ccm und ist damit also gerade mal so voluminös wie ein Tetrapack Milch. Suzuki kitzelt aus dem Tetrapack immerhin locker 68 PS heraus. Das ist mehr als das Doppelte von dem, was unsere Ente unter der Blechhaube hatte.

An dem Wagen schien für die designierte Fahrerin erstmal alles irgendwie anders

Lenkrad auf der falschen Seite, Scheibenwischer, Blinker, Lichthupe seitenverkehrt und Schaltung extrem kryptisch. Allerdings war es müßig, bei schlappen 9 € Miete pro Tag, Versicherung bereits eingeschlossen, über das Thema weiter zu sinnieren. Wir entschieden uns äußerst spontan pro Karimun und nahmen ihn/es mit. Erster Eindruck: Hey, es fährt. Kurzes Murmeln der nun fürs Fortbewegen zuständigen Fahrerin: “Alles Geisterfahrer, nur wir nicht.” Aber als lernfähige Reisende beschloss sie spontan, sich den Umständen anzupassen.

Leider war der Entschluss, selbst mobil unterwegs zu sein, mit einer Last für den Beifahrer verbunden, die Arbeit bedeutete

Bali ist nämlich rudimentär beschildert. Die Straßenkarte, die wir uns zur Orientierung besorgt hatten, war deswegen so nützlich wie eine Gabel, wenn man eine Suppe auszulöffeln muss. Ohne feste Bezugspunkte funktioniert Routenplanung halt nicht richtig. Gottlob gibt es nützliche Apps, wie maps.me, die sich mit ein wenig Übung ausgezeichnet als Navi einsetzen lassen. Von den Problemen, dass der Akku des iPads ziemlich schnell ausgelutscht wird, wenn man die Landkarten-App als Navigationsgerät einsetzt, wollen wir jetzt nicht berichten. Ich sage nur soviel: Ohne geeignetes Ladekabel fürs Auto nutzte uns auch nicht, dass der/das Karimun sogar einen Zigarettenanzünder besitzt.

Die ersten Stunden waren ein Trip durch die Hölle. Wege, die immer schmaler und steiler wurden und zwangen, nur noch im ersten oder zweiten Gang zu fahren. Da gab es auch Schuppergeräusche, weil das Austarieren des Gefährts auf engster Fahrbahn, wo aus Sicht der Fahrerin immer noch alles andersrum war, Mühe bereitete.

Verwirrung entstand auch beim Richtungswechsel

Einmal Schalter betätigt um abzubiegen machte, dass die Scheibenwischer wie wild hin- und her flogen. Andersrum war der Versuch, die Regenspuren von der Frontscheibe mittels Wischern abzustreifen, mit dem Signal an andere Verkehrsteilnehmer verbunden, wir wollten die Fahrtrichtung wechseln. Die Fahrerin musste innerhalb kürzester Zeit alle langjährig geübten Abläufe aus ihrem Leben als Rechtsverkehrteilnehmerin durch das blanke Gegenteil ersetzen. Ein brutalerer Paradigmenwechsel ist für Autofahrer kaum vorstellbar.

Richtig ergreifend, aus Sicht des Beifahrers wurde es aber, als in einer hässlichen Verkehrssituation, der entgegenkommende Fahrer für sein Verhalten völlig berechtigt mit der Lichthupe abgestraft werden sollte. Das einzige, was er sah, als er uns anstarrte, waren unsere wild wischenden Scheibenwischer. Ich habe meiner Fahrerin versichert, dass genau dieses unerwartete Wischen, den anderen Fahrer wahrscheinlich traumatisiert hatte und er sicher hinter der nächsten Kurve sein Fahrzeug verlassen und seinen Führerschein verbrennen werde.

Irgendwann, am zweiten Tag

… und nachdem der Fahrersitz mit unendlichen Mengen an Schweiss getränkt war, hatte sich die Unsicherheit zur routinierten Überlegenheit gewandelt. Alle Aktionen wurden sicherer und souveräner, so dass endlich auch der Navigator auf dem Beifahrersitz entspannen konnte. Und dann ging es nur noch durch schöne Landschaften, niedliche Orte und Sehenswürdigkeiten im Wunderland Bali.

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