Die letzte Etappe

Unterwegs von Thailand. Es geht heim. Blickt noch einmal mit uns zurück nach Koh Kood. Eine Trauminsel? Egal, der Rückflug in den Winter ist Routine

Die Insel lag zwar schon hinter uns, aber sie war immer noch präsent. Stark sogar und fühlbar. Eine Erinnerung, die einen nicht loslassen wollte. Das hatte weniger mit den Bildern und Eindrücken zu tun, weil da andere Orte, die wir besucht hatten, doch sehr viel markantere Impressionen hinterlassen hatten. Aber Koh Kood hatte ihre eigenen Werkzeuge, sich zumindest für einige Tage unvergesslich zu machen: nämlich die Sandfliegen. Wer von diesen Mieslingen unter den Insekten jemals attackiert worden ist, weiss, wovon wir reden. Für das bloße Auge kaum sichtbar, verbirgt sich diese Brut tagsüber, um bei Einbruch der Dunkelheit über Warmblüter herzufallen. Die Bisse sind höchst unangenehm, verursachen Pusteln und Entzündungen und jucken wie Sau. In Extremfällen kann das bis zu 2 Wochen anhalten. Das Schlimmste aber, Sandfliegen stehen nicht auf dem Speiseplan, der ansonsten fast alles verzehrenden Thais und können sich deswegen nahezu ungehindert vermehren.

Wir wussten um diese Plage und hatten selbstredend unsere Strandbesuche entsprechend getaktet, um nicht Opfer zu werden

Abends, im Restaurant oder unserer Hütte, fühlten wir uns sicher und geborgen. Aber was Reiseautoren und Blogger gerne übergehen, Strandfliegen scheinen im Zuge der Evolution bereits den entscheidenden Sprung nach vorne getan zu haben. Eine Mutation dieser Spezies hat Hütten und Betten erobert, die natürlichen Rückzugsgebiete des Menschen. So jedenfalls erklärte uns das Resort-Management die Herkunft der Pusteln auf Armen, Rumpf und Beinen, die wir schon nach wenigen Tagen an uns entdeckten. Alle seien betroffen, sagte uns der Mann am Service Desk und kratzte sich dabei den mit roten Flecken gesprenkelten Bauch, da sei leider nichts zu machen. Stimmte offenbar, auch andere Gäste klagten über Beschwerden, Gegenwehr gab’s offenbar keine.

So ist es leider oftmals, wenn man sich die Realität klarmacht, die hinter den traumhaften Bildern von tropischen Stränden und Dschungeln lauert

Fotos können nicht alles vermitteln, vor allem nicht das Jucken und Kribbeln von Ungeziefer, das sich in diesen Regionen genauso heimisch fühlt, wie der Mensch. Es gibt sie nicht, die absolut paradiesischen Verhältnisse und tatsächlich hat das Sprichwort “wo viel Sonne ist, gibt es auch viel Schatten” durchaus seine Berechtigung.

Auch anderes fällt einem allmählich auf, wenn man länger und intensiver die Trauminsel erlebt. Zum Beispiel: Alle Besucher sind immer fest in der Hand der Insulaner, die natürlich gewitzt genug sind, ihre Monopolstellung beim Transport, Verpflegung, Unterkunft zu nutzen. Die Gesetze eines kartellhaft organisierten Marktes lassen sich nicht außer kraft setzen. Manche Einheimischen zocken geschickt ab, andere wiederum tölpelhafter. So ist die Welt hier und jeder Tourist wird da seinen eigenen Weg finden, sich mit solchen Verhältnissen zu arrangieren.

Wie auch immer, das Inseljucken war noch virulent präsent bei der Ankunft in Trat

Das war unsere Zwischenstation auf dem Festland. Also juckt es weiter und trotz Salben und Cremes sogar noch Tage später im Flugzeug.

Für die Fahrt nach Bangkok hatten wir uns Tickets eines Anbieters besorgt, der mit großen, bequemen Reisebussen von Trat direkt bis zum internationalen Flughafen Suvarnabhumi fährt. Mit 5 Stunden Reisezeit hatten wir gerechnet. Dass es dennoch länger dauerte, verdanken wir einer neuen Erfahrung. Auch Thai-Busse sind mit einer Technik ausgestattet, die jede noch so perfekte Organisation an die Wand fahren lassen können. Unser Bus hatte eine Panne. Irgendetwas mit dem Kühlsystem funktionierte nicht. Weiterfahrt, so verstanden wir, sei unmöglich und ein Ersatzbus würde etwa 1 Stunde später kommen. Eine Stunde auf einem Seitenstreifen an der Landstraße, bei kontinuierlich steigenden Temperaturen war nicht das, auf das wir uns gefreut hätten. Gedanklich waren wir ja bereits im Swimmingpool unseres Hotels in Bangkok angekommen. Real zerschmolz dieser Traum in der Mittagshitze.

Übrigens, es war kein Ersatzbus, mit dem wir dann die Reststrecke zurücklegten

Es war nur der nächste, fahrplanmäßige Bus, der morgens eine Stunde nach uns in Trat gestartet war. Irgendwie passte es noch, die Passagiere auf freien Plätzen unterzubringen, niemand musste stehen, auf dem Dach sitzen, oder im Gepäckabteil liegen. Egal, shit happens und wer weiss, vielleicht hätte es noch böser kommen können.

Glück im Unglück, wir hatten noch Gelegenheit 1 Stündchen am Pool zu sitzen, Thai-Sonne zu tanken und konnten den Abend auf einem tollen Markt in Fußwegentfernung zum Hotel genießen. Thai Unterhaltung pur, mit unendlich vielen Einkaufsständen, freundlichem Treiben und allem, was die Garküchen Bangkoks zu bieten haben.

Das war’s dann erstmal mit Südostasien. Den Rückflug in den Winter wickelten wir mit der Routine der Vielreisenden ab. Aber, wir werden wiederkommen. Bald sogar.

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