Udaipur

Udaipur, die weiße Stadt am Pichola See, gehört mit zu den eindrucksvollsten Städten Rajasthans. Das haben vor Jahren sogar Filmemacher aus Hollywood entdeckt und dort Teile eines Bond Films gedreht: Octopussy. Mit Roger Moore als 007, den ich als Jean Connery Fan zwar nie ganz akzeptieren konnte, aber immerhin, er muss damals in Udaipur gewesen sein, ein Double wird er kaum geschickt haben. Zu unserer Schande haben wir eine Erinnerungslücke, worum es in dem Film eigentlich ging. Aber die Inseln auf dem See mit ihren Luxuspalästen, wovon einer heute als unbezahlbare Feudalherberge benutzt wird, über die wir leider nicht berichten können, weil man uns als reisende Parias wohl der Pforte verwiesen hätte, sollen dabei eine ganz wichtige Kulisse abgeben haben. Merker für uns nach Rückkehr, Octopussy unbedingt anschauen! Oder wer kann, macht das schon vor der Anreise.

Wer es irgendwie schafft, sollte versuchen, eine Unterkunft im Viertel um die Bhattiyan Chotta, also das Basarviertel, zu buchen. Und dann natürlich möglichst Traumblick auf Traumkulissenah am Wasser. Es gibt kaum einen romantischeren Blick, als den auf die Inseln im See. Wir nächtigten gegenüber auf der Landzunge im Muslimviertel und mussten dort einen Muezzin ertragen, der entweder in seinem Beruf neu war, oder von der Muezzinroutine überwältigt, ohrenscheinlich nur noch lustlos vor sich hin brummelte, allerdings wie allerorten LAUTSPRECHER verstärkt – und das bereits morgens um 5.30 Uhr.

Udaipur, das ist auf jeden Fall eine Stadt fürs Gemüt, den Romantiker in dir. Die Altstadt, mit ihren verwinkelten Gassen, rund um den See bietet alles, was der Indienbesucher sich erhofft. Fantastische Paläste, Postkarten-Ausblicke, überschwängliche Bilder, die sich einprägen. Dazu hat man beste Gelegenheit abends bei einem guten Essen oder einfach nur bei einem Drink auf einer der Terrassen der Restaurants und Hotels. Auf einer dieser schönen Dachterrassen hatten wir das Vergnügen, einen tollen Abend mit Heiko und Andreas zu verbringen, die just in dem Moment, indem ich dieses Zeilen schreibe, eine wunderbare Zeit in Goa erleben.

Den ganzen Tag über kann man sich treiben lassen, durch das Basarviertel und zahllose Läden, die eine reiche Auswahl an kitschigen, aber auch kunstvollen, handgemalten Miniaturen, Skulpturen und sonstigem Schnickschnack anbieten. Erstaunlich, alle dort wollen immer nur unser Bestes, nämlich unser Geld, aber natürlich auf eine sehr charmante Art. Allerdings den motivierenden Spruch, den uns die Händler in Jaisalmer nachriefen: „We help you to spend your money“ haben wir bisher nur dort gehört.

Viele kleine Boutiquen mit Schneiderei in der Hinterstube bieten an, jedes gewünschte Kleidungsstück zu reellen Preisen und innerhalb kürzester Zeit anzufertigen. Dass sie Wort halten, sieht man an den Pluderhosen und bunten Blusen, mit denen so manche Touristin sich innerhalb kürzester Zeit den Indienlook verpasst. Wo sonst, wenn nicht hier. Natürlich können sich Männer gleichermaßen verwandeln lassen. Aber ein langes Gewand mit Schlapperhose macht noch keinen Orientalen aus einem. Wahrscheinlich deswegen sind die männlichen Reisenden eher in homöopathischen Dosen fremdartig ausstaffiert. Mal ein Tuch, hie und da ein indisches Shirt und was da drunter ist, geht keinen etwas an. Es gibt nämlich auch erstklassige, in Indien produzierte Unterwäsche für den Herrn.

Shopping umd Bummeln lässt sich wunderbar integrieren mit kurzen Stopps in Straßencafés, die neben Kuchen natürlich auch leckere Lassies und Milkshakes anbieten oder einen Masalatee. In der Nähe des Lal Ghats haben wir das Edelweiss entdeckt, eine saubere kleine Restauration mit leckeren Kuchen, Cookies, exzellentem Kaffee und allem was das Herz begehrt. Tatsächlich scheint jeder Europäer über kurz oder lang heimische Genüsse zu vermissen und findet sich hier ein. Auch das gehört ja zu Indien, die Chance, mal eine kurze kulinarische Auszeit zu nehmen, vom alles überdeckenden Masala.

Udaipur bietet jede Art von Aktivität, angefangen von Ausflügen rund um die Stadt bis hin zu Kochkursen, um die richtige Anwendung der indischen Gewürze zu lernen. Falls es hier mitlesendes, indisches Küchenpersonal geben sollte, kleiner Tipp: Macht so einen Kurs auf jeden Fall mit, eure Gäste werden es euch auf Knien danken. Warum das erwähnt wird? Es gibt, wie überall auf diesem Globus, auch in Indien grottenschlechte Restaurants. Aber das merkt der Gast erst, wenn er die Ochsentour durch die Speisekarte einmal durch hat.

Was für den hohen Erlebniswert in und um Udaipur spricht, mag ein kleines Hinweisschild zum Ausdruck bringen, das der aufmerksame Reisende bei der Weiterfahrt erspäht „Panther Crossing“. Leider hatten wir nicht das Vergnügen, einer dieser Katzen zu begegnen. Wir sind ja im Prinzip für alle Abenteuer offen.

Udaipur als Schlusspunkt unserer Rajasthan Tour zu setzen, war im Rückblick betrachtet genial, weil kaum eine andere Stadt den Vergleich aushält. So aber hatten wir quasi als dramaturgische Steigerung den Höhepunkt genau da, wo er hin gehörte, nämlich am Schluss.

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Udaipur: Wir haben im The Tiger Hotel übernachtet!