Ranakpur

Die Jain sind eine Religionsgemeinschaft, die bereits vor fast 3000 Jahren aus dem Hinduismus hervorging und heute etwa 4 Millionen Anhänger hat. Das klingt viel, sind aber gerade mal 0,4% der Gesamtbevölkerung Indiens. Wer sich näher mit dieser Religion beschäftigt, was wir hier nicht tun wollen, wird nicht umhin können, die frohe Botschaft der Jain zu schätzen: Friedfertigkeit, Gewaltlosigkeit, Achtung vor jeder Form des Lebens ist die Maxime, davon kann die Welt auch in unseren Tagen ja nicht genug bekommen.

Schwieriger wird es schon, das umfassende Regelwerk und die sehr ungewöhnlich anmutende komplexe Vorstellungswelt nachzuvollziehen, aber das wollen wir an dieser Stelle auch gar nicht versuchen.

Wir fühlten uns in erster Linie angezogen durch die Tempel der Jain. Einen davon hatten wir bereits in Jaisalmer besichtigt, dieser hier in Ranakpur sollte noch größer, noch beeindruckender sein, was hieß, viel Zeit für den Besuch zu reservieren.

In Ranakpur, gelten andere Regeln für den Besuch, als im kleineren Tempel. P1080491Klar, obligatorisch ist das Ablegen der Schuhe, aber anders als in Jaisalmer, dürfen hier Männerbeine nicht unbedeckt sein. Der Reisende in Shorts kann sich an der Kasse mit züchtigen Beinkleidern ausstatten lassen, die eine kleine Leihgebühr kosten, aber ohne Pfand ausgegeben werden. Keine Frage, so eine Hose würde kein vernünftiger Tourist außerhalb der Tempelanlage nutzen wollen. Da eine andere Form der Entsorgung wohl aus ethischen Überlegungen nicht statthaft ist, wird das seltsame Stück beim Verlassen des Tempels zurück gegeben.

Bereits die Aussenansicht des Tempels ist imponierend. Gefertigt aus makellosem hellen Stein, ragen die ziselierten Türme und Kuppeln in den Himmel. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie lässt einen diese Bauweise an die Theorien des Herrn von Däniken denken. Däniken hat ja spekuliert, dass die Götter eigentlich Aliens gewesen seien, die die Früherde besiedelt hätten. Wieweit das stimmt, wissen wahrscheinlich nur die Götter selbst, trotzdem, so ein Tempel erinnert stark an Raketen und Raumschiffe. Zufall, Schicksal? Ich habe keinen Schimmer. Schön und fantastisch ist es allemal.

Wer meint, das wäre es schon gewesen, hat noch nicht das Innere dieses Tempels erlebt. Die grosse Fläche ist von hohen Kuppeln überdacht, die auf über 1400 Säulen thronen. Jede Säule ist ein Augenschmaus; da finden sich fein herausgearbeitete Ornamente, unzählige Figuren, die Menschen und Tiere darstellen, und jeder Winkel, jede Fläche ist Kunsthandwerk in höchster Vollendung. Die Kuppeln wirken wie gehäkelte Decken und aus der Vielzahl der aus dem Stein heraus modellierten Verzierungen ergibt sich dann ein komplexes Gesamtbild, das wiederum als das Zeichen OM erkennbar ist. Hier die Innen- und Außenansicht eines Tempelbereichs.

Alles im Tempel ist mit höchster Sorgfalt und Akribie erschaffen worden, von hunderten Künstlern und über mehrere Jahrzehnte. In seiner Detailliertheit wirkt so ein Tempel fast schon manisch besessen und trotz aller mathematisch präzisen Symmetrie, die diese Architektur vermittelt, läßt sich das Ganze kaum rational erschliessen. Das braucht es wohl auch nicht, denn die Sinnfrage, warum Menschen so etwas erbauen löst, sich über den Glauben und die Spiritualität seiner geistlichen Gründer.

Wir brauchten fast 1,5 Stunden für unsere Besichtigung, bei der übrigens Fotografieren ausdrücklich erwünscht zu sein scheint. Selbstredend gegen Entrichtung einer kleinen Gebühr.

Ob wir, nachdem wir sozusagen die Mutter aller Tempel gesehen haben, noch weitere Besichtigungen von Heiligtümern an anderen Orten auf uns nehmen, machen wir von unserer Tagesform abhängig. Schau’n wir mal und dann sehen wir weiter.

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Ranakpur: Wir haben im The King’s Abode übernachtet!