Jodhpur

Erstmals mit einem Bus unterwegs und das von Ajmer/Pushkar in Richtung Jodhpur. Eigentlich nichts Aufregendes, wenn man alte, verschlissen wirkende Fernbusse mag. Dieser hier gehört immerhin der staatlichen Busgesellschaft von Rajasthan und war ein sogenannter Volvo/Mercedes Bus. Wer ihn nicht mit eigenen Augen gesehen hat, würde niemals glauben, dass angesehene europäische Nutzfahrzeughersteller solche Gefährte konstruieren. Möglicherweise waren wir Zeuge eines Modellversuches, bei dem getestet werden soll, wie viele Erschütterungen der menschliche Organismus verarbeiten kann, ohne daran zugrunde zu gehen.

Wir haben die Fahrt überlebt und auch die Zubringerfahrt zum Hotel mit einem etwas anders geschnittenen Tuk-Tuk, einem, das schlanker, höher und geräumiger wirkte als die Modelle, die wir in Delhi und Jaipur erlebt hatten. Mal sehen, es juckt mich ja, eine Dokumentation der in Asien eingesetzten Motorradrikschas anzulegen, aber Leute in meinem Alter haben kaum Zeit, sich ernsthaft um so ein intensives Thema zu kümmern.

Vom Hotel hatten wir den erhofften Ausblick auf die legendäre Festung der Rajputen und Teile der blauen Altstadt.

Die Besichtigung des über der Stadt tronenden Mehrangarh Forts, ein Muss für jeden Touristen der nach Jodhpur kommt, war für den folgenden Tag geplant. Wir haben es auch tatsächlich geschafft, durch das Gewimmel von kleinen Straßen und – eingebettet in den ständig anwesenden Verkehrslärm – den Weg zu Festung zu Fuß zu schaffen. Danke, mapsme – obwohl uns der digitale Navigator an einer ganz entscheidenden Stelle durch das Wohnzimmer einer Familie lotsen wollte, die sich ausgerechnet auf unserem Weg häuslich niedergelassen hatte. Es ging auch mit einem kleinen Umweg und natürlich war der Eintrittspreis fast so imposant wie das Gelände selbst. Immerhin kommen Leute ab dem 65. Lebensjahr ca. 20% günstiger hinein.

Der Rundgang durch prächtige Gemächer und alle Bereiche des Palastes, der von einer gewaltigen Mauer umgeben ist, beeindruckt auch Besucher, die meinen, schon alles gesehen zu haben. In einem der Räume waren Miniaturen ausgestellt, die das Hofleben der ehemaligen Herrscher zeigten. Selbst der eher wenig aristokratiefreundliche Besucher wird nicht umhin können, zu bewundern, wie sich diese Lebemänner und Playboys ein richtig saugeiles Dasein gönnten. Alles vom Feinsten und natürlich im Überfluss, Verschwendung wo man hinschaut. Ich stelle mir vor, wie das damals ablief: Playoy Rajput schaut sich um und findet, dass ein Saal nicht prächtig genug wirkt. Er erklärt dem herbei gerufenen Wesir seine Vision: „Wir machen mal alles mit gelöstem Marmor, verzieren mit Gold und Edelsteinen und damit die Optik unterstrichen wird, verarbeiten wir Glas, am besten aus Aleppo. Kosten spielen keine Rolle, aber es soll schnell gehen“. Tja und der Wesir macht was Herrscher befiehlt, schließlich ist der ja von den Göttern privilegiert worden.

Und weil solche Plaboy-Herrscher in aller Regel einige Dutzend Ehefrauen und ungezählte Kurtisanen und Sklaven besaßen, war natürlich ihr Ableben immer eine Tragödie. Angeblich sollen die hinterbliebenen Frauen ihrem Mann voller Freude in den Tod gefolgt sein, was nach den örtlichen Sitten nichts anderes bedeutete, als dass sie den Feuertod starben. Unsinn? Keineswegs, im Eingangsbereich des Palastes sind die Handabdrücke dieser Frauen verewigt. Naja, in Europa hätte man zu diesen Zeiten ebenfalls gewisse Bräuche entwickelt,um Frauen auf Scheiterhaufen zu verbrennen. Da sag noch einer, dass sich die Menschen trotz aller kulturellen Grenzen nicht ähneln würden.

Die Ausblicke, die man aus dem Fort hat, sind erhebend. Vor allem der Blick auf die blaue Altstadt, die sich um den Berg schmiegt. Eine Kulisse, die schon manchem Film das Besondere verliehen habe.

Dem Fort ist auch ein Geschenkeladen angeschlossen, mit sehr exquisiten, aber auch teuren Stücken, die leider nirgendwo anders in dieser Qualität zu bekommen waren. Wir haben es versucht, aber leider im Ergebnis ohne Erfolg.

Blick vom Uhrturm auf Jodhpur

Besuchern des Forts ist auch der hübsche Weiße Tempel Jaswant Thada in Sichtweite, dem Mausoleum für Maharadja Jaswant Singh II. Pech für uns, dass wir erst nach 17.00 Uhr dort sein konnten und die Ausgeburt eines Bürokraten Wachdienst hatte. Weder Schmeicheleien, noch diskret gezeigte Rupien, noch subtile Drohungen erweichten ihn, uns doch auf einen kurzen Blick Zutritt zur Anlage zu gewähren. Egal, auch die Außenansicht ist bemerkenswert und wahrscheinlich ist im Inneren sowieso kaum etwas zu besichtigen.

Zu Jodhpur gehört eine kleine Spezialität, die man nicht auslassen darf und zwar ein kleines, einfach komponiertes süßes Lassie (eine Joghurtspezialität, die süchtig machen kann). Kostet gerade mal 30 Rupien pro Portion, also rund 40 Cent, und schmeckt himmlisch. Den Laden, innerhalb des Marktes um den Clocktower gibt es bereits seit 1928! Übrigens wird nur dieses einzige Lassie dort angeboten, aber das scheint über Generationen hinweg seinen Mann bzw. seine Großfamilie zu nähren. Das Geschäft brummt um jede Tageszeit.

Die Altstadt mit ihren verwinkelten und bunten Gassen lädt zu Spaziergängen ein und hinter jeder Straßenbiegung tauchen neue Gerüche, Geräusche und Überraschungen auf. 

Jodhpur hat noch einen weiteren strategischen Vorteil, seine Lage. Wer nach Jaisalmer will, kommt daran kaum vorbei.

Unser Tipp für Jodhpur: Wir haben im Juna Mahal Homestay übernachtet!