Jaisalmer

Jaisalmer, die „goldene“ Festung mitten in der „Wüste“, umgeben von einer kleinen Stadt, die vieles bietet, was das Herz eines Indienreisenden begehrt. Warum ich Wüste in Anführungszeichen gesetzt habe, werde ich noch erklären; wir fanden die Umgebung eigentlich gar nicht so wüst. Und ob eine Wüste, die nicht wüst ist, tatsächlich als solche bezeichnet werden darf, mögen andere beurteilen.

Innerhalb der prächtigen Festung gibt es Hotels, Restaurants, Kühe, mehrere Tempel, verträumte Lädchen, viele Leute, die einen grüßen, als kenne man sich schon Jahrzehnte, aber wenig Touristen. Das mag zu anderen Zeiten nicht so sein, uns schien es aber so, dass jeder Händler sich in den Kopf gesetzt hatte, mit uns seine Jahresumsatzziele zu erreichen. Natürlich haben wir ein wenig für die örtliche Konjunktur tun können, aber irgendwann haben wir die Erwartungen an uns nur noch freundlich auf den Sankt Nimmerleinstag terminiert, oder in den Worten der Einheimischen „We come tomorrow“.

Der Festungsbau selbst beeindruckt bei aller Größe durch seine eleganten, meisterlich bearbeiteten Mauern und Türme aus goldgelbem Sandstein. Die Erbauer haben vor hunderten von Jahren ein architektonisches Glanzstück geschaffen, das nahezu unversehrt die Zeiten überdauert hat und uns heute noch sehr beeindruckt. Über riesige Rampen erreicht man gewaltige, massive Holztore. Über dem Torgang hängen tagsüber hunderte von Fledermäusen, die sich bei Eintritt des Abends wie auf ein geheimes Zeichen von ihren Ruheplätzen lösen und lautlos die Festung umschwirren. Ein seltsames, mystisches Bild, das dem Bau eine ganz besondere Atmosphäre verleiht. Die Ausblicke von den hohen Mauern auf die Stadt und über die Weiten des Umlandes sind natürlich außerordentlich, natürlich besonders gegen Abend, zur Stunde des Sonnenuntergangs.

Wer Zeit hat, und die haben wir auf unserer Reise, sollte keinesfalls die Besichtigung des Jain-Tempels versäumen. Auf die Jain und ihre Tempelanlagen werden wir noch zurückkommen, wenn wir über Ranakpur berichten. Der Tempel in Jaisalmer ist kleiner, aber nicht weniger interessant. In dieser insgesamt sieben Tempel umfassenden Anlage sollen sich 6.666 Statuen von Buddha-ähnlichen Erleuchteten befinden. Die meisten von ihnen haben wir gesehen – wirklich erstaunliche Kunstwerke!

Der dicke Reiseführer (nein, keine fleischgwordene Person, sondern Lonely Planet Indien), ist immer wieder für Überraschungen gut. Zum Beispiel im Falle Jaisalmers mit der Information, es gäbe dort einen staatlich lizenzsierten Bhang-Laden. Bhang, das ist ein mit Marihuana angereichtes Lassiegetränk, das selbstredend genau das mit einem anstellt, was ein guter Joint macht, nämlich high und chillig.

Keine Frage, der kleine Laden wurde P1080084aufgesucht und nach einer sehr qualifizierten fachlichen Beratung durch den engagierten Eigentümer, wurde mir ein Ananas-Bhang kredenzt. Angenehm im Geschmack und mit erstaunlich guter Wirkung. Vielleicht schafft es unsere Generation noch bevor wir alle zu Methusalemen werden, das Betäubungs- mittelgesetz in Deutschland zu reformieren, ich denke, ich hätte dann schon eine Geschäftsidee. Übrigens gibt es Bhang in Rajasthan ganz legal, damit sich diejenigen, denen ihre Religion das Rauchen und den Alkohol verbietet, einen Rausch verschaffen können.

Bei einem unserer Spazier-Einkaufs-Gänge durch die Unterstadt landeten wir, eher zufällig als gewollt, im Stadtpalast des dortigen Maharadschas. Im Vorhof des imposanten Palastes tummelten sich einige Pferde einer Rasse, die es ausschließlich in Rajasthan gibt; das Marwari-Pferd mit seltsamen, sichelförmigen Ohren. Wahrscheinlich wurden sie extra so gezüchtet, um auch in Sandstürmen, immer die Ohren frei zu haben, für die Befehle ihrer Reiter.

Sandstürme, das erinnert an Wüste und die soll ja die Stadt umgeben, heißt es. Wir nahmen die Wüste eher als grün begraste Landschaft wahr, soweit das Auge reichte. Aber, so wurden wir belehrt, es gibt tatsächlich Gebiete, die als Wüste durchgehen. Sozusagen Sandoasen im Grasland, die nur einige Kilometer weit entfernt und gut mit dem Auto erreichbar sind. Besucher lassen sich dort gerne hinbringen, um eine Nacht unter dem Wüstenhimmel zu verbringen, in konfortablen Zelten.

Wer es kürzer haben möchte, so wie wir, lässt sich hinfahren, geniesst den Sonnenuntergang und kehrt zurück ins Hotel. Über unseren nepalesischen Wirt organisierten wir den Ausflug, der uns neben dem dramatische Sonnenuntergang auch Kamele zeigen sollte. Natürlich war ich fest entschlossen, mich nicht zum touristischen Kasper zu machen und nie im Leben den Rücken eines Kameles zu erklimmen – soweit mein Vorsatz, aber ich hatte mal wieder die Rechnung ohne Christiane gemacht…

Die Sandoase Sam, in dem Gebiet, das Wüste Thar genannt wird, ist ein wundersamer Ort. Auf dem Rücken von Carlo, ja das ist ein Kamel, fühlten wir uns fast ein wenig wie Lawrence und Laura von Arabien. Man hatte mich überlistet und das war gut so.

Sam war schon ein liebes, geduldiges Tier und außerdem ein tolles Motiv für die irren Bilder, die Babou unser gewitzter Kamelführer (und begnadeter Fotograf), von uns auf-nahm.

Jaisalmer lohnt den Besuch, schon deshalb, weil man am Ende wieder gut mit der Eisenbahn weiterreisen kann.

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Jaisalmer: Wir haben im Hotel Victoria übernachtet!