Pushkar

Pushkar ist bekannt für seinen gigantischen Kamelmarkt, der im November stattfindet, und für die religiösen Feiern rund um den Vollmond. Wir haben ein Zeitfenster für unseren Besuch genutzt, außerhalb dieser Anlässe und das „normale“ Pushkar erlebt.

Normal für Pushkar, das von den Hindus als eine der wichtigsten, heiligen Städte angesehen wird, ist auf jeden Fall der zentral gelegene See, der von 52 Ghats, also sakralen Orten umzingelt ist.

Wer an den See heran möchte, kommt kaum an den Gurus und klerikalen Wächtern vorbei, die jeden Tempel beschützen. Das erste, was der Tourist lernen muss, und sei es nur, um Attacken der Wächter abzuwehren, ist: Der See ist heilig und schreit geradezu nach Blumengaben. Der Nichthindu vernimmt diese Schreie nicht, aber um ihm das bewusst zu machen, gibt es ja den Guru vor Ort. In aller Regel wird dem Ankömmling ein mit Blüten dekorierter Teller in die Hand gedrückt. Wer den Teller festhält, muss zahlen. Das ist das bewährte Geschäftsmodell. Nach dem Entrichten der Spende landet die Deko im See und dem Spender wird ein kleiner, farbiger Wollfaden ums Handgelenk geknüpft, das davor schützen soll, am nächsten Tempel wieder zahlen zu dürfen. Die Idee ist gut, funktioniert aber nicht, weil die Fäden nicht von allen Ghats als Pass anerkannt werden. Das wissend, nützt eigentlich nur, hart zu bleiben und die Verwünschungen durch die Gurus, die natürlich enttäuscht sind, wenn der Spender nicht spendet, hinzunehmen. Kein Problem, die wenigsten Touristem verstehen genug Hindu, um durch die Verwünschungen wirklich betroffen zu sein.

Nach einigen Wochen Indienaufenthalt wird wohl fast jeder Reisende immun dagegen, ansonsten bleibt nur, das Reisebudget neu zu gewichten. Bei 52 Ghats kann zumindest ein Gang um den See eine kostspielige Angelegenheit werden.

Pushkar hat sich und seinen Besuchern knallharte Regeln auferlegt: kein Bier, Schnaps oder erkennbare Drogen sind erlaubt, außerdem ist es verboten, Fleisch, Fisch und sogar Eier zu verspeisen oder anzubieten. Auf einer Speisekarte liest sich das dann so: „Eierlose Omeletts sind erhältlich“. Aus diesem kulinarischen Einheitsbrei ragt eigentlich nur das kleine Restaurant „Spice and Honey“ P1070612 Kopieheraus, das erstaunlich lecker arrangierte vegetarische Snacks anbietet, schmackhafte Süß-speisen, Salate und gnadenlos exotische Kaffeemischungen und dunkles Körnerbrot zu erstaunlich moderaten Preisen. Der Wirt ist ein knarziger Kauz, der sein Team fest im Griff hat. Der Gast dankt und genießt.

Bei all der verordneten Frömmigkeit scheint aber Pushkar auch den Jungen westlichen Besuchern Abwechslung zu bieten. Viele – vorwiegend junge Isralis – machten sich im bunten Straßengewirr in Cafés und Imbissbuden ein guten Tag, ohne dass auch nur 1 Flasche Bier zu sehen war. Incredible India!

Es hat uns Spaß gemacht, dort zu sein, auch ohne Kamelmarkt. Unsere Reisekasse hat den Aufenthalt dort gut überstanden, was nicht selbstverständlich ist. Bei Festivitäten vervielfachen sich die Preise für Unterkunft und sicher auch die gastronomischen Angebote, wie man hört um mehrere hundert Prozent.

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Pushkar: Wir haben im Kanhaia Haveli übernachtet.