Ostsee – Darß

Dass wir jetzt uns erst dem Osten Deutschlands widmen, ist reiner Zufall. Man kann zwar seit dem Mauerfall ungehindert reisen, trotzdem waren wir bisher nicht dort. Wir waren aber auch noch nicht im Spessart, der Eiffel, dem Schwarzwald und vielen anderen spannenden Regionen Deutschlands, hoffen aber, bald Zeit und Gelegenheiten zu finden, das nachzuholen.

Ein Anfang ist gemacht. Anlass nach Mecklenburg-Vorpommern zu fahren, ist ein privates Treffen. Gut erreichbar soll es sein, Erlebnis, Natur und Erholung bieten, die östliche Ostseeküste scheint perfekt zu passen.

Die Anreise führt über Rostock, von da aus sind es noch ca. 60 Kilometer zum Ziel, der Halbinsel Darß, im Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“, dem größten Naturschutzgebiet an der deutschen Ostsee. Was ein „Bodden“ ist, den Begriff hören wir noch öfter, erschließt sich mit einem Blick auf die Landkarte. Bezeichnet wird damit eine Art Lagune, die typischerweise durch eine Landzunge vom offenen Meer abgetrennt ist. Flach ist das Wasser dort, der Grund (oder Boden) liegt durchschnittlich nur 2 Meter tief.

Mit dem Auto herzureisen hat Vorteile, da die Region nämlich mit dem Zug direkt nicht erreichbar ist. Zwar werden öffentliche Busse eingesetzt, die täglich über die Halbinsel fahren, aber der Wagen verschafft bessere Mobilität. Auch parkplatztechnisch gibt es keine Engpässe, für 3 € Tagesgebühr findet sich immer ein Platz auf einem der vielen Parkplätze auf dem Darß, um von dort aus zu einem der unendlich langen Strände zu gelangen.

Für weitere Aktivitäten in der näheren Umgebung bietet das Ostseeheilbad Graal-Müritz gute Übernachtungsmöglichkeiten. Die wage Ahnung, hier auf Baudenkmäler des realen Sozialismus zu stoßen erfüllt sich hier, allerdings erst in zweiter Reihe, wo wenig malerische, wenn auch imposante Plattenbauten in allen Schattierungen von Gelb auftauchen. Die eigentlich interessante historische Bausubstanz, die hier erhalten und liebevoll saniert wurde, knüpft eher an das imperiale Flair der wilhelminischen Epoche an.

Unser Strandhotel mit dekorativer Fassade erinnert an alte Postkartenbilder der Kaiserzeit. Keine Angst, im Inneren erlebt der Gast eine moderne Einrichtung. Allerdings ohne die „störende“ Anbindung ans WLAN. Wer hier absteigt, sollte seinen Frieden schließen mit dem Phänomen des Funklochs, das den Gästen einen beschaulichen Verzicht auf digitale Kommunikation mit dem Rest der Welt auferlegt.

Dafür lässt es sich gut flanieren. Recht bequem gelangt man zu Fuß zum feinen, weißen Sandstrand, der Lust macht, kilometerweit weiter zu wandern. Oder einfach nur zur Seebrücke, die 300 Meter weit in die Ostsee hinein gebaut wurde und ein hinreißendes Motiv ist für klassische Seebäderkultur. Strandkörbe verteilen sich über den Strand, klar funkelt das Wasser der Ostsee. Auch das ein Plus der Region, wo das Meer noch sauber ist, wo es keine Bettenburgen gibt, sondern Ferienhäuser/-wohnungen, Pensionen und viele kleine bis mittelgroßen Hotels sowie eine Reihe von Campingplätzen.

Die zurückhaltende Bebauung macht Sinn, denn auf dem Darß steht die Natur im Vordergrund. Die Halbinsel ist mit fast 50 Quadratkilometern Wald bedeckt und von Biotopen umgeben, zum Meer gibt es vorgelagerte Sandbänke, dahinter Dünen, Moorlandschaften und im Süden den Bodden. Das alles sind sehr spezielle Lebensräume, die – wenn überhaupt – heute nur nachhaltig und kontrolliert wirtschaftlich genutzt werden.

Wer nach Graal-Müritz kommt und sich für Gärten interessiert, wird im Frühsommer zur Blütezeit den Rhododendron-Park besuchen, immerhin die größte Sammlung dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern. Ansonsten bietet sich für Beschaulichkeit und Romantik suchende Besucher zum Sonnenuntergang die Strandbar an. Stimmungsvoll ist es hier und nicht so abgehoben, wie etwa auf Sylt, wo alles mondäner ist.

Dafür ist man hier stolz auf Vergangenheit, zum Beispiel dass seine letzte große Reise Kafka nach Graal-Müritz geführt hat, wo er im Haus Glückauf wohnte, eine Pension die es immer noch gibt. Fans werden es sich kaum nehmen lassen, einmal über den Franz-Kafka-Weg zu schlendern, der parallel zur Strandstraße vom Strand in Richtung Köhlerwiese verläuft. Tatsächlich bieten die Wege hinter den Dünen auch für literarische Banausen eine ganze Menge, gesäumt sind sie von Sanddorn und Holunder, aber auch Hagebutten- und Brombeersträuchern. Hier finden alle Platz, Spaziergänger ebenso wie Radfahrer.

Den Darß weiter geht es Richtung Osten. Man passiert ehemalige Fischer- und Seefahrerdörfer, die heute touristisch genutzt werden. Besonders die reetgedeckten Häuser, viele sind denkmalgeschützt, sind tolle und sehr typische Fotomotive, so eine Kulisse findet sich nicht überall. Man erreicht Wustrow, wo der Zugang zur Ostsee angenehm flach ist. Ein gemütliches Dorf mit Hafen zum Bodden. Auffällig sind die Boote mit den braunen Segel, einst für die Fischerei in flachen Bodden-Gewässern konstruiert, können sie heute auch für Ausflüge gemietet werden. Braune Segel sind uns nicht fremd, wir kennen das auch von den gewerblichen Frachtkähnen in anderen Teilen Norddeutschlands, zuletzt gesehen haben wir das im Teufelsmoor bei Worpswede.

Weiter entlang an endlosen Stränden begegnet der Wanderer oft der wohl einzigen, auch zu DDR-Zeiten gelebten, legalen gesellschaftlichen Freizügigkeit, genannt FKK. Das Motto ist nach wie vor ein libertäres: Durchwandern ist zwanglos möglich, mit oder ohne Bedeckung, jedem das seine.

Ebenfalls auf der Landenge zwischen Bodden und Meer findet sich eine Künstlerkolonie, Ahrenshoop. Schmucke Häuser, benannt nach Künstlern. Namen, die dem Kunstliebhaber sicher mehr sagen, als dem geneigten Laien, der sich urlaubend einfindet. Aber das stört keinen, gucken ist erlaubt und kaufen ebenso. Seit über 100 Jahren ist man hier kreativ, töpfert, malt und präsentiert seine Werke in Ateliers, Galerien und Kunsthäusern. Unbedingt besuchenswert sei das. Dem lässt sich nur zustimmen, Urlaub soll ja Leib und Seele erfrischen.

Apropos Leib, natürlich wird man auf dem Darß auch lukullisch nicht enttäuscht. Vor allem Fisch, gerne auch in seinen geräucherten Varianten, stehen auf der Karte. Und wer es eine Nummer kleiner mag, greift zum leckeren Fischbrötchen.

Den größten Eindruck hinterlässt die Natur auf dem Darß. Eine Steilküste findet sich hier, aber auch viel Mischwald, der über weite Flächen total unberührt ist, also ein echter Ur-Wald. Diesen passieren wir auf dem Weg nach Prerow, einem gemütlichen Städtchen am Nordwestende vom Darß.

Auch Flächen, die vor Jahrzehnten noch Weideland waren, wurden im Schutzgebiet wieder aufgeforstet. Zur Freude des Besuchers, der diese Umgebung zwar nicht motorisiert erleben, dafür aber ungestört erwandern oder per Rad und – wenn die Beine gar nicht mehr wollen – mit der Pferdekutsche erleben kann. Dann sollte man auch die Stellen aufsuchen, wo die „Windflüchtigen“ sich den Elementen entgegen stemmen. Bäume, die sich im Wachstum dem ständig wehenden Wind angepasst haben. Auch in der Natur gilt, pragmatisch sein sichert auf Dauer das Überleben besser als zerbrochen zu werden.

Bei gerade mal zwei Übernachtungen lässt sich diese wunderbare Gegend nicht so intensiv erkunden, wie sie es verdient, vor allem wenn das Wetter einem Sonnenschein beschert und Strände, die zum Liegen einladen. Einmal ist eben keinmal und es ist gut zu wissen, wo es lohnt, noch mehr Zeit zu verbringen, etwa hier auf dem Darß.

Und weil’s im Norden so schön ist, hier noch ein paar lohnenswerte Ziele:

Hamburg

Der Hamburger Dom – Durch die Speicherstadt –  HafenCity –   Hafen  

Lüneburg

Lüneburger Heide

Ein Gedanke zu „Ostsee – Darß

  1. Hallo Ihr Liebem,
    der Bericht und die Fotos haben mir sehr gut gefallen.
    Das sollte man sich für nächstes Jahr mal vormerken.
    Danke Euch Beiden.
    Liebe Grüße Barbie

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